Keine Festnahme

Messer-Täter schon viermal im Visier der Polizei

Weitere Details hat die Polizei nach den blutigen Messerattacken in Wullowitz bekannt gegeben. So war der tatverdächtige 33-jährige afghanische Staatsbürger im Jahr 2015 per Schlepper nach Österreich eingereist. In der Folge sei Jamal A. viermal polizeilich aufgefallen, doch die Delikte hätten „keine Voraussetzungen für eine Festnahme“ geliefert.

Ein Mensch ist tot, ein zweiter kämpft nach wie vor um sein Leben. Die Bluttaten am Montagnachmittag in Oberösterreich sind noch immer schwer zu begreifen. Und noch immer ist nicht gänzlich gesichert, warum der 33 Jahre alte Jamal A. mit einem Klappmesser zunächst in einem Asylwerberheim auf seinen 32 Jahre alten Betreuer losging, David H. brutal attackierte und letztlich mit einem Stich in die Brust niederstreckte, wenig später dann auch noch den 62 Jahre alten Landwirt Franz G. in dessen Garage erstach, wohl um an dessen Auto zu gelangen, und mit dem Auto des Opfers die Flucht antrat.

Per Schleppung nach Österreich
Nach Österreich gelangt war Jamal A. jedenfalls am 11. Juli 2015, und zwar „schlepperunterstützt“, so Landespolizeidirektor Andreas Pilsl. Noch am selben Tag habe er einen Asylantrag gestellt, dieser sei später abgewiesen worden. Der Afghane legte daraufhin Beschwerde ein. Das Verfahren ist noch im Gange.

„Keine Zweifel an Staatsangehörigkeit“
Fest steht mittlerweile auch: Ein unbeschriebenes Blatt ist der 33-Jährige nicht. Wie es bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag hieß, sei der Afghane - die Polizei hegt aufgrund von „Akten und Erhebungen, dem Durchleuchten seiner Familie und seines Umfeldes keinen Zweifel an der Staatsangehörigkeit“, wie es heißt - im Vorfeld der Schreckenstaten insgesamt viermal polizeilich in Erscheinung getreten.

Anzeigen wegen „Koran-Vorlesen“ und „Alkohol“
Zum ersten Mal erregte Jamal A. Aufsehen, als er „auffällig aus dem Koran vorlas“, so Pilsl. Allerdings habe es keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass es sich bei ihm um einen „Extremisten“ handle, vielmehr um einen strenggläubigen Muslim, so Pilsl. Der strenge Glaube dürfte in der Folge auch im April dieses Jahres zu dem zweiten polizeilich bekannten Vorfall geführt haben. So kam es laut den Angaben in einer Volkshochschule zu einer Rauferei mit einem weiteren Anwesenden, dabei soll es um das Trinken von Alkohol gegangen sein. Dabei habe der 33-Jährige selbst schwere Verletzungen davongetragen, sein Kontrahent sei bei dem Vorfall leicht verletzt worden, so Pilsl. In der Folge sei es zu einer Anzeige gekommen, der Fall endete mit einer Diversion. Eine weitere Anzeige - diesmal wegen Sachbeschädigung - handelte sich der Afghane Mitte Juli nach seinem Ausraster bei der Führerscheinprüfung ein.

Wegweisung wegen Gewalt gegen Frau
Oberösterreichs Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) ließ am Nachmittag noch mit einem weiteren brisanten Detail aufhorchen: So soll der Afghane im Mai 2019 gegen seine Frau gewalttätig geworden sein, worauf er eine zweiwöchige Wegweisung ausgesprochen bekam. Trotz umfassender Unterstützung habe die Betroffene von einer Anzeige abgesehen und sei auch nicht übersiedelt. Ihm wurde allerdings ein Anti-Gewalt-Training zugewiesen.

Wie betont wurde, habe jedoch keines der vier Delikte Voraussetzungen für eine Festnahme des Verdächtigen geliefert.

„Schlechte Arbeitssituation“
Die Beantwortung der Frage nach dem tatsächlichen Motiv für die Bluttaten sind noch immer Gegenstand von Ermittlungen. Jedoch dürfte die schlechte Arbeitssituation des 33-Jährigen - er wollte auch bei einem Integrationsprojekt mitwirken - zur Unzufriedenheit des Verdächtigen beigetragen haben.

Bislang wurde Jamal A. noch nicht zu den blutigen Vorfällen einvernommen. Was ihn tatsächlich dazu trieb, mit einem Messer auf zwei Menschen einzustechen, wird nur der 33-Jährige selbst beantworten können. Eine etwaige Beeinträchtigung durch Suchtmittel oder Ähnliches wird seitens der Polizei jedenfalls ausgeschlossen.

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