03.03.2020 14:21 |

24 Patienten im Land

Drei Fälle in Kanzlei von infiziertem Anwalt (72)

Auch in Österreich gibt es immer mehr Corona-Fälle: Nur kurz nachdem bekannt wurde, dass eine Praktikantin am Wiener Landesgericht positiv getestet worden war, wurde mitgeteilt, dass sich zwei weitere Personen, die in der Kanzlei des schwer erkrankten Anwalts arbeiten, mit dem Coronavirus angesteckt haben. Die Kanzlei hatte alle Mitarbeiter von einem deutschen Institut testen lassen. Der 72-jährige Jurist wird weiterhin im Kaiser-Franz-Josef-Spital behandelt. Bei ihm nimmt die Erkrankung einen schweren Verlauf. Damit sind in Österreich derzeit 24 Personen mit SARS-CoV-2 infiziert.

Die junge Juristin hatte am Montag den Dienst im Grauen Haus angetreten und am Montagabend von ihrem positiven Testergebnis bezüglich des SARS-CoV-2-Erregers erfahren. Am Dienstagmorgen berichtete die junge Frau im Straflandesgericht davon. Sie wurde daraufhin aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Die Praktikantin zeige keinerlei Krankheitssymptome. „Weder hustet sie, noch weist sie sonstige Anzeichen auf eine Erkrankung auf“, erklärte Gerichtssprecherin Christina Salzborn am Dienstagnachmittag.

Bevor sie als Praktikantin dem Landesgericht zugeteilt worden war, soll die Betroffene als studentische Mitarbeiterin in der Kanzlei jenes Anwalts gearbeitet haben, der als der am schwersten erkrankte heimische Covid-19-Patient gilt. Er ist nicht ansprechbar und wird weiterhin auf der Intensivstation des Kaiser-Franz-Josef-Spitals behandelt. Die Kanzlei ließ nach Bekanntwerden der Infektion - ursprünglich hatte der 72-Jährige als normaler Grippepatient gegolten - vorsorglich alle Mitarbeiter testen.

Kanzlei ließ alle Mitarbeiter von deutschem Institut testen
Wie die Großkanzlei Wolf Theiss Dienstagmittag in einer Aussendung bekannt gab, habe man nach der Erkrankung „eines Mitglieds unserer Partnerschaft“ zum Schutz von „Mitarbeitern, Klienten, Gerichten und Geschäftspartnern“ alle Mitarbeiter auf eigene Kosten von einem deutschen virologischen Institut testen lassen. Eine Testung durch die österreichischen Behörden soll von ebenjenen abgelehnt worden sein, da die Kanzleimitarbeiter nicht „zur Risikogruppe 1" gehörten. Bei der darauffolgenden, privat durchgeführten Testwelle seien mehr als 200 Personen getestet worden, am Montag weitere rund 80. Dabei seien drei positive Fälle aufgefallen.

„Diese drei Mitarbeiter zeigen keine Symptome einer Erkrankung und wurden sofort in häusliche Quarantäne gestellt“, heißt es weiter. Von den bisher untersuchten Mitarbeitern der Kanzlei waren über 200 Tests negativ, Mitarbeiter, die noch kein Ergebnis in Händen haben, arbeiten vorerst im Homeoffice, war von dem Unternehmen am Nachmittag mitgeteilt worden.

Ergebnisse der drei Mitarbeiter entscheidet über weitere offizielle Testungen
Die Testungen seien laut der Kanzleisprecherin Barbara Fürchtegott aus „Eigeninitiative“ durchgeführt worden, um die besorgten Mitarbeiter zu beruhigen, die offenbar befürchteten, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben. Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien wollte zunächst die Ergebnisse der am Dienstag abgenommenen Proben der drei Mitarbeiter abwarten. Erst dann will man entscheiden, ob auch die restlichen Kanzleikräfte von der Behörde offiziell getestet werden sollen, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien.

Wann der infizierte Anwalt zuletzt die Kanzlei betreten hatte, ließ sich nicht klären. Wolf Theiss wollte das mit dem Hinweis auf die Wahrung des höchstpersönlichen Lebensbereichs des Betroffenen nicht offenlegen.

Hauptverhandlung abberaumt
Auch eine Kollegin der jungen Juristin am Straflandesgericht wurde nach Hause geschickt und befindet sich in häuslicher Quarantäne, da sie am Montag über längere Zeit direkten Kontakt zu der Betroffenen hatte. Vorsorglich wurde auch eine Hauptverhandlung abberaumt. Der Grund: Die Betroffene dürfte Kontakt zu einem Verfahrensbeteiligten gehabt haben. Dem Vernehmen nach hatte sie ihm die Hand geschüttelt. Über das weitere Vorgehen entscheidet auch hier der Gesundheitsdienst. Im Wiener Landesgericht sei nach menschlichem Ermessen keine Ansteckungsgefahr gegeben, teilte das Justizministerium am Dienstagnachmittag mit.

24 Coronavirus-Fälle in Österreich
Damit gibt es aktuell 24 Coronavirus-Fälle in Österreich, wie auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag bestätigte. „Ich glaube, wir sind das einzige Land in Europa, das derzeit auch einen Großteil der entsprechenden Absonderungsmaßnahmen vor Ort zu Hause durchführt“, so Anschober. Das sei ein „sehr kluger, österreichischer Weg“, da man so Ressourcen in den Spitälern spare.

Bereits am Dienstagvormittag waren drei weitere Fälle bestätigt worden: Zwei davon betrafen ebenfalls die Bundeshauptstadt. Ein Paar wurde nach einem Italien-Aufenthalt positiv getestet, einen neuen Coronavirus-Fall gibt es in Niederösterreich.

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