03.12.2019 19:13 |

Rezepte abgeschwatzt

Ärztin verschrieb Drogen: „Ich war so naiv“

Sie sei eine nette Ärztin, sagen alle über sie. Sie höre zu und sei so mütterlich. Und lasse sich deshalb auch so gut ausnutzen: „Ich habe es geglaubt, wenn mir süchtige Patienten gesagt haben, dass sie so viele Drogen brauchen, um den Alltag zu meistern“, seufzt die Klagenfurterin vor Gericht.

Die Anklage hat es in sich: Denn die Medizinerin ist nach dem Suchtmittelgesetz angeklagt, weil sie Patienten sogar das Zwölffache der erlaubten Dosis verschrieben hat. Unter anderem bekamen Menschen im Substitutionsprogramm Rezepte für Großpackungen um 1000 Euro mit. „Ich wollte sie nicht jeden zweiten Tag in der Praxis haben“, gibt die Praktikerin zu. „Sie haben mir meine normalen Patienten vergrault.“ Auch sei sie gutgläubig gewesen. „Naiv“, sagt sie selbst. „Heute ist mir klar, dass ich mich mit dem Thema Substitution mehr hätte beschäftigen müssen - und mich weiterbilden muss.“ Daher ist sie auch bereit, Verantwortung zu übernehmen; eine Voraussetzung für eine Diversion, die ihr Richter Gernot Kugi anbietet, nachdem er sich einige Zeugen angehört hat. Unter anderem schildert die Leiterin der Klagenfurter Drogenambulanz, dass die Versorgungssituation in Kärnten prekär ist. Immer wieder gibt es Aufnahmestopps, weil Therapieplätze fehlen - und Ärzte, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen. Auch die angeklagte Medizinerin lässt nun die Finger davon. Sie muss 8100 Euro Buße zahlen und Schadenersatz leisten; die Diversion könnte aber noch bekämpft werden.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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