19.08.2019 17:18 |

Aus Syrien

Deutschland holt erstmals IS-Kinder zurück

Deutschland holt erstmals Kinder von deutschen IS-Anhängern in die Bundesrepublik zurück. An der Grenze zwischen Syrien und dem Irak wurden nach Angaben einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am Montag vier Kinder an Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats in Erbil übergeben. Die Kinder hatten nach dem Sieg über die Terrormiliz IS in Syrien im Flüchtlingslager Al-Hol gelebt.

Es handle sich um drei Waisen und ein krankes Baby, sagte Abdel Karim Omar, Sprecher der kurdischen Behörden in Syrien, der Deutschen Presse-Agentur. Nach dpa-Informationen sollten die Waisenkinder und das kranke Mädchen in Begleitung ihrer Großeltern von Erbil nach Deutschland fliegen. Die Mutter des kranken Kindes lebt demnach noch mit weiteren Kindern in Al-Hol. Das neun Monate alte Mädchen leidet laut „Spiegel“ und „Bild“-Zeitung an gefährlichen Wassereinlagerungen im Kopf und konnte in dem Lager nicht ausreichend behandelt werden. Bei den drei Waisen soll es sich um die Kinder von zwei getöteten IS-Anhängerinnen aus Baden-Württemberg und Hessen. Das vierte Kind ist den Berichten zufolge die kleine Tochter einer Berlinerin.

20 Kinder mit Österreich-Bezug im Lager
In dem Lager Al-Hol in Nordsyrien leben Zehntausende Menschen. Darunter sollen rund 12.000 Ausländer sein, auch Österreicher. Insgesamt 20 Kinder mit Österreich-Bezug in Verbindung mit der Terrororganisation IS befinden sich nach offiziellen Schätzungen in Syrien und im Irak. Die bekannten Fällen würden weiterhin geprüft, sagte der Sprecher des Außenministeriums Peter Guschelbauer am Montag auf Anfrage.

Konkret geht es um die aus Salzburg stammende Maria G., die mit ihren beiden Kleinkindern in Al-Hol lebt, und nach Österreich zurück will. In einem anderen Fall bemühen sich die Großeltern von zwei Kleinkindern einer jungen Wienerin um die Ausreise der Enkel. Bekannt wurde außerdem der Fall einer jungen Wienerin, die mit ihrem kleinen Sohn in kurdischer Haft sitzt.

Deutsche Ruckhol-Aktion „minutiös vorbereitet“
Die deutsche Rückhol-Aktion wurde laut „Spiegel“ von deutschen Diplomaten „minutiös und klandestin vorbereitet“. Die Behörden prüften demnach mithilfe von Hilfsorganisationen durch DNA-Tests, ob es sich um die Kinder der deutschen Mütter handelt. „Tragischerweise“ sei ein weiterer Sohn einer der getöteten deutschen IS-Anhängerinnen nicht im Lager aufgefunden worden. Trotzdem sei entschieden worden, die Aktion zu starten.

„Nicht für die Taten ihrer Eltern verantwortlich“
Nach den Worten des deutschen Außenministers Heiko Mass arbeitet die deutsche Regierung unter schwierigen Bedingungen daran, weitere Kinder von IS-Kämpfern nach Deutschland zu holen. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch weitere Kinder Syrien verlassen können“, sagte Maas am Montag in Berlin. „Es handelt sich im Wesentlichen um Kleinkinder, und deren Unterbringung dort ist alles andere als optimal“, sagte der deutsche Außenminister. Er betonte: „Sie können auch nicht für die Taten ihrer Eltern verantwortlich gemacht werden, und deshalb wollen wir dort helfen.“

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