08.03.2020 17:42 |

Frauentag weltweit

„Wollen Gleichberechtigung, keine Glückwünsche!“

„Wir wollen Gleichberechtigung, keine Glückwünsche oder Feiern.“ Die Umweltaktivistin Greta Thunberg hat am Sonntag auf den Punkt gebracht, worum es am Internationalen Frauentag geht. In vielen Teilen der Welt werden Frauen noch immer als Eigentum ihres Mannes angesehen. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres beklagte eine „gewaltige Ungleichheit der Geschlechter in Politik und Wirtschaft“.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat anlässlich des Weltfrauentags eine weiterhin fehlende Gleichberechtigung von Männern und Frauen bemängelt. In den heutigen Gesellschaften seien Frauen noch immer weit davon entfernt, Männern gleichgestellt zu sein, schrieb die junge Schwedin auf Twitter. „Was wir Frauen heute - und jeden Tag - wollen, ist Gleichberechtigung, keine Glückwünsche oder Feiern.“ Ohne eine Gleichstellung der Geschlechter werde es auch keine Gerechtigkeit im Kampf gegen die Klimakrise geben.

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Was wir Frauen heute - und jeden Tag - wollen, ist Gleichberechtigung, keine Glückwünsche oder Feiern.

Greta Thunberg

„Frauen als Eigentum“
Anlässlich des Internationalen Frauentags haben Frauen auf der ganzen Welt am Sonntag mehr Rechte gefordert. Ungeachtet der Ängste vor einer Ausbreitung des Coronavirus beteiligten sich in Asien Tausende Menschen an Demonstrationen zum Frauentag. Auch in patriarchalischen Staaten wie Pakistan gingen Frauen auf die Straße. In Kirgistan wurden Dutzende Frauen bei einem Protestmarsch festgenommen. 

Im ultrakonservativen Pakistan gab es in mehreren Städten Kundgebungen zum Frauentag - und auch Gegendemonstrationen. In der Hauptstadt Islamabad forderten rund tausend Frauen und auch einige Männer gleiche Rechte für die Geschlechter. „Frauen in Pakistan werden als Eigentum ihres Mannes angesehen“, kritisierte Teilnehmerin Tahira Maryum. „Es ist nichts Anstößiges daran, seine Rechte einzufordern.“

Die Demonstrantinnen wurden nur durch eine Polizeikette von der Gegenkundgebung getrennt. Bei dieser hielten in Burka gekleidete Frauen Schilder wie „Anti-Feminist“ und „Unser Körper, Allahs Wille“ in die Höhe. Ein AFP-Reporter sah, wie Männer mit Steinen und Stöcken auf die Frauentags-Demonstrantinnen warfen.

Kampagnen statt Straßenmärsche
Zu Ausschreitungen kam es auch bei einer Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen in Kirgistan. Maskierte Männer mit traditionellen Kopfbedeckungen attackierten die Teilnehmerinnen in Bischkek, bewarfen sie mit Eiern und entrissen ihnen die Plakate. Die Polizei nahm mehrere Dutzend Frauen fest.

In Europa war die Beteiligung an Demonstrationen vielerorts geringer als in den Vorjahren. Viele Frauenrechtsgruppen organisierten unter den Hashtags #FemaleStrike und #38InternationalWomensDay Internet-Kampagnen statt Straßenmärsche. In Paris stürmten Femen-Aktivistinnen mit blankem Oberkörper auf den Place de la Concorde, zugleich wurde in Frankreich über Polizeigewalt gegen eine Frauen-Demonstration am Vorabend gestritten.

Mangelnde Gleichstellung
In Asien wurden die Frauentags-Demonstrationen massiv von der Angst vor dem neuartigen Coronavirus überschattet. Demonstranten in Bangkok forderten angesichts Dutzender Infektionsfälle in Thailand einen besseren Arbeitsschutz und mehr Rechte für Frauen. In China, wo die Coronavirus-Epidemie ihren Ausgang nahm, hoben Staatsmedien den Einsatz von weiblichem medizinischen Personal im Kampf gegen das Virus hervor.

UNO-Generalsekretär Guterres bezeichnete die mangelnde Gleichstellung in vielen Bereichen als „die überwältigende Ungerechtigkeit unserer Zeit und die größte Herausforderung für die Menschenrechte“. Das 21. Jahrhundert müsse das „Jahrhundert der Gleichstellung von Frauen sein“, forderte Guterres in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Er kritisierte auch den täglichen Sexismus, dem Frauen ausgesetzt seien.

109. Frauentage
Der Internationale Frauentag für mehr Gleichberechtigung wurde am Sonntag zum 109. Mal begangen. In Österreich nutzten Parteien und Organisationen den Anlass zum Deponieren ihrer Forderungen, vor allem zum Thema Gewaltschutz. Nicht ohne Grund: Seit Beginn des Jahres wurden in Österreich bereits sechs Frauen getötet, im vergangenen Jahr waren es 34.

Frauenministerin Susanne Raab hat zuletzt versprochen, zwei Millionen des Frauenbudgets in den Gewaltschutz zu investieren. „Bei Gewalt gegen Frauen gilt für mich null Toleranz.“

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