Coronavirus

„Wir werden die Krise viele Jahre lang spüren“

Bis zu 5 Millionen Euro Verlust fährt das Landestheater durch die Corona-Veranstaltungssperre ein. Die Saison ist gelaufen, elf Premieren wurden abgesagt, auch im Juli wird nicht gespielt. Das Programm der neuen Saison wird laut Intendant Hermann Schneider wohl mit Vorbehalten publiziert werden.

„Krone“:Die aktuelle Theatersaison ist gelaufen. Wie kann die neue Saison aussehen?

Hermann Schneider: Ich bin optimistisch, dass sie normal anlaufen kann. Dennoch haben wir das Programm nun zum dritten Mal umgebaut und mit Variablen versehen. Wir werden im Mai vielleicht ein Programmheft mit Alternativen oder mit Vorbehalten veröffentlichen müssen. Wenn etwa die Reisefreiheit bis Herbst nicht gegeben ist, können ja zum Beispiel Gast-Sänger nicht kommen.

Was ist mit den elf Premieren, die gestrichen werden mussten?

Wir jonglieren noch herum. Ich hoffe, den Großteil in der nächsten oder übernächsten Spielzeit realisieren zu können, aber ein oder zwei werden gar nicht kommen. In der neuen Spielzeit wird es also mehr Titel geben als normal. Dennoch können wir nicht unbegrenzt herumschieben, denn alle Verträge für die nächste Spielzeit stehen bereits, das wäre ein negativer Dominoeffekt.

Die Stücke müssen lange vorher geprobt werden. Geht sich das aus, falls dies auch im Juni nicht erlaubt sein sollte?

Dann müssen wir abwägen, ob wir im August zwei Wochen früher anfangen können, um das aufzuholen. Wir sind schon mit dem Betriebsrat im Gespräch, aber tarif- und arbeitsrechtlich haben unsere Mitarbeiter trotz der derzeitigen Kurzarbeitsregelung ein Recht auf die Theaterpause.

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Wir vermissen unser Publikum, das ist nicht leicht für Leute, die auf der Bühne stehen. Die Tänzer halten sich fit, Musiker üben, doch das ist wie Schwimmtraining ohne Wasser. Wir sind aber auf Social Media aktiv.

Sie schreiben samt Kosten für Verlage u. ä. einen Verlust von bis zu 5 Millionen Euro. Wird das Land das ersetzen?

Wir sind in permanentem Kontakt mit dem Land, dort ist man offen und verständnisvoll. Aber es wäre arrogant und vermessen von mir, zu fordern, dass das jetzt gezahlt werden muss, wenn gleichzeitig um genügend Betten in den Spitälern gerungen wird und Menschen ihre Arbeit verlieren. Wenn die Leute kein Geld haben, gehen sie ohnehin nicht ins Theater. Fakt ist, dass wir diese Krise noch viele Jahre lang spüren werden, auf der ganzen Welt.

Jasmin Gaderer/Kronen Zeitung

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Mittwoch, 27. Mai 2020
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