09.08.2019 06:00 |

Bis zu 40 Grad

Grüne Inseln gegen den Hitzekollaps in der Stadt

Österreich schwitzt heuer bei 35 Grad - und es wird noch heißer: Modelle prognostizieren bis zu 40 Grad. Vor allem in den Städten wird die Glut deshalb zum Problem. Projekte zum Hitzeschutz liefern jetzt erste Ergebnisse. 

Bereits der Juni hat weltweite Temperaturrekorde gebrochen. Doch der Juli hat dies nach Angaben des Klimawandeldienstes der EU noch einmal übertroffen und war somit der heißeste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Während auf dem Land immer ein kühles Plätzchen in der Natur zu finden ist, leiden Stadtbewohner noch stärker unter schweißtreibenden Temperaturen (siehe auch Wien-Grafik unten).

Die Verbauung, versiegelte Flächen, fehlende Vegetation und Gewässer lassen uns schwitzen wie im Backofen. Wo die Hotspots in den Städten liegen, wie die Hitze noch zunehmen wird und was man gegen diese Hitzeinseln (Urban Heat Islands/UHI) unternehmen kann, erforschen derzeit Experten des Umweltbundesamtes und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Projekte laufen in Wien, Klagenfurt, Salzburg, Linz und Mödling. „Urbane Hitzeinseln beeinträchtigen die Gesundheit und das Wohlbefinden der städtischen Bevölkerung und führen zunehmend auch zu Todesfällen“, so die Spezialisten vom Umweltbundesamt. Steigen die Temperaturen wie prognostiziert, rechnet die Europäische Kommission mit 152.000 Hitzetoten pro Jahr (zwischen 2071 bis 2100).

Kampf gegen Hitzeinseln im Betondschungel
Im Kampf gegen die Hitzeinseln im Betondschungel gibt es nun erste Ergebnisse. Stadtklimamodelle zeigen auf, wo am dringendsten Handlungsbedarf besteht. In Klagenfurt und Wien wurden erste stark verbaute Bereiche als Hotspots identifiziert.

Wolfgang Schieder, Gebäude-Experte im Umweltbundesamt: „Diese mikroklimatischen Zonen innerhalb der Städte haben besonderen Handlungsbedarf für Anpassungsmaßnahmen, die gezielt umgesetzt werden können.“

Um unsere Städte gegen den Klimawandel zu rüsten, sind Veränderungen nötig:

  • Einsatz von Materialien und Farben an Gebäuden, die Rückstrahlung bieten.
  • Verbesserung der Luftströmung (keine großen Gebäude als Windfang).
  • Grüne Inseln: Dachgärten, Fassadenbegrünung, Verdunstungskühlung bestehender Grünflächen.
  • Entsiegelung von Flächen. Gearbeitet wird jetzt an resilienten Städten, die durch diese Maßnahmen Hitzestress vermindern.

In Einzelfällen bis zu 40 Grad Celsius
Der Temperaturanstieg wird vor allem in Städten zum Problem. Was auf uns zukommt, weiß Stadtklimatologin Brigitta Hollosi im Gespräch mit der „Krone“.

„Krone“: Die längste Hitzewelle hielt im Jahr 2003 das Land in Atem - in mehreren Städten gab es damals über 50 Tage mit mehr als 30 Grad. Was kommt in Zukunft noch auf uns zu?
Brigitta Hollosi: Hitzewellen sind länger und häufiger geworden. Wir müssen je nach Szenario mit einer Zunahme von Hitzetagen von 15 bis 40 pro Jahr rechnen.

Wovon hängt das ab?
Es gibt verschiedene Szenarien - je nachdem, was wir für den Klimaschutz unternehmen. Der Temperaturanstieg wird zwei bis vier Grad bis Ende des Jahrhunderts betragen.

Vor allem in Städten wird die Hitze unerträglich ...
Der urbane Bereich ist von der Erwärmung noch stärker betroffen. Die mangelhafte Vegetation und die Verbauung sind Probleme. In extremen Einzelfällen können die Temperaturen in Zukunft auch bis 40 Grad steigen. Darauf müssen wir uns einstellen.

Thomas Leitner, Kronen Zeitung

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