04.09.2019 00:44 |

Stadthalle live

Ariana Grande: Der Kampf mit dem Pop-Business

Schon vor Monaten hat der derzeit wohl größte US-Popstar Ariana Grande die Wiener Stadthalle restlos ausverkauft. Dienstagabend bot die 26-Jährige ihren kreischenden Fans eine kunterbunte, laute, aber auch emotional aufgeladene Show der Superlative.

Wie transparent muss man in Österreich sein? Wenn es um Politik, Ehrlichkeit und Parteispenden geht, dann ist das gemeinhin situationselastisch aufzufassen. Geht es nach Ariana Grande, dann misst ebenjene Transparenz maximal 30,5x15x30,5 Zentimeter. Das ist die höchstzulässige Taschengröße, die für ihren ersten Österreich-Auftritt in der Wiener Stadthalle erlaubt ist. Die Tasche muss natürlich durchsichtig sein und aus Plastik bestehen - ein schon vor dem Konzert wunderbarer Widerspruch zum an und für sich aufgeschlossenen Auftreten der künftigen Pop-Queen. Doch man kann die Vorab-Panik bei der 26-Jährigen und ihrem Team durchaus verstehen, hat Grande vor zwei Jahren doch Dramatisches erlebt. 23 Menschen kamen bei einem Terroranschlag nach ihrem Konzert in Manchester ums Leben, da überlässt man auch in beruhigteren Zeiten nichts mehr dem bloßen Zufall.

Schwierige Lage
Grande befindet sich irgendwo inmitten ihrer endlosen „Sweetener“-Tour, die sie über den ganzen Globus und gleich mehrmals durch die US-Heimat führt. Psychische Probleme und Panikattacken führten dazu, dass sie die anberaumten „Meet & Greet“-Pakete kurzerhand absagte, um ihren treu ergebenen Fans in diesen Momenten nicht zu nahe kommen zu müssen. Auch die Fans in Wien mussten davon Abstand nehmen. Nur die Künstlerin selbst kann wissen, wie schwer es sein muss, in einer derart labilen Lage allabendlich eine von Freude und optischem Zuckerguss geprägte Show der Superlative durchziehen zu müssen. Sosehr Musiker in ihren Werken und Aufführungen immer wieder Aufrichtigkeit und Authentizität predigen, so klar ist es hier, dass Grande in ihrer derzeitigen Verfassung eher einer bemühten Schauspielerin gleicht.

Natürlich - die mehr als 14.000, vornehmlich sehr jungen, Fans sorgen für Dezibelkreischrekorde, das opulente Bühnenbild mit Weltkugel, Videowalls und atemberaubenden Effekten spielt alle modernen Pop-Stückerl und die Tanz-Choreografien sind an Perfektion nicht zu überbieten, doch Emotion, Herz und das richtige „G’spür“ bleiben dabei auf der Strecke. Im Hochgeschwindigkeitsformat werden die vielen Hits und Songs runtergespult, nur selten bleibt etwas Zeit für das Publikum, auch wirklich in Ruhe erfassen zu können, was seine Königin da auf der Bühne eigentlich zelebriert. Viel zu schnell rauschen die Effekte an einem vorbei. Anders ist es etwa, als sie bei „Be Alright“ vor den Fans im schweineteuren Inner Circle kniet und etwas Intimität aufbaut, oder sich bei „Only 1“ die pompöse Mondkugel unter dem Stadthallendach dreht und Grande dem handylichtunterstützten Gesang ihrer Fans lauscht. Es sind diese seltenen Momente der Ehrlichkeit und Zerbrechlichkeit, die etwas mehr als die Aufmerksamkeitsdauer einer aktuellen Spotify-Playlist aufweisen.

Stimmliche Brillanz
Immer dann, wenn man sich in diesen Augenblicken wiederfindet, drückt der auf Anschlag gedrehte Bass jegliche Art von Gefühl schnell wieder nieder. Stimmlich ist die Sängerin über alle Zweifel erhaben. Wie sie die hohen und auch sanften Töne erwischt, ist von beeindruckender Brillanz, auch die Showeinlagen zu Hits wie „7 Rings“ oder dem Doppel „Sweetener/Successful“ funktionieren hervorragend im Kontext einer opulent inszenierten Pop-Revue. Die wärmenden Dankesworte, die Grande gegen Ende der Show durch die Halle schallen lässt, sorgen vor dem Schwingen der „Pride“-Flaggen und dem obligatorischen Konfettiregen noch einmal für begeistertes Raunen. Doch wer die streng aufgesetzte Fanbrille etwas zurückrückt, wird unumstößlich merken, dass diese Frau dringend Abstand vom oberflächlichen Showbiz benötigt. Sie wäre nicht die erste, die am gewaltigen Druck des Marktes zerschellt.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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