28.08.2019 11:55 |

Katias Kolumne

Todes-Crash: Senioren fit genug fürs Autofahren?

Nach dem verheerenden Unfall vom Sonntag, bei dem ein 90-jähriger Autolenker in eine Menschenmenge raste und dabei ein Kind tötete, stellt sich für viele zu Recht die Frage: Wie lange ist man fit, um ein Auto lenken zu können?

Die Unfallursache ist noch Gegenstand der Ermittlungen. So kann ein technisches Gebrechen noch nicht endgültig ausgeschlossen werden. Im Raum steht aber auch, dass der betagte Senior das Gas- und das Bremspedal des Automatikgetriebes vertauscht haben könnte. In jedem Fall ist ein vierjähriges Kind tot, eine Frau schwer verletzt. Und einmal mehr wird über die Fahrtauglichkeit von Älteren diskutiert.

Eines vorweg: Natürlich ist Senior nicht gleich Senior, viele sind auch noch im hohen Alter mit Sicherheit hervorragende und vor allem erfahrene Autofahrer. Auch ist anzunehmen, dass ältere Verkehrsteilnehmer weniger affin für gefährliche Handy-Ablenkungen und prahlerische Rasereien sind. Es soll in dieser Debatte nicht um ein plumpes Senioren-Bashing gehen.

Das Alter verändert den Menschen - was ist daran diskriminierend?
Dennoch muss man abseits der absehbaren Keule der Alters-Diskriminierung realistisch anerkennen, dass im fortgeschrittenen Alter die körperliche und geistige Flexibilität abnehmen und die Reaktionsfähigkeit mit Sicherheit nicht mehr mit jener eines 20-Jährigen mithalten kann. Bei aller Sensibilität: Diese Annahme ist weder bösartig und schon gar nicht diskriminierend, sondern nur logisch und unbeeinflussbar mit dem Älterwerden verbunden. Es wird uns alle einmal betreffen.

Die Schlussfolgerung lautet freilich nicht, dass man ab einem gewissen Alter keinen Fuß mehr in ein Auto setzen soll. Allerdings ist es unverständlich, warum sich die Politik so gegen den Gedanken einer regelmäßigen Fahrtauglichkeitsüberprüfung im hohen Alter verwehrt. In vielen anderen europäischen Ländern ist das nämlich bereits gang und gäbe. Rein auf die werte Selbsteinschätzung von Älteren zu bauen, ist vielleicht lieb und kränkt keine Gefühle, aber gerade im Straßenverkehr lässt sich damit kein Blumentopf gewinnen. Das ist zu wenig.

Es braucht Fahrtauglichkeits-Checks für Ältere
Keinem Senior wird ein Zacken aus der Krone fallen, wenn er in regelmäßigen Abständen einen Fahrtauglichkeits-Check absolvieren muss. Im Gegenteil: Es hilft der Eigensicht und könnte auch ein Sicherheitsgefühl bei betagten Fahrern vermitteln, dass man geistig und körperlich noch in der Lage ist, ein Fahrzeug unfallfrei zu lenken.

Klar: Auch eine solche Überprüfung für Senioren ist gewiss kein Garant dafür, dass es nie wieder Unfälle geben wird. Aber gemessen am Aufwand, ab einem gewissen Alter zu einem Check zu gehen, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, ist es vielleicht eine Überlegung wert. Denn wenn es auch nur einen Unfall verhindert, hat es nämlich schon Sinn gemacht.

Katia Wagner

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