08.11.2019 10:42 |

Wirbel um Reisepass

Handke: „Keine jugoslawische Staatsbürgerschaft“

Viel Staub hat die Diskussion rund um Peter Handkes jugoslawischen Pass ausgelöst - nun hat sich der Literaturnobelpreisträger selbst zu dem Thema geäußert. Er habe keine jugoslawische Staatsbürgerschaft, stellte er klar. Vielmehr habe er den Pass erhalten, „um zu reisen“, erklärte Handke dem Belgrader Boulevardblatt „Vecernje novosti“. Wie berichtet, wird der Sachverhalt derzeit seitens der zuständigen Behörden überprüft.

Eine US-Plattform hatte, wie berichtet, in der Nationalbibliothek einen Reisepass Handkes ausgegraben, der am 15. Juni 1999 in der jugoslawischen Botschaft in Wien ausgestellt wurde. Handkes Nationalität wird darin als „Jugoslovensko“ angegeben. Ein Foto des Dokuments ist seit Längerem auf der Website des Handke-Archivs der Nationalbibliothek online einzusehen, wurde nach dem Bericht aber für kurze Zeit entfernt.

Im Pass angeführte Nationalität gleichbedeutend mit Staatsbürgerschaft?
Der Pass wurde zur Zeit der US-Bombardements auf Serbien im Kosovokrieg ausgestellt. Das warf unter anderem die Frage auf, ob die Passausstellung eine Art Solidarisierung des Autors darstellen könnte, zumal Handke für den damaligen serbischen bzw. jugoslawischen Machthaber Slobodan Milosevic eintrat. Doch auch die Juristen beschäftigt die Causa: Ist eine im Reisepass angeführte Nationalität gleichbedeutend mit der Staatsbürgerschaft?

Verlust der Staatsbürgerschaft: „Wer sagt das?“
Wenn ja, ist das insofern problematisch, als das österreichische Recht keine Doppelstaatsbürgerschaften erlaubt. Bemüht man sich um eine andere Staatsangehörigkeit, verliert man dadurch grundsätzlich die österreichische. Fest steht, der ausgestellte jugoslawische Pass hatte seine Gültigkeit bis Mitte 2009. Auf die Frage, ob er nun den Verlust seiner österreichischen Staatsbürgerschaft befürchte, erwiderte Handke gegenüber „Vecernje novosti“: „Wer sagt das?“

Ungeklärt bleibt, wie es möglich war, einen Pass ohne die Staatsbürgerschaft Jugoslawiens zu erhalten. Serbien ist seit 2006 die Rechtsnachfolgerin der einstigen Bundesrepublik Jugoslawien bzw. des Staatenbundes Serbien-Montenegro. Der Fall wird - wie berichtet - seitens der Exekutive jedenfalls genau geprüft.

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