06.09.2019 19:20 |

Rinder und wilde Reden

Die verrückte Show des „Brexit-Boris“ Johnson

Er will das Parlament in Urlaub schicken, einen „No Deal“-Brexit erzwingen und am liebsten auch noch Neuwahlen: Boris Johnson sorgt fast täglich für Schlagzeilen. Doch auch abseits der politischen Bühne treibt es „Brexit-Boris“ bunt. Wenn er nicht gerade wenig zimperlich Fußball spielt, gibt sich der britische Premier gerne volksnah. Doch auch das gelingt nicht immer. Sein jüngster Auftritt in einer Polizeischule geriet zum Fiasko, eine Polizeibeamtin kollabierte, weil Johnson - wider aller Absprachen - lang und breit über seine Brexit-Pläne schwadronierte. 

Boris Johnson ist nicht gerade für sein dezentes Auftreten bekannt - und wenn er einmal loslegt, hält den Premierminister nichts mehr. Nicht gerade „very british“ auch sein Auftritt vor Polizeischülern im nordenglischen West Yorkshire: Polizeichef John Robins zeigte sich am Freitag enttäuscht, dass seine Polizisten als „Kulisse“ für eine politische Rede von Johnson über den Brexit und Oppositionschef Jeremy Corbyn benutzt worden seien.

„Wurden vorher nicht informiert“
Man sei davon ausgegangen, dass es dem Premier bei seinem Auftritt am Donnerstag in Leeds nur um die versprochene Anwerbung Tausender neuer Polizisten gehen würde, teilte Robins mit. „Wir wurden vorher nicht darüber informiert, dass seine Rede um andere Themen erweitert worden ist.“ Johnson äußerte sich bei dem Aufritt unter anderem zum Brexit. Während Johnsons Rede mussten etwa 35 Polizisten hinter ihm stehen. Eine Frau bekam offenbar Kreislaufprobleme und musste sich hinsetzen. Der sonst stets vor Selbstbewusstsein strotzende Regierungschef wirkte bei dem Auftritt verwirrt. Teilweise verlor er den Faden oder verfehlte die Pointen, wenn er einen Scherz machen wollte.

„Bitte verlassen Sie meine Stadt“
Am Rande seines Besuchs in Nordengland bekam der Premier auch noch eine heftige Abfuhr von einem Einheimischen - aber auf sehr britische Art, wie auf einem Video des britischen Senders BBC zu sehen ist. „Bitte verlassen Sie meine Stadt“, sagte der Mann in einem äußerst höflichen Ton, schüttelte Johnson die Hand und klopfte ihm auf die Schulter. „Das werde ich, sehr bald“, antwortete Johnson. Das Video wurde zum Hit im Kurznachrichtendienst Twitter (#PleaseLeaveMyTown). Ob das Video echt ist, ist nicht klar. 

Das Rind will nicht so, wie Johnson will
Und auch sonst lässt Johnson wenige Fettnäpfchen aus. Beim Besuch einer Rinderfarm in Schottland ließ er sich mit dem hauseigenen Zuchtbullen ablichten. Was wohl wie eine „Boris hat alles im Griff“-Show rüberkommen sollte, wirkte eher peinlich - zumal das Rind nicht so wie Johnson wollte ...

Rückschläge im Brexit-Machtkampf
Der britische Premier hatte jüngst in der Brexit-Krise mehrere Rückschläge einstecken müssen. Ein am Mittwochabend vom Unterhaus gebilligtes Gesetz verpflichtet ihn, den Brexit bis zum 31. Jänner 2020 zu vertagen, falls er vorher kein Austritts-Abkommen mit der EU erreicht hat. Auch seinen Wunsch nach Neuwahlen am 15. Oktober schmetterten die Abgeordneten ab. Zudem trat sein jüngerer Bruder Jo Johnson am Donnerstag im Streit über den Brexit-Kurs als Staatssekretär und als Abgeordneter der konservativen Tories zurück.

GB-Experte im krone.tv-Talk: "Parlament hat Johnson gezeigt, wo es langgeht"

Ein Rücktritt ist kein Thema
An einen Rücktritt denkt Johnson aber keinesfalls. „Ich werde nach Brüssel gehen. Ich werde ein Abkommen erreichen, und wir werden am 31. Oktober austreten, das müssen wir machen“, sagte Johnson am Freitag. Auf die Frage, ob er zurücktritt, sollte er diese Ziele nicht erreichen, sagte Johnson: „Das ist keine Hypothese, über die ich bereit bin, nachzudenken.“

Michaela Braune
Michaela Braune
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