13.03.2020 16:59 |

Wirtschaftliche Folgen

„Können uns jetzt locker Staatsausgaben leisten“

Bei „Moment mal“ greifen wir aus der Informationsflut Woche für Woche ein spannendes Thema heraus und diskutieren es - tiefgehend, konstruktiv und ganz ohne Streiterei. Diese Woche stellen wir uns die Frage: Was macht das Coronavirus mit der Wirtschaft? Zu Gast bei Moderatorin Damita Pressl sind Larissa Kravitz, Finanzmathematikerin und Autorin, sowie Christoph Badelt, Leiter des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts. 

„Ich glaube, dass die Regierung im Augenblick die richtigen Schritte setzt“, betont Christoph Badelt, Leiter des WIFO. Aus ökonomischer Perspektive tue die Regierung das, was nötig sei: Sie unterstützt die Unternehmen hinsichtlich der Liquiditätsengpässe und die Arbeitsverhältnisse durch Kurzarbeit. „Ich glaube, genau so muss man es machen“, ist Badelt zuversichtlich. Die Wachstumsprognose des WIFO von 1,2% wird das Institut jedenfalls nach unten korrigieren müssen, aber: „Wenn man davon ausgeht, dass die gesundheitliche Krise in zwei bis drei Monaten vorbei ist, dann sollten wir es ohne Rezession schaffen.“

Doch dass die Weltwirtschaft getroffen ist, das ist nicht abzustreiten - und es zeigt sich auch ganz klar an der Börse, erklärt Larissa Kravitz, Finanzmathematikerin und Buchautorin. „Im Tourismus haben etwa Airlines und Flugzeughersteller massive Einbrüche. Aber auch Pharmaunternehmen und Medizintechnikunternehmen - deren Kurse haben auch gelitten, aber vergleichsweise weniger als jene in anderen Branchen.“ Es trifft also alle Bereiche der Wirtschaft, manche härter als andere. Vergleichbar mit 2008 oder dem Crash um 2000 sei die jetzige Situation nicht, so Kravitz: „Es ist keine reine Nachfragekrise, sondern teilweise auch eine Angebotskrise. Aufgrund der Ausfälle in China wurden hier einfach Lieferketten unterbrochen. Das ist etwas, das wir in den letzten zehn oder 20 Jahren in der Form nicht gesehen haben.“ 

Allerdings erwartet sich Kravitz mittelfristig aber auch Vorteile für die Endkonsumenten: Aufgrund des 30-prozentigen Crash des Rohölpreises könnten etwa Benzinpreise fallen, und es sei naheliegend, dass Handelsketten mit starken Rabatten arbeiten würden, um die Nachfrage wieder zu stärken. Besonders in der Automobilbranche hält Kravitz dies für naheliegend.

Im internationalen Vergleich kann Österreich aber, da sind sich Badelt und Kravitz einig, die Krise recht gut wegstecken. „Wir können uns jetzt locker Staatsausgaben leisten“, so Badelt, „wir machen es nicht gern, aber es ist eben notwendig und es wird keine nachhaltigen ökonomischen Probleme nach sich ziehen.“ In Italien sähe das schon anders aus: Auch hier würden Staatsausgaben nötig, gleichzeitig sei die Staatsverschuldung aber bereits hoch und steige weiter. Wann immer die Krise vorbei ist, wird die italienische Wirtschaft wohl ein Thema werden, sagt Badelt. Dann ist die Frage, wie stark und auf welche Weise Europa Italien unterstützen kann, um vom Schuldenpfad wegzukommen. Ganz klassisch könnte etwa die EZB mit Anleihenkäufen nachhelfen, so Kravitz. 

Was jeder von uns tun kann, um die Wirtschaft ein wenig aufzufangen? „Das tun, was medizinisch sinnvoll ist, und ansonsten möglichst normal leben“, so Badelt. Kravitz betont, man könne Einzelpersonenunternehmen und Kreative unterstützen, die es derzeit besonders hart trifft, indem man etwa Online-Veranstaltungen bucht. 

Damita Pressl
Damita Pressl
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