04.02.2020 18:38 |

Betrugsprozess

Als Minister ausgegeben und 50 Mio. Euro ergaunert

Wegen einer besonders dreisten Betrugsmasche müssen sich mehrere Männer in Frankreich seit Dienstag vor Gericht verantworten. Den Angeklagten wird vorgeworfen, sich über mehrere Jahre als Frankreichs damaligen Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian ausgegeben und so rund 50 Millionen Euro ergaunert zu haben, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten.

Die Masche der Betrüger: Sie riefen Politiker, Konzernlenker oder Verbände an und baten dringend um finanzielle Hilfe für „geheime Operationen“ Frankreichs. Dabei gaben sie sich als Le Drian aus oder als einen engeren Mitarbeiter. In manchen Fällen inszenierten sie sogar Videokonferenzen, in denen einer der Betrüger verkleidet als Le Drian auftrat.

Türkischer Geschäftsmann zahlte über 42 Millionen Euro
Als Gründe gaben die Kriminellen an, französische Geiseln in Syrien müssten freigekauft werden, oder es gehe um den Kampf gegen Terroristen. Mehr als 150 Entscheidungs- und Würdenträger gingen sie um Geld an, darunter den Präsidenten Gabuns, Ali Bongo, und den Erzbischof von Paris. Drei Opfer bissen an. Die höchste Summe zahlte mit gut 47 Millionen US-Dollar (42,47 Mio. Euro) der türkische Geschäftsmann und Milliardär Inan Kirac.

Und um ihre Opfer zu überzeugen, schreckten die Betrüger vor keiner Dreistigkeit zurück: Gefälschte Schreiben mit täuschend echten Briefköpfen und Stempeln, seriös anmutende Mail-Adressen und schließlich der falsche Le Drian, schilderte die Anwältin des MInisters, Delphine Millet, dem Sender France Inter.

„Wären Sie bereit, Frankreich einen Gefallen zu tun?“
„Der Nährboden, auf dem diese Betrüger operieren, ist ein Kontext von Terrorismus und Angst. Stellen Sie sich vor: Jemand ruft Sie aus dem Verteidigungsministerium an und fragt, ob Sie bereit wären, Frankreich einen Gefallen zu tun?“, so Millet. „Man erwartet, Le Drian zu sehen, und schließlich sieht man ihn. Die Mitarbeiter, die Sie anrufen, haben die Namen der wirklichen Mitarbeiter des Ministers. Es gibt also einen Anschein von Wahrheit, der einen zwangsläufig mitreißt.“

Prozess dauert bis 12. Februar
Zwei Hauptverdächtige stehen dazu in Paris vor Gericht: der 54-jährige Gerard Chikli, der die französische und italienische Staatsbürgerschaft hat, sowie der 35-jährige Anthony Lasarevitsch. Beide sollen den Coup in den Jahren 2015 bis 2017 mit Hilfe von fünf Komplizen durchgezogen haben. Auch ihre nächste Betrugsmasche flog durch die Ermittlungen auf: Sie wollten sich als Prinz Albert II. von Monaco ausgeben, um noch mehr Geld zu erschwindeln. Der Prozess am Pariser Strafgericht geht noch bis zum 12. Februar.

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