27.11.2019 11:51 |

Dafoe vs. Pattinson

„Der Leuchtturm“: Aufstieg in den Wahnsinn

Mystisch-bildgewaltiger Nervenkrieg zwischen einem furzenden Willem Dafoe und einem masturbierenden Robert Pattinson in Schwarz-Weiß: Ein entlegener Leuchtturm-Außenposten an der Küste Neuenglands wird in „Der Leuchtturm“ (ab 28.11. im Kino) unter der Regie von Robert Eggers („The Witch“) zum bedrückenden Schauplatz eines Duells zweier Männer am Rande des Wahnsinns. Die Auseinandersetzung der beiden Leuchtturmwärter stellt ohne Zweifel einen beeindruckenden Höhepunkt in den Karrieren beider Schauspieler da. Ein Film mit derart starker Sogwirkung, dass er die Zuseher mit in den Abgrund zu reißen droht ...

Thomas Wake (Willem Dafoe) und Efraim Winslow (Robert Pattinson) werden in eine marode Leuchtturmanlange auf einer einsamen Insel gesandt, um sie zu warten und in Betrieb zu halten. Zur Zeit der Jahrhundertwende an der rauen Atlantikküste eine wichtige Aufgabe, die sich allerdings immer mehr in einen beinharten Überlebenskampf verwandelt. Die zwei extrem unterschiedlichen Charaktere prallen ungebremst aufeinander und als ein nicht enden wollender Sturm über sie hinwegzieht, wird aus psychologischen Sticheleien schon bald ein brutaler Nervenkrieg.

„In einem gigantischen Phallussymbol-Leuchtturm einsperrt“
Regisseur Eggers bringt es selbst am besten auf den Punkt: „Es kann nichts Gutes passieren, wenn man zwei Männer in einem gigantischen Phallussymbol-Leuchtturm einsperrt.“ Dass auf engstem Raum kräftig gefurzt wird, bevor auf der Insel auch nur ein Wort gesprochen wird, kann sicherlich auch nicht hilfreich sein. Ebenso der mit fortschreitender Zeit zunehmende Alkoholkonsum der beiden Protagonisten. Vor allem Kult-Darsteller Willem Dafoe (zuletzt etwa im Blockbuster „Aquaman“ zu sehen) liefert einen weiteren Höhepunkt seiner schauspielerischen Karriere ab, aber auch Pattinson kann als Junior-Partner des Leuchtturmwärters überzeugen.

Beeinflusst von literarischen Klassikern aus der Feder Herman Melvilles und Robert Louis Stevensons ebenso wie von übernatürlichen Horror-Märchen aus der Feder H.P. Lovecrafts vereint Regisseur Eggers Einflüsse und Referenzen zu einem bildgewaltigen und zugleich beengenden Psychohorror in Schwarz-Weiß, bei dem wirklich alles bis ins kleinste Detail durchgeplant ist. Visuelle Referenzen waren etwa auch Bilder von Andrew Wyeth, einem Realisten des frühen 20. Jahrhunderts, der Menschen und Landschaften in Pennsylvania und Maine malte.

Von realer Tragödie aus dem Jahr 1801 inspiriert
Eggers ließ sich auch von der Geschichte eines alten Leuchtturms inspirieren, einer Tragödie, die sich 1801 zwischen zwei walisischen Leuchtturmwärtern - beide hießen Thomas - abspielte, die während eines Sturms in ihrem Leuchtturm festsaßen. Der ältere Thomas starb durch einen Unfall und der jüngere fiel dem Wahnsinn anheim, weil er glaubte, man würde ihn für den Tod seines Kollegen verantwortlich machen. Für den Filmemacher „ein hervorragender Ausgangspunkt für eine dramatische Zwei-Personen-Konfrontation, aus der sich etwas Besonderes, Mehrdeutiges und Aufregendes entwickeln lässt.“

Selbst in den lichtlosesten Szenen schwingt ein unbestimmbares Glühen mit - durch das Licht des Leuchtturms und durch das verwendete Filmmaterial. „Es liegt eine große Kraft in diesem Licht“, weiß auch Eggers, „und es hat seinen Grund, warum die beiden Leuchtturmwärter so sehr davon angezogen werden. Ich habe mich ganz bewusst dazu entschlossen, die Natur dieses Lichts geheimnisvoll zu gestalten. Es soll eine mysteriöse, unterschwellige Macht ausstrahlen - grandios und furchterregend zugleich.“

Masturbieren, Sex mit Meerjungfrau und Mord an Möwe
Im Vorfeld zum Kinostart von „Der Leuchtturm“ war allerdings hauptsächlich über jene Szene diskutiert worden, in der der einstige Teenie-Schwarm Pattinson („Twilight“-Filmreihe) - übrigens zum vierten Mal für eine Filmproduktion - recht wild masturbiert. Doch der Film ist viel mehr als eine Ansammlung von solch immer absurderen Vorkommnissen, zu denen auch eine Sex-Szene mit einer gar nicht so lieblichen Meerjungfrau und der brutale „Mord“ an einer nervigen Möwe zählen. Was tatsächlich auf der Insel vor sich geht, darüber kann man als Zuseher bis zum Schluss eigentlich nur rätseln.

Ein Machtkampf zweier Männer vor der imposanten Kulisse des Leuchtturms - selten ist eine simple Idee so geistreich und zugleich unterhaltsam umgesetzt worden wie in „Der Leuchtturm“. Horror-Großmeister H.P. Lovecraft hätte seine Freude daran gehabt!

Kinostart von „Der Leuchtturm“: 28.11.!

Harald Dragan
Harald Dragan
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