Handy führte zum Täter

Im Blutrausch sechsmal auf Landwirt eingestochen

Es war eine Handypeilung, mit der die oberösterreichische Polizei dem während der Flüchtlingswelle 2015 zu uns gekommenen Afghanen auf die Spur kam. „Er leistete bei der Festnahme Widerstand“, so Landespolizeichef Andreas Pilsl. Zuvor hatte Jamal A. - er war bereits mehrfach polizeilich aufgefallen - in Wullowitz einen Flüchtlingsbetreuer schwerst verletzt und versucht, ihm die Kehle durchzuschneiden. Dann tötete er den Landwirt Franz G. (62) mit sechs Messerstichen, ehe er dessen Auto raubte.

Das Messerattentat auf den Flüchtlingsbetreuer David H. (32) in der Asylunterkunft in Wullowitz an der tschechischen Grenze war gezielt. Es soll im Streit um einen Job bei einem Integrationsprojekt gegangen sein. Der 2018 negativ beschiedene Asylwerber habe versucht, H. die Kehle durchzuschneiden. Sechs andere Asylwerber zerrten ihn vom Opfer weg. Der Gewalttäter riss sich los und stach dem Betreuer in die Brust: Lebensgefahr.

Jamal A. musste zu Anti-Gewalt-Training
Keine Rettung gab es für den benachbarten Bauern Franz G. (62), den der Angreifer, der mit dem Rad unterwegs war, in der Garage mit sechs Messerstichen niederstreckte, um seinen Pkw zu rauben. Siebeneinhalb Stunden später stellten Polizisten den Angreifer, der in der jüngeren Vergangenheit wegen vier Gewaltdelikten aufgefallen war und in einer Antiaggressionsmaßnahme war: Haft! Die Ehefrau des Täters - die er im Vorjahr misshandelt haben soll - und die beiden Kinder (acht Wochen und knapp zwei Jahre alt) sind in einer speziellen Unterkunft.

In der 1000-Seelen-Gemeinde Leopoldschlag ist man geschockt. Bürgermeister Hubert Koller forderte die Schließung des umstrittenen Asylwerberquartiers, in dem der Angreifer bis Juni 2017 lebte und dann in ein Privathaus zog. Dies passiert in den kommenden Tagen, am Mittwoch wird der Landessicherheitsrat einberufen.

Weniger Menschen haben Waffenschein
Gerichtspsychiater Reinhard Haller spricht über „das Böse, das in allen von uns existiert“, und das Messer als immer beliebter werdende Waffe.

„Krone“: Herr Professor Haller, die Zahl der Messerangriffe steigt kontinuierlich an. Im vergangenen Jahrzehnt um 293,2 Prozent. Warum?
Reinhard Haller: Ganz einfach. Ein Messer ist immer griffbereit. Der Trend zu Beziehungsdelikten in den eigenen vier Wänden ist enorm im Steigen. Sie sind nicht vorausgeplant und einfach nur emotional.

Am Montag griff ein Asylwerber zu einem Messer, stach auf einen Rotkreuz-Mitarbeiter ein und tötete einen Landwirt. Einfach so, aus Wut.
Das hier soll keine ausländerfeindliche Aussage sein, aber es gibt Kulturen, da haben Messer traditionell eine andere Bedeutung als bei uns - bei Ritualen, Schlachtungen und der Tötung von Menschen. Das ist Realität.

Gehört der Gebrauch von Faustfeuerwaffen der Vergangenheit an?
Es klingt paradox, aber es ist so: Das Schusswaffengesetz scheint zu greifen. Immer weniger Menschen bekommen einfach so einen Waffenschein. Damit wird zu einer anderen Waffe gegriffen. Dem Messer, das in der Küchenlade liegt.

Kann man diesem Phänomen entgegenwirken?
Nein. Wir können nicht damit anfangen, Haushaltsmesser zu verbieten. Wir müssen lernen, mit Kränkungen, Enttäuschungen und Eifersucht umzugehen. Delikte werden immer motivärmer. Das ist beunruhigend!

Markus Schütz, Jürgen Pachner, Lisa Stockhammer,
Christoph Gantner, Sandra Ramsauer und Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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