10.12.2019 15:57 |

„Große Tragödie“

Blutbad im Spital: Angreifer erschießt 6 Patienten

In der tschechischen Stadt Ostrava hat ein Bewaffneter am Dienstag in einem Krankenhaus sechs Patienten erschossen. Der Schütze - ein vermutlich 42-jähriger Bautechniker - hatte in einem Warteraum der Universitätsklinik „aus nächster Nähe auf den Kopf oder Hals“ seiner Opfer gezielt und das Feuer eröffnet. Die Polizei fahndete mit Hochdruck nach dem Täter, der sich kurz vor dem Zugriff der Beamten schließlich selbst richtete. Ministerpräsident Andrej Babis sprach von einer „großen Tragödie“.

„Wir wissen nicht, was die Motive dieses Menschen waren“, sagte Babis. Er gehe davon aus, dass es die Tat eines „möglicherweise psychisch kranken Einzeltäters“ gewesen sei. Babis zufolge soll der Mann in dem Krankenhaus behandelt worden sein. Der tschechische öffentlich-rechtliche Rundfunk zitierte den Arbeitgeber des Täters mit den Worten: „Er hatte sich in den Kopf gesetzt, dass er schwer krank sei und ihn niemand heilen wolle.“ Seit einem Monat sei der Bautechniker nicht zur Arbeit erschienen, zuletzt sei er krankgeschrieben gewesen.

Ein Patient noch in kritischem Zustand
Nach Angaben der Klinik handelt es sich bei den Opfern um Patienten der Erstversorgungsambulanz der Traumatologie. Unter den getöteten Patienten der Unfallambulanz sind vier Männer und zwei Frauen. Ein Patient befindet sich noch in kritischem Zustand, ein weiterer wurde schwer, ein anderer leicht verletzt.

Mitarbeiter durften Klinik nicht verlassen
Zeugen berichteten, dass sie Schüsse aus dem Bereich der Notaufnahme gehört hätten. Mitarbeiter der Klinik wurden angewiesen, ihre Abteilungen nicht zu verlassen. „Wir sind alle nervös“, sagte eine Medizinerin.

Viele Mitarbeiter der Universitätsklinik in Ostrava brauchen nach der schrecklichen Tat nun psychologische Betreuung. „Für Mediziner ist das Krankenhaus ein Ort, an dem sie ein Drittel ihres Lebens verbringen und wo sie sich sicher fühlen“, sagte Rettungsdienst-Sprecher Lukas Humpl im tschechischen Fernsehen CT. „Das gilt seit heute nicht mehr.“

Verwirrung um Täterfotos
Die Polizei hatte kurz nach dem blutigen Angriff ein Fahndungsfoto veröffentlicht, dass sie aber nur wenige Minuten später wieder zurückzog, weil es sich bei dem Abgebildeten um einen Zeugen gehandelt haben soll. Danach wurden andere Fotos öffentlich, die den verdächtigen Schützen zeigen sollen. Bei dem mutmaßlichen Täter dürfte es sich um einen 42-jährigen Bautechniker handeln, wie tschechische Medien berichten.

Der rund 1,80 Meter große Mann soll nach Angaben der Polizei eine rot-schwarze Jacke getragen haben, wie auch auf den Überwachungsbildern der Klinik zu sehen ist. Er sei wegen kleinerer Vermögensdelikte und einer gewaltsamen Auseinandersetzung vorbestraft gewesen. Die Tatwaffe war demnach eine halb automatische Selbstladepistole CZ 75 im Kaliber 9 Millimeter.

Krankenhaus und Universität geschlossen
Das Krankenhaus mit rund 1200 Betten wurde geschlossen. Auch das angrenzende Universitätsgelände wurde abgeriegelt. Die Polizei war mit zahlreichen Beamten und einem Sondereinsatzkommando an Ort und Stelle, auch ein Hubschrauber war im Einsatz.

Regierungsmitglieder eilten zum Unglücksort
Regierungschef Babis und Innenminister Jan Hamacek eilten an den Unglücksort. Der Minister lobte die Arbeit der Einsatzkräfte. Der erste Streifenwagen sei innerhalb von drei Minuten vor Ort gewesen. In ganz Europa werde eine Debatte über die Absicherung sogenannter weicher Ziele geführt, was sehr schwierig und sehr kostenintensiv sei. „Weiche Ziele“ sind Plätze öffentlichen Lebens, die nur schwer geschützt werden können. „Kontrollen wie auf dem Flughafen sind in Krankenhäusern nicht möglich“, sagte Hamacek.

Klage gegen das verschärfte EU-Waffenrecht
Tschechien war vor Kurzem mit einer Klage gegen das verschärfte EU-Waffenrecht vor dem Europäischen Gerichtshof gescheitert. Dabei ging es um ein Verbot halb automatischer Waffen mit vergleichsweise großen Magazinen. Gegen eine weitere Verschärfung stellte sich nach der nunmehrigen Bluttat der Vorsitzende des parlamentarischen Sicherheitsausschusses in Prag, der ultrarechte Abgeordnete Radek Koten: „Wenn ein anständig bewaffneter Mensch im Warteraum gewesen wäre, hätte er den Täter eliminieren können.“

Drittgrößte Stadt Tschechiens
Ostrava ist mit rund 290.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Tschechiens und Verwaltungszentrum der mährisch-schlesischen Region. Die Stadt liegt an der Nordostgrenze Tschechiens, zehn Kilometer südwestlich von Polen und 50 Kilometer nordnordwestlich der Grenze zur Slowakei.

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