20.02.2020 01:14 |

Wr. Stadthalle live

Megadeth: Frisch und gesund wieder im Rampenlicht

Rund 10.000 Fans versammelten sich in der Wiener Stadthalle für das Metal-Treffen der Generationen. Die Thrash-Kultband Megadeth auf der einen Seite, die musikalisch querbeet pflügenden Five Finger Death Punch auf der anderen. Ein Freundenfest für Anhänger aggressiver Klänge.

Gewaltiger Krach schält sich von der Bühne, durch die Reihen bis ganz nach hinten und wird auch in ähnlicher Intensität wieder zurückgegeben. Im Laufe ihrer 15-jährigen Karriere haben sich die kalifornischen Metal-Rabauken Five Finger Death Punch tatsächlich zu einer allumfassenden Erfolgsmaschinerie gemausert, die bis in die hintersten Winkeln die großen Hallen füllt. Gemeinsam mit den Thrash-Metal-Ikonen Megadeth versammeln sie an diesem nasskalten Mittwochabend nicht weniger als 10.000 begeisterte Fans, die lautstark grölend ihre Helden bei ihrem bislang größten Österreich-Auftritt unterstützen. Dabei fährt das Quintett auch mit ordentlich visuellem Brimborium auf. Ein riesiger Totenschädel mit gekreuzten Baseballschlägern ziert luftig-hoch die Bühnenmitte, Pyrotechnik, Laser, paralysierende Lichteffekte und die ständig in Betrieb befindlichen Nebelmaschinen sorgen für rabiate Festtagsstimmung.

Zahme Rabauken
Musikalisch verwursten FFDP im Prinzip alles, was im US-Metal der letzten 25 Jahren populär war, würzen das mit einer kräftigen Portion Testosteron und einem zur Schau gestellten Selbstvertrauen, so groß wie Stierhoden. Die Bad-Boy-Attitüde ist natürlich geschickte Maskerade, denn hinter dem gockelhaften Benehmen stecken durchwegs fragile Seelen mit normalen Problemen. Kaum eine Tour wird in Originalbesetzung gespielt, weil immer irgendwer gerade auf Entzug oder anderweitig out ist - dieses Mal Gitarrist Jason Hook. Der unbändige Spaß am bunten Treiben steht aber stets im Vordergrund und springt auch problemlos auf die Fans über, die ihre Helden mit Inbrunst vorantreiben. Neben treibenden Metalcore-Beats und harschem Schlagzeugeinsatz bleibt auch Zeit für akustische Momente und ungewöhnliche Coverversionen von Bad Company und Kenny Wayne Shephard. Auch wenn Songtitel wie „Burn MF“, „Battle Born“ oder „The Bleeding“ anderes vermuten lassen - im Endeffekt will die Rasselbande doch nur etwas aggressiven Spaß versprühen.

Dass die Thrash-Metal-Legenden Megadeth für diese Tour „nur“ als Support angesetzt waren, hat so manch altgedienten Anhänger verwundert bis verärgert. Doch auch im ohnehin nicht gerade innovativen Metal gibt es schleichende Paradigmenwechsel. Man denke zurück an die Aufregung vor ein paar Jahren, als die schwedischen Kriegshuldiger Sabaton vor der deutschen Heavy-Metal-Legende Accept Headliner im Wiener Gasometer waren. Mittlerweile wird das als selbstverständlich angesehen. Megadeth hatten zuletzt aber ohnehin andere Sorgen, wie Frontmann Dave Mustaine im Laufe des Sets noch einmal rekapituliert. Vor ca. einem Jahr wurde bei ihm Kehlkropfkrebs diagnostiziert, doch der bekennende Christ ließ sich nicht davon unterkriegen, kämpfte mit Freunden, Familie und seinem Glauben dagegen an und wurde schließlich „am 16. Oktober 2019 für 100 Prozent krebsfrei“ erklärt. Da ist es wahrlich nebensächlich, auf welcher Position man durch Europa tourt.

Stimmlich auf der Höhe
Beeindruckend ist nach dieser gefährlichen Krankheit vor allem die Stimmkraft von Mustaine. Der krächzende, nicht immer verständliche Gesang war schon davor sein Markenzeichen und hat wenig von seiner Intensität verloren. Gerade bei den Klassikern „Hangar 18“ zum Auftakt oder „Sweating Bullets“ zeigt er sich in besonders guter Verfassung. Die dem 40. Bandgeburtstag immer näher kommende Kultband hat als Unterstützung fünf kleine Videoleinwände und beeindruckende Lichteffekte aufgefahren, doch für die meiste Begeisterung sorgen natürlich die schneidenden Riffs und Mustaines akkurate Soli, die immer wieder zum richtigen Zeitpunkt etwas Tempo aus den Songs nehmen. Drummer Dirk Verbeuren, mittlerweile auch schon knapp vier Jahre im Sold der Band, erweist sich als tighte Rhythmusmaschine, die als Unterlage für starke Songs wie „Dread And The Fugitive Mind“ oder „Angry Again“ herhält.

Der sonst so sperrige Frontmann zeigt sich ungewohnt freundlich und versöhnlich, bedankt sich ein ums andere Mal bei den Fans und zeigt sich ehrfürchtig für den langjährigen Support ebenjener. Als Teil der legendären „Thrash Big 4“ ist Megadeth noch immer eine der größten Metalbands der Welt, auch wenn das kompositorische Feuer in den letzten Jahren nicht immer gefährlich gebrannt hat. Wenn man sich möglichst zentral zum Mischpult stellt, ist auch der Sound in der Stadthalle mehr als in Ordnung. Das ist vor allem im Schlussdrittel wichtig, wo die Kalifornier, prinzipiell Idole des heutigen Headliners FFDP, noch einmal einen Top-Hit nach dem anderen aus dem Köcher ziehen. Das unvergleichlich eingängige „Symphony Of Destruction“ geht über auf den 80er-Klassiker „Peace Sells“ und mit einer ausgeklügelten Version von „Holy Wars… The Punishment Due“ beenden sie ihr Set nach ziemlich genau einer Stunde. Bevor Punk-Legende Sid Vicious den Sinatra-Klassiker „My Way“ aus den Boxen rotzt, verabschiedet sich Rotschopf Mustaine demütig: „We were Megadeth and you were great“. Kann man allgemein so stehenlassen.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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