14.11.2019 06:01 |

Österreich gespalten

Rauchverbot: So war es 2007 auch in England

Das seit 1. November geltende Rauchverbot spaltet Österreich. Die einen brüllen auf vor Wut und Entsetzen. Die anderen atmen die nikotinfreie Luft ein. Genüsslich. Und voller Genugtuung.

2007 war das auch in England so, als mit Julibeginn, genau während des Wimbledon-Klassikers, auch in den typisch britischen Pubs das Rauchen mit einem Schlag verboten war. Obwohl das vor allem in diesen fast so viel Tradition hatte wie das gleichzeitig ausgetragene Tennisturnier auf Rasen.

Wir wollen Ihre Erfahrungen lesen und lassen Sie zu Wort kommen.
Schicken Sie uns ein E-Mail, am besten mit Name und Kontakt sowie einem Foto von Ihren Beobachtungen.

Eigene Raucherzonen
Zwölf Jahre sind seither vergangen. Mittlerweile ist der Qualm auch auf öffentlichen Flächen wie Straßen und so weiter höchst verpönt. Bestraft werden Vergehen zwar nur selten, wirklich erlaubt ist Rauchen aber nur in den eigens dafür vorgesehenen Zonen. Die es in allen möglichen Formen gibt. Etwa auch als riesige Quader in Blau und Rot. Die in das berühmte Stadtbild Londons mit seinen prunkvollen Bauten so gut passen wie ein Rocker mit Lederhose auf die piekfeine Ehrentribüne Wimbledons.

Brennpunkt-Talk: Raucher sind die besseren Gäste“

Ja, es steigt in der Öffentlichkeit der englischen Metropole tatsächlich so gut wie kein Rauch mehr auf. In den Köpfen vieler Menschen aber noch immer. Vor Ärger. Wie in jenem von Jack, der fast eine Viertelstunde brauchte, um von seinem Sitzplatz in der O2-Arena, in der beim Masters gerade Dominic Thiem für Furore sorgt, zum Haupteingang zu kommen. Dorthin also, wo es die einzige offizielle Raucherzone gibt. Endlich kann er jetzt an seiner Marlboro saugen. Genussvoll. Aber zornigen Blickes. „Irgendwann schreiben sie uns auch noch die Socken vor, die wir zu tragen haben“, schäumt er, bevor er einen kräftigen Schluck aus seinem ebenfalls schäumenden Bierbecher nimmt. Gläser darf man nämlich keine mitnehmen zur Rauchpause. Auch das ist streng verboten.

Heizvorrichtungen in jeder erdenklichen Form
Da haben jene mehr Glück, die in einem der Lokale mit kleinem Vorgarten sitzen. Etwa im Viertel um die Edgware Road. Jeder Gastronom, der die räumliche Möglichkeit dazu hat, schuf hier längst sein kleines Raucherparadies. Mit Schutz vor Niederschlag und Heizvorrichtungen in allen nur erdenklichen Formen. Als Schwammerl. Als Strahler. Und so weiter. Viele würden vermutlich sogar ein offenes Feuer machen, um ihre Gäste vor der Kälte zu schützen.

„Viele meiner Freunde haben ihr Geschäft verloren“
Die so in den in diesem Viertel zahlreichen arabischen Lokalen voller Zufriedenheit an ihren Shishas oder Zigaretten ziehen können. Während drinnen meist Leere herrscht. Gähnende. Existenzbedrohende. „Leider“, sagt der Chef des libanesischen Restaurants, der sich als Adib vorstellt, „haben viele meiner Freunde ihr Geschäft verloren. Fast alle, die so eine Möglichkeit wie wir nicht hatten.“

Deutlich weniger Pubs
Und auch ein Satz von Freund Jack bewahrheitet sich, wenn man durch die nahezu rauchfreien Straßen Londons schlendert: „Fällt dir nicht auf, dass es hier viel, viel weniger dieser typischen englischen Pubs gibt als vor zwölf Jahren?“ Doch, es fällt auf. Sehr, sehr rasch.

Was das Rauchverbot in England gebracht hat
In manchen Pubs riecht es derart streng, dass sich mancher die „Tschick“ zurückwünscht. Unbestritten ist: Das Qualmverbot in England hat mehr Vorteile als Nachteile. Die britische BBC hat dazu ein paar Fakten zusammengetragen.

  • Seit 2007 haben mehr Menschen mit dem Rauchen aufgehört. 1974 rauchten noch rund 50 Prozent aller Briten. Heute sind es weniger als 15. Nur noch drei Prozent der 16-Jährigen rauchen - historischer Tiefststand.
  • Krankenhäuser verzeichnen einen Rückgang an Herzerkrankungen um mehr als 1000 Fälle pro Jahr.
  • Die Gefahren des „Passivrauchens“ wurden erkannt. Mittlerweile ist es auch verboten, in Autos zu rauchen, wenn Kinder darin sitzen.
  • Jeder fünfte Brite gibt zu, dass das Rauchverbot ihm geholfen habe, den Zigarettenkonsum drastisch zu reduzieren oder ganz aufzuhören.
  • Seit 2007 haben etwa 7000 Pubs ihre Pforten schließen müssen. Das lag teils am Rauchverbot, aber: Die Alkoholsteuer ist seit 2008 um 42 Prozent gestiegen, gleichzeitig kam die Wirtschaftskrise.

Alkoholkonsum ebenfalls gesunken
Die Conclusio: Die Menschen in Großbritannien scheinen weniger zu trinken. Nach Angaben des nationalen Statistikamtes sank die Zahl der Personen, die unter der Woche Alkohol trinken, von 64 auf 57 Prozent. Die Zahl der Alkoholkonsumenten an fünf oder mehr Tagen in der Woche hat sich in dieser Zeit fast halbiert.

Peter Frauneder, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Donnerstag, 09. Juli 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.