24.07.2019 19:29 |

Wurde 75 Jahre alt

„Blade Runner“-Star Rutger Hauer ist tot

Der niederländische Filmstar Rutger Hauer ist tot. Der Kult-Schauspieler, der vor allem durch seine Rolle als „Replikant“ Roy Batty in Ridley Scotts „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982 weltberühmt wurde, sei im Alter von 75 Jahren am 19. Juli zu Hause in den Niederlanden gestorben, teilte sein Agent am Mittwoch mit. Der Mime wurde auch bereits im Kreis seiner Familie beigesetzt, hieß es. Hauer spielte in über 100 Filmen mit, darunter, das bleibt nicht aus, auch in vielen B-Filmen. „Ich wollte immer alle Facetten meines Könnens zeigen“, hatte er anlässlich seines 75. Geburtstags Anfang des Jahres gesagt.

Stahlblaue Augen, scharf geschnittene Gesichtszüge, kantiges Kinn, blondes Haar - so sehen gemeine Bösewichte aus oder edle Helden. Der niederländische Filmstar Rutger Hauer konnte beide auf der Leinwand verkörpern - und das mehr als 50 Jahre lang. Eines war Hauer sicher nicht: ein 08/15-Typ, den man schon am Ausgang des Kinos wieder vergessen hat. Am 23. Jänner wurde er 75 Jahre alt, am 19. Juli starb er in seinem Wohnort in Beetsterzwaag in der nördlichen Provinz Friesland.

Verbunden wurde Hauer immer vor allem mit dem fast schon legendären Film „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982. In dem apokalyptischen Science-Fiction-Thriller, der im Jahre 2019 (!) spielt, ist Hauer der „Replikant“ Roy Batty (siehe auch Video unten), eine Roboter-ähnliche Mordmaschine mit zutiefst menschlichen Zügen - also Held und Bösewicht in einem. „Blade Runner“ wurde ein Kultfilm und sollte den Durchbruch für Hauer in Hollywood bedeuten.

Im Gegensatz zu seinem damaligen Gegenspieler Harrison Ford wollte Hauer übrigens nicht beim Folgefilm „Blade Runner - 2049“ (2017) mitspielen. Der Film sei „überflüssig“, sagte der Schauspieler 2018 am Rande der Berlinale in einem Interview.

Rutger Hauer hatte einen Wohnsitz in den USA. Als Ruhepunkt und „sein Zuhause“ sah er jedoch seinen Bauernhof in Friesland ganz im Norden der Niederlande. Doch oft war er auch dort nicht. Denn auch mit 75 Jahren reiste er viel, von Drehort zu Drehort, in vielen Ländern.

Selten in der Öffentlichkeit zu sehen
Er selbst trat nur selten in der Öffentlichkeit auf und wirkte fast schon unnahbar. Seine Arbeit wollte er in den Vordergrund stellen, nicht seine Person. Auch an Drehorten hielt sich der Star am liebsten abseits. Er baute einen alten Lkw zu einem Wohnmobil um. Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer. Und den stellte er gerne abseits vom Filmtrubel in der Natur ab. Das Motorrad hatte auch Platz, damit fuhr er morgens zum Drehort und abends zurück. „Film ist mein Leben“, sagte er einmal in einem der seltenen Interviews. „Aber man muss sich nicht von dieser Scheinwelt beherrschen lassen.“

Hauer wollte, wie er sagte, auf seinen Reisen auch jede Gelegenheit nutzen, um sich umzuschauen. Und oft suchte er Projekte, die er mit seiner Stiftung für HIV-infizierte Kinder und Mütter unterstützen konnte.

Rastlos war er übrigens schon als 15-Jähriger. Er schmiss die Schule, nahm den Seesack und heuerte an. Im Elternhaus bei Amsterdam waren die vier Kinder meistens auf sich gestellt. Die Eltern hätten nur wenig Interesse an ihren Kindern gezeigt, erinnerte sich Hauer einmal. Er kehrte nach einem Jahr auf See zurück, jobbte und landete irgendwann auf der Schauspielschule.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Verhoeven
1969 galoppierte der bis dahin unbekannte Schauspieler als Ritter „Floris“ in die Wohnzimmer. Die TV-Serie war ein Mega-Erfolg und markierte auch einen Wendepunkt in der Filmgeschichte. Es war der Beginn der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit von Regisseur Paul Verhoeven („Basic Instinct“, „Elle“), Drehbuchautor Gerard Soetemann und Hauer.

Der nächste Erfolg des Trios war „Türkische Früchte“ (1973), der erfolgreichste niederländische Kinofilm aller Zeiten. Die leidenschaftliche Liebesgeschichte des rebellischen Paares Olga und Erik traf das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Für das prüde Amerika jedoch waren die sehr expliziten Sexszenen „noch 20 Jahre später shocking“, wie er sich grinsend erinnerte.

Aber Hollywood wurde auf den hochgewachsenen Niederländer mit dem Sex-Appeal aufmerksam - „Türkische Früchte“ wurde für einen Oscar nominiert. Wenige Jahre später folgt die nächste Helden-Rolle - wieder unter der Regie von Verhoeven: „Soldat von Oranje“ (1977), ein Film über einen Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg - erneut ein Riesenerfolg.

Nun wagte Hauer den Sprung nach Hollywood. „Die Niederlande waren mir zu klein“, sagte er einmal. „Die USA aber hatten eine richtige Filmindustrie.“ Und Filmen ist sein Leben. Das habe er gewusst, als er als junger Theaterschauspieler zum ersten Mal in eine Kamera sah. „Man schafft eine Welt, die es nicht gibt und die doch genau in diesem Moment Wirklichkeit ist.“

Ob Bösewicht oder Held war ihm egal: „Mir geht es um den Charakter“
„Ich wollte immer alle Facetten meines Könnens zeigen“, sagte Rutger Hauer. Gerade in den USA wollte man den attraktiven Blonden aber vorwiegend als den Bösen sehen - wie etwa im Actionthriller „Nachtfalken“ (1981) mit Sylvester Stallone oder in „Der Hitcher, der Highwaykiller“ (1986). Ihm sei es egal, sagte Hauer einmal, ob er einen Bösewicht oder Helden spielen soll. „Mir geht es um den Charakter.“

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