09.03.2020 13:22 |

Im Alter von 90 Jahren

Schauspieler Max von Sydow verstorben

Der Schauspieler Max von Sydow ist tot. Der preisgekrönte Mime spielte Attentäter und Eroberer, Teufelsaustreiber und den Teufel selbst, Könige und sogar Jesus: Für Ingmar Bergman stand er 1957 für „Das siebente Siegel“ vor der Kamera, die jüngere Generation kennt ihn aus „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ und „Game of Thrones“. In Hollywood drehte der Charakterdarsteller unter anderem „Der Exorzist“ oder verkörperte den James-Bond-Gegenspieler Blofeld in „Sag niemals nie“. Der gebürtige Schwede, der seit 2002 französischer Staatsbürger ist, ist am Sonntag verstorben, wie am Montag zu erfahren war. Im April wäre er 91 Jahre alt geworden.

Auf seiner offiziellen Facebook-Seite trauerte seine Familie um den Schauspieler. „Mit gebrochenem Herzen und unendlicher Traurigkeit“ müsse man unter „extremen Schmerz“ die Abreise von Max von Sydow verkünden, war dort am Montag zu lesen.


Das Schauspiel - zunächst fürs Theater, dann für die Leinwand - war bis zuletzt von Sydows Leben. Er lerne mit jedem Film etwas dazu, verriet der hochgewachsene Charakterdarsteller mit der markigen Stimme 2012 bei der Berlinale. „Das ist das Tolle am Schauspielern: Mit jeder neuen Rolle lernst du etwas Neues, selbst wenn sie zunächst einer früheren Rolle sehr ähnelt“, sagte er damals. Von Beginn seiner Karriere an schrieben viele dem Schauspieler eine fast mysteriöse Präsenz zu. Die hagere Figur, die tiefe, kräftige Stimme, die leicht vorgeschobene Unterlippe, zum Schluss die tiefe Furche zwischen den Augenbrauen: Von Sydow hat mit seinem Körper Geschichten erzählt.

Wurde immer wieder für einen Deutschen gehalten
Geboren wurde er als Carl Adolf von Sydow am 10. April 1929. Er wuchs in Lund in der südschwedischen Region Skåne auf. Schon in der Schulzeit gründete er mit anderen eine Theatergruppe, lernte früh Englisch und Deutsch. Nicht selten hat er deutsche Charaktere gespielt, und des Öfteren wurde er für einen Deutschen gehalten.

Das Königliche Dramatische Theater in Stockholm bildete ihn einst zum Schauspieler aus, ehe er in den 50er Jahren in Malmö auf Regisseur Ingmar Bergman traf. Dessen Filme - erst „Das siebente Siegel“, in dem von Sydow als Ritter Block auf unvergessene Weise mit dem Tod Schach spielte, dann „Wilde Erdbeeren“, „Die Stunde des Wolfs“, „Schande“ und weitere - machten ihn über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt. Die Zusammenarbeit mit Bergman sei ohne Frage die wichtigste Zeit seiner Schauspielkarriere gewesen, ließ von Sydow immer wieder wissen.

Von Jesus zum Exorzisten
Es folgte der Gang nach Hollywood und mit ihm eine komplexe Rolle nach der anderen. Von Sydow spielte Jesus („Die größte Geschichte aller Zeiten“, 1965), lebte in Los Angeles, zog weiter nach Rom und machte sich auch um mehrere italienische Filme verdient. Gleichzeitig blieb er Hollywood treu: In „Der Exorzist“ (1973) verkörperte er Pater Lankester Merrin, im James-Bond-Film „Sag niemals nie“ (1983) Sean Connerys Gegenspieler Blofeld.

Für seine Darstellung in „Pelle, der Eroberer“ (1987), den er selbst als einen seiner Lieblingsfilme bezeichnet hat, wurde er für den Oscar als bester Schauspielers nominiert. Apropos Oscar: Den bekam von Sydow noch nicht, obwohl er nach „Pelle“ auch für seine Nebenrolle in „Extrem laut und unglaublich nah“ (2012) nominiert war. Auch Filmprojekte mit Woody Allen, Steven Spielberg und Wim Wenders sowie Rollen an der Seite von Schauspielern wie Robin Williams, Tom Hanks und Leonardo DiCaprio änderten daran nichts.

In über hundert Filmen und Fernsehserien war von Sydow im Laufe seiner langen Karriere zu sehen, streifte dabei fast jedes Genre. In Hollywood drehte er unter Regiegrößen wie Martin Scorsese („Shutter Island“, 2010) und Steven Spielberg („Minority Report“, 2002). Auch für Wim Wenders („Bis ans Ende der Welt“, 1991) stand von Sydow vor der Kamera.

In Cannes wurde von Sydow 2004 für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Das ist bei Weitem nicht das einzige, das ihn mit Frankreich verbindet: Privat hat der zurückgezogen lebende Schauspieler mit der Französin Catherine Brelet seine zweite große Liebe gefunden. Er heiratete die Filmemacherin 1997. Mit ihr hat er ebenso zwei Söhne wie mit seiner ersten Frau Christina Olin, von der er sich 1979 scheiden ließ.

Für Brelet zog von Sydow nach Frankreich, was eine kleine Kontroverse in seiner schwedischen Heimat auslöste: Seinen schwedischen Pass musste er 2002 abgeben, um französischer Staatsbürger zu werden - ein Schritt, den ihm manche seiner damaligen Landsleute übel nahmen. Auf seiner Facebook-Seite, die bis zu seinem Tod in enger Zusammenarbeit mit einem seiner Söhne mit Inhalt gefüttert wurde, wurde er mit den Worten zitiert: „Ich liebe mein Land Frankreich so sehr!“ Boulevardmedien warfen ihm deshalb vor, mit seiner Heimat zu brechen. Aber von Sydow beteuerte: „Ich liebe Schweden.“

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