10.02.2020 06:00 |

Bald live in Wien

Moonsorrow: Mit Pagan Metal in lichte Charthöhen

Seit 25 Jahren verbreiten Moonsorrow Kultur, Kälte und Sagen ihrer finnischen Heimat mittels folkloristisch angehauchtem Black Metal über die ganze Welt. Sänger Ville Sorvali erklärt uns im Interview, warum mit in Finnland mit derart harter Musik in die Mainstream-Charts kommt, wieso englische Texte kein Thema sind und weshalb es für alle gesünder ist, dass der Hauptkomponist der Band nicht mit auf Tour geht. Am 14. Februar spielt die Band im Wiener Viper Room.

Nordländer ticken anders, besonders im musikalischen Bereich. Während sich Metalbands jedweder Couleur hierzulande meist vergeblich abstrampeln und mit sehr wenigen Ausnahmen (Pungent Stench, Harakiri For The Sky, Belphegor) international für Furore sorgen, wird die metallische Härte in Finnland im Übermaß geschätzt. Selbst Popstars wachsen unweigerlich mit harten Gitarrenriffs auf und in den Charts sind Metalalben keine Seltenheit. Davon können auch Moonsorrow ein Lied singen, die mit ihrem bislang letzten Studiorundling „Jumalten aika“ vor mittlerweile vier Jahren erstmals bis an die Spitze vorgestoßen sind. Wohlgemerkt mit keifend-harschen Vocals, Doublebass-Einsatz und brachialer Melodieseligkeit. „Das ist in dieser Form wirklich nur bei uns möglich“, lacht Frontmann Ville Sorvali im „Krone“-Interview, „die Leute bei uns sind ungemein loyal und folgen ihren Bands über Jahre hinweg. Noch nicht einmal in Schweden, wo es wirklich bekannte Metalbands gibt, ist das so ein Thema.“

Studio vs. live
Ville gründete die Band mit seinem Cousin Henri 1995, war damals zarte 15 Jahre jung. Henri ist das musikalische Mastermind hinter den ausgefeilten und meist überlangen Kompositionen und außerdem ein perfektes Beispiel dafür, wie genreübergreifend und auch klein die Musikwelt in Finnland ist - Ende der 90er-Jahre spielte er für ein paar Konzerte am Keyboard bei den später erfolgreichen The Rasmus. Bei den Liveauftritten von Moonsorrow ist Henri schon lange nicht mehr dabei. „2007 hat Henri sich dafür entschieden, nicht mehr live zu spielen. Das Reisen und die Shows haben ihm keinen Spaß gemacht, er ist eben ein waschechter Studiomusiker. Wir sind innerhalb der Band aber alle sehr gute Freunde und die Entscheidung wurde schon damals akzeptiert. Außerdem muss ich schon ehrlich zugeben, dass es manchmal ziemlich schwierig ist, mit ihm zu arbeiten“, lacht Ville, „auch wenn er hauptverantwortlich für die Songs auf den Alben ist.“

Moonsorrow haben sich früh emanzipiert und waren stets bemüht, das Stigma des „Viking Metal“ abzulegen. Während erfolgreiche Landesgenossen wie Ensiferum, Korpiklaani oder Finntroll gerne über Partynächte und Zwangloses singen, steht bei Moonsorrow die Ernsthaftigkeit im Vordergrund. Die Geschichte Finnlands, die Kälte des Nordens und der Paganismus sind wesentliche Bestandteile des Bandtreibens, wofür das Quintett schon auch einmal vorschnell und fälschlich ins rechte Eck gesteckt wurde. „Vielleicht sind wir einfach dunklere Gesellen, ich weiß es nicht“, lacht Ville, der für einen Finnen erstaunlich gut gelaunt ist, „die Frage hat sich nie gestellt, weil nicht wir den Sound, sondern der Sound uns gewählt hat. Als wir die Band gründeten, waren wir stark vom norwegischen Black Metal beeinflusst und den hörst du auch jetzt noch raus.“ Den Black Metal haben Moonsorrow schon bei den ersten (und immer noch besten) Alben „Suden Uni“ (2001), „Voimasta ja kunniasta“ (2001) und „Kivenkantaja“ (2003) mit folkloristischer Tradition vermengt.

Parallelen vorhanden
„Bands wie Ulver oder Enslaved waren für uns sehr wichtig, weil sie ihren brutalen Grundsound immer mit wunderschönen Melodien kreuzten. Wir wussten zwar früh, dass wir das auch können, brauchten aber lange, um die richtige Ausrichtung für uns zu finden.“ So streng wie viele Fans sieht Ville Sorvali die Unterschiede zwischen ernsthaften und weniger ernsthaften Paganmetal-Bands aus seiner Heimat aber nicht. „Es gibt zwischen uns beiden mehr Parallelen, als viele glauben würden. Wir haben auch viele Konzerte und Festivals mit diesen Humppa-Bands gespielt, die Menschen dahinter sind großartig und wir hatten stets eine gute Zeit. Wir sind wie zwei Seiten einer Münze. Zugegeben: zwei extrem verschiedene Seiten.“

Den Zusatz „Epic“ hat sich die Band durch ihre ausufernden Songs schon vor langer Zeit redlich verdient. Der Höhepunkt war das Epos „V: Hävitetty“, das aus zwei je halbstündigen Songs bestand. „Das ist eigentlich kein Problem. Uns fällt es wesentlich schwerer, kürzer und kompakter zu komponieren“, lacht Ville, „der Song ,Suden Tunti‘ von unserem aktuellen Album ist aber immerhin unter der Zehn-Minuten-Grenze geblieben, was man bei uns durchaus als kurz bezeichnen kann.“ Bis auf die frühen Anfangstage, wo man textlich auf Englisch experimentierte, singen Moonsorrow mittlerweile seit mehr als 20 Jahren konstant in ihrer Landessprache. „Die Sprache ist ein essenzieller Teil des gesamten Bandkonzepts und eigentlich hat bei uns keiner jemals wirklich darüber nachgedacht. Nur so kann ich mich wirklich ausdrücken und vermitteln, was mir wichtig ist. Für mich selbst ist es schwerer, weil ich mich nackter fühle und mich nicht hinter einer Fremdsprache verstecke, aber anders könnte ich gar nicht texten.“

Natur vor Politik
Textlich bleibt vielen zudem verborgen, dass sich Moonsorrow nicht nur um Mythen und Sagen längst vergangener Zeiten kümmern, sondern durchaus auch Zeitgeistiges hineinvermischen. „Das müssen die Hörer am Ende schon selbst herausfinden. Ich singe definitiv nichts Politisches, aber natürlich bewegen mich die aktuelle Lage des Weltgeschehens und die Zukunft der Menschheit. Die Beziehung zwischen Natur und Mensch besorgt mich persönlich einfach mehr, als jene von politischen Fragmenten.“ Am 14. Februar sind Moonsorrow für eine exklusive Show auch endlich wieder in Österreich zu sein. Und zwar mit Waldschrat und Jorrvaskr im Wiener Viper Room. Mehr Infos und Karten erhalten Sie unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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