01.04.2020 15:00 |

„Gute Nachrichten“

„neunerhaus“: „Gerade jetzt bei den Menschen sein“

Von medizinischer Versorgung bis zum Schlafplatz - die Wiener Sozialorganisation „neunerhaus“ betreut auch während der Corona-Krise obdachlose Menschen…

Die Corona-Krise trifft jeden auf irgendeine Weise. Besonders schlimm trifft es jene Menschen, die etwa durch Obdachlosigkeit oder fehlende Krankenversicherung ohnehin schon täglich an ihre Grenzen kommen und in medizinischer Hinsicht oftmals vor verschlossenen Türen stehen - was gerade in Zeiten wie diesen auf mehrfache Weise problematisch ist. „Obdachlose Menschen leiden viel öfter unter chronischen Erkrankungen und gehören somit zur Risikogruppe des Corona-Virus. Daher brauchen sie jetzt besonders unsere Hilfe“, weiß Stephan Gremmel, Ärztlicher Leiter des „neunerhaus Gesundheitszentrum“ in Wien. Die Sozialorganisation bietet hier als einzige Anlaufstelle für obdachlose und nichtversicherte Menschen einen unkomplizierten Zugang zum Gesundheitssystem.

Auch jetzt, in Corona-Zeiten, hält hier ein Team aus Ärzten, Sozialarbeitern, Krankenpflegern und Ordinationsassistenten die Stellung für Bedürftige. Das Zentrum ist auch weiterhin fünf Tage die Woche geöffnet - derzeit eben inklusive Respektabstand, Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Händewaschen, Fiebermessen und weiteren verstärkten Sicherheitsmaßnahmen für alle. Die Mitarbeiter im Gesundheitszentrum sind Anlaufstelle für verschiedenste Themen: „Neben der medizinischen Versorgung informiert unser Team auch zur aktuellen Lage, Hygiene und Schlafmöglichkeiten“, so Gremmel, „es hilft somit, das Corona-Virus einzudämmen.“

Von Unsicherheit und Zukunftsängsten
Derzeit spüren die Helfer stark die Unsicherheit der Menschen, ihre Zukunftsängste zusätzlich zu Hunger, finanziellen Nöten und eben den gesundheitlichen Sorgen. „Es ist eine absolute Ausnahmesituation, die für uns alle anstrengend ist“, sagt Mitarbeiterin Daniela S.: „Gleichzeitig merken wir, wie wichtig es ist, jetzt für die Menschen da zu sein.“ Denn auch die Isolationsmaßnahmen wirken sich auf die psychische Gesundheit aus: „Wir gehen davon aus, dass sich das in der nächsten Zeit noch stärker zeigen wird.“ Auch wenn die Zeiten anstrengend für die Helfer sind: „Natürlich schweißt uns diese Situation als Team auch zusammen“, sagt Daniela S., „das Aufeinander-Schauen funktioniert gut.“

„Auch an jene denken, die keine Wohnung haben“
Auf so eine Situation wie derzeit „kann man sich nicht vorbereiten“, meint Barbara Berner, Leiterin der Sozialarbeit im Gesundheitszentrum: „Für viele Menschen bricht gerade alles weg. Wir arbeiten mit dem, was wir haben und helfen, wo es geht, aber es kostet auch uns sehr viel Kraft.“ Neben dem Gesundheitszentrum bietet das neunerhaus auch drei Wohnhäuser, betreute Wohnungen und Tageszentren. Derzeit, wo Daheimbleiben angesagt ist, „rückt uns die Wichtigkeit der eigenen vier Wände stärker ins Bewusstsein“, erinnert Flora Eder, die Leiterin der neunerhaus-Kommunikation, „dabei sollten wir auch an jene denken, die keine Wohnung haben. Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz in einem Zuhause und auf Zugang zu Gesundheitsversorgung.“

Möglich wird die Arbeit im neunerhaus Gesundheitszentrum durch den Fonds Soziales Wien, die Wiener Gebietskrankenkasse, ehrenamtliche Arbeit, Kooperationen - und vor allem auch Spenden. „Um unsere Angebote aufrecht zu erhalten, sind wir vor allem auf Spenden angewiesen, aktuell mehr denn je“, sagt neunerhaus-Geschäftsführerin Daniela Unterholzner. „Jeder Euro zählt!“

Wer helfen möchte: Infos und Spenden unter www.neunerhaus.at

 Ombudsfrau
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