05.03.2020 06:00 |

„Geht mir wunderbar“

Corona-Betroffener: „Quarantäne ist halb so wild“

Mehr als 3100 Tests und rund 30 bestätigte Virus-Fälle, eine Info-Offensive, die - so der Gesundheitsminister - wirkt, niemand in Ambulanzen („Man wartet zu Hause“), Neuerkrankungen in Wien und Niederösterreich. Die „Krone“ sprach für den aktuellen „Brennpunkt“ mit Hotelier Philipp Obermair, erläutert viele offene Fragen rund um die Testungen und verrät auch, ob das alljährliche Donauinselfest von den Veranstaltungsabsagen betroffen ist.

„Krone“: Herr Obermair, warum sind Sie unter Quarantäne?
Philipp Obermair: Am Sonntagabend hat mich ein Arzt aus Frankfurt angerufen und mir mitgeteilt, dass einer unserer Gäste im bekannten und beliebten Yoho Hostel in Salzburg mit dem Coronavirus infiziert ist.

Was haben Sie nach dieser Hiobsbotschaft gemacht?
Ich habe sofort die Nummer 1450 angerufen und den Vorfall gemeldet.

Was ist danach passiert?
Im Handumdrehen, obwohl es Sonntag war, hat sich wer von der Behörde gemeldet und mir mitgeteilt, dass ich bis 12. März daheim unter Quarantäne stehe. Zusätzlich wurde mir auch ein offizieller Bescheid per E-Mail geschickt.

Wie geht es Ihnen dabei?
Natürlich ist der Tagesablauf ein anderer, aber mir geht es wunderbar, und dank des Internets kann ich einen Teil meiner Arbeit im Homeoffice erledigen. Symptome habe ich nicht, im Gegenteil, ich fühle mich pumperlgesund.

Was machen Sie den ganzen Tag jetzt daheim?
(lacht) Ich putze viel, mein Papa ist so nett und versorgt mich mit Lebensmitteln, frischer Wäsche und hat mir auch ein 6er-Tragerl Bier besorgt. Wir halten uns aber strikt an alle Vorgaben der Behörden. Die Sachen werden im Stiegenhaus in unserem Haus abgestellt, ich hole sie fünf Minuten später. Also kein persönlicher Kontakt. Ich nehme die Quarantäne ernst!

Können Sie sich noch an Ihren infizierten Gast im Yoho Hostel erinnern?
Ja, er war Teil einer Gruppe Fußballfans, die aufgrund der Spielverschiebung der Bullen gegen die Eintracht einen Tag länger in unserer schönen Mozartstadt geblieben sind. Ich habe ihnen Kugelschreiber für die Gästeblätter hingelegt und die Zimmerschlüssel bereitgelegt. Das war alles!

Video: Anschober: Informationskampagne zeigt Wirkung

Schule troz Virus-Alarm offen - viele Fragen um Testungen
In Italien werden alle Schulen und Unis gesperrt, die Tore zur Vienna International School waren bereits für zwei Tage verschlossen. Die „Krone“ bringt drei Beispielsituationen, die im Umgang mit dem Virus viele Fragen aufwerfen - und auch in Bezug auf die Testungen:

  • Beispiel 1: Alarm an der renommierten Vienna International School. 17 Lehrer hatten Kontakt mit einer infizierten externen Trainerin. Vergangenen Samstag wurde bekannt, dass die Frau positiv auf Covid-19 getestet wurde - zwei Tage lang war die Schule gesperrt. Jetzt ist sie offen. Warum die Sperre schon nach zwei Tagen aufgehoben wurde, erklärt Direktor Peter Murphy so: „Es wurde festgestellt, dass es zurzeit keinen Nachweis für eine Infektion bei Kindern oder Lehrern gibt.“ Allerdings werden nur Personen mit Symptomen getestet, infiziert kann man aber auch ohne Anzeichen sein und das Virus weitertragen.
  • Beispiel 2: Die junge Juristin aus der Kanzlei, in der der Seniorchef infiziert ums Leben ringt und die am Montag ihr Praktikum am Wiener Landesgericht begann. Am Abend stellte sich heraus: Auch sie hat das Virus, ist aber völlig symptomfrei. Worauf zumindest die Richter, die mit ihr stundenlang arbeiteten, gleich vorsorglich NICHT getestet werden, weil - so die Gesundheitsbehörden - „nicht genug Kapazitäten frei sind“.
  • Beispiel 3: Da kommt ein Geschäftsreisender aus Singapur nach Klosterneuburg (NÖ) zurück. Bekommt die - auch - für die Viruserkrankung typischen „Grippe“-Merkmale: Husten, Schnupfen, Fieber. Meldet sich bei der Hotline 1450. Wird mit einem Krankentransport nach St. Pölten gebracht. Das war am Samstag. Dort beschied man ihm, dass bis Montag „eher nix passiert“. Weil die Testung auf das Virus in Wien vorgenommen wird. Er war zu Hause in Quarantäne und ist negativ. Drei Testeinzelfälle, die solche bleiben mögen!

Donauinselfest: „Ganz Wien“ wird gegen Corona rocken
Das 37. Donauinselfest soll fix stattfinden. Intensiven Kontakt zu den Behörden gibt es dennoch. Es sind nur noch 113 Tage, dann wird die Wiener Donauinsel wieder zur Megashow-Bühne. Während anderswo Musik- und Sportevents der Hysterie um das Coronavirus „aus Sicherheitsgründen“ vorsorglich abgesagt wurden - und werden -, soll die 37. Megaparty (#dif20) in der Bundeshauptstadt von 26. bis 28. Juni, wie geplant, über die Bühne gehen.

„Keine Notwendigkeit zu Adaptionen“
„Die Planung läuft wie gehabt, und wir gehen aus heutiger Sicht davon aus, dass das Fest wie gewohnt stattfinden kann“, heißt es seitens des Veranstalters. Freilich gebe es intensiven Kontakt mit den Behörden - aber: „Bislang gibt es keine Notwendigkeit zu Adaptionen.“ Mit dem diesjährigen #dif20-Motto „Ganz Wien“ wird nicht nur Ende Juni gegen das Coronavirus gerockt - das Fest „besucht“ im wahrsten Sinne des Wortes ganz Wien. Im April und Mai wird in jedem Bezirk vorgefeiert.

Kronen Zeitung

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