16.11.2019 14:44 |

Kurz Touristenansturm

Schäden in Venedig - und das Wasser steigt wieder

Während die Aufräumarbeiten in Venedig nach dem schlimmsten Hochwasser seit mehr als 50 Jahren (siehe auch Video oben) voranschreiten und Touristen kurzfristig wieder den Markusplatz stürmen, steigt das Wasser in der Lagunenstadt wieder. Am Sonntag wird eine erneute Flutwelle befürchtet - die Hoffnung, dass es unter dem am Dienstag gemessenen Höchststand von 187 Zentimetern bleibt, ist groß. „Venedig muss der Welt beweisen, dass sich die Stadt wieder aufraffen kann“, machte Bürgermeister Luigi Brugnaro am Samstag seiner Stadt Mut.

Schlangen von Touristen bildeten sich am Samstag vor den Holzstegen, auf denen der Markusplatz erreichbar ist. Mit Gummistiefeln wateten Touristen über den Platz und fotografierten. Viele Museen und Sehenswürdigkeiten, darunter auch der Dogenpalast am Markusplatz, öffneten ihre Pforten, sollen am Sonntag aber wegen des erwarteten neuen Hochwassers geschlossen bleiben. Die Schulen blieben in der Lagunenstadt auch am Samstag zu, auch der öffentliche Wasserverkehr auf dem Canal Grande wurde nicht wieder aufgenommen.

Für Sonntag wird mit einer neuen Flutwelle gerechnet
Für die Nacht auf Sonntag sagt die Gemeinde einen Wasserhöchststand von etwa 130 Zentimetern über dem normalen Meeresspiegel vorher. Schon bei zehn Zentimeter darunter wird auch wieder der Markusplatz überschwemmt, weil er der niedrigste Punkt der Lagunenstadt ist. Für Sonntagmittag werden 160 Zentimeter Wasserstand erwartet. Der Wert liegt allerdings weit unter dem Rekord von Dienstag, an dem 187 Zentimeter erreicht wurden und fast die ganze UNESCO-Welterbestadt überschwemmt war. Es war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren.

60 Kirchen wurden überschwemmt, sechs Brücken sind beschädigt
Währenddessen begann man mit der Erhebung der Schäden. Nicht nur beklagt die Touristikbranche schwere Verluste - so meldeten Besitzer von Ferienwohnungen, dass 35 Prozent der für die nächsten Monate gebuchten Aufenthalte storniert wurden -, zahlreiche Shop-Inhaber müssen ihre Geschäfte von Wasser und Schlamm säubern. Auch dem Kunsterbe der Stadt fügte das Hochwasser Schaden zu: Von 120 Kirchen wurde die Hälfte überschwemmt, beklagte die venezianische Tageszeitung „Il Gazzettino“. Fünf Vaporetti, die Wasserbusse Venedigs, und sechs Landungsbrücken wurden schwer beschädigt.

Auch die Gondolieri erlitten erhebliche Schäden. 25 Gondeln müssen repariert werden. Wegen der Flutwelle ging kostbares Holz verloren, das dem Gondelbau dient. Der Gondelbauer Alberto Della Toffola verlor im Wasser über 30 Holztafeln, die von der Flutwelle weggeschwemmt wurden. „Wir kaufen das Holz in Slowenien, es ist nicht einfach, das richtige Material für unsere Gondeln zu finden. Die Schäden sind groß“, sagte Della Toffola laut der Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Venedig will Kreuzfahrtindustrie zur Kasse bitten
Der Schaden geht laut Bürgermeister Brugnaro in die Hunderte Millionen. Er rief auch zu Spenden aus dem Ausland auf. „Venedig ist der Stolz ganz Italiens, Venedig ist ein Kulturerbe für jeden, einzigartig in der Welt“, erklärte er. Auch die Kreuzfahrtgesellschaften, die in Venedig halten und deren Schiffe seit jeher als Gefahr für die Lagunenstadt betrachtet werden, wurden zu Spenden aufgerufen. Costa Crociere will für die Stadt 100.000 Euro lockermachen, kündigte die Reederei aus Genua in einer Presseaussendung an.

Bürgermeister: Dammsystem endlich fertig bauen
Der Bürgermeister drängte auch zum Fertigbau des geplanten Dammsystems M.O.S.E., das Venedig künftig vor Hochwasser schützen müsse. Die UNESCO hat bereits reagiert: Die Direktorin des Welterbezentrums der UN-Kulturorganisation in Paris, Mechtild Rössler, bot am Freitag an, Experten zu schicken, um das 2003 begonnene Großbauprojekt zum Abschluss zu bringen. Das Vorzeigeprojekt, das bereits 1984 geplant wurde, stockte unter anderem wegen Korruptions- und Geldwäschevorwürfen. Venedig gehört seit 1987 zum Welterbe.

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