29.06.2004 09:16 |

Saturn-Sonde

Besuch beim "Herrn der Ringe"

Der majestätische Ringplanet Saturn bekommt Besuch von der Erde: Erstmals in der Raumfahrtgeschichte schwenkt an diesem Donnerstagmorgen gegen 4.30 Uhr eine Saturnexpedition in eine Umlaufbahn um den Saturn ein. "Cassini- Huygens" ist zugleich die erste Raumsonde seit 23 Jahren, die in die Nähe des "Herrn der Ringe" kommt. Die früheren Raumsonden hatten Saturn auf ihrem Weg in die Außenbezirke des Sonnensystems lediglich flüchtig passiert.
Astronomen erhoffen von der Saturnexpeditioneine Fülle von Antworten. Wie sind die Saturnringe entstanden,woher rühren ihre feinen Farbunterschiede und welche verborgeneEnergiequelle lässt den Ringplaneten nahezu doppelt so vielEnergie abstrahlen wie er von der Sonne einfängt? Einer derHöhepunkte der amerikanisch-europäischen Expeditionist der für Januar 2005 geplante Abstieg der Landefähre"Huygens" auf den größten der 31 bislang entdecktenSaturnmonde, Titan.
 
Zeitmaschine
"Titan ist wie eine Zeitmaschine, die uns in dieVergangenheit mitnimmt und zeigt, wie die Erde einmal ausgesehenhaben könnte", erläutert "Cassini"-Wissenschaftler DennisMatson vom Jet Propulsion Laboratory der US-RaumfahrtbehördeNASA, das das Gesamtprojekt leitet. "Huygens" ist ein Beitragder Europäischen Weltraumagentur ESA und wird von Darmstadtaus kontrolliert.
 
Rückschlüsse auf Erde
Der zweitgrößte Mond im Sonnensystem übertrifftmit 5150 Kilometern Durchmesser sogar die Planeten Merkur undPluto. Als einziger Mond des Sonnensystems besitzt Titan einestabile Atmosphäre. Was "Huygens" unter den Methanwolkenin der Stickstoffatmosphäre vorfinden wird, wissen die Forschernicht genau. Es ist möglich, dass die wie ein knapp dreiMeter großer Wok geformte Sonde auf Felsen oder Eis landet.Es könnten auf dem minus 180 Grad Celsius kalten Mond aberauch Ozeane aus Ethan, Methan und flüssigem Stickstoff wogen."Dieser dunstige Mond könnte uns Anhaltspunkte dafürliefern, wie sich die primitive Ur-Erde zu einem belebten Planetenentwickelt hat", hofft Matson.
 
Die Erwartungen reichen aber noch weiter zurückin die kosmische Geschichte. Saturns nur einige hundert Meterdicke Ringe bestehen aus Eis- und Gesteinsbrocken von Sandkorn-bis Schiffscontainergröße. Das Saturn-System erinnertnach NASA-Angaben an eine Miniaturausgabe des frühzeitlichenSonnensystems. "Das Saturn-System bildet ein unübertroffenes"Labor", in dem wir Antworten auf zahlreiche fundamentale Fragenzur Entstehung der Planeten und der lebensfreundlichen Bedingungenerhalten können", erläutert Ed Weiler aus der NASA-Zentrale.
 
Die knapp 2,5 Tonnen schwere Doppelsonde "Cassini-Huygens"ist mit insgesamt 18 wissenschaftlichen Instrumenten der NASAzufolge die bislang am üppigsten ausgestattete Planetenexpedition.In den kommenden vier Jahren soll "Cassini" den Saturn 76 Malumkreisen. Das nach Angaben der Europäischen RaumfahrtagenturESA rund 2,7 Milliarden Euro teure Gemeinschaftsprojekt ist zumeinen nach dem holländischen Astronomen Christiaan Huygens(1629-1695) benannt, der nicht nur die Saturnringe, sondern auchTitan entdeckt hat. Der andere Namenspate ist der französisch-italienischeAstronom Jean- Dominique Cassini (1625-1712), der die anderenvier großen Saturnmonde fand und als erster eine enge Lückein den Saturnringen beobachtete, die heute Cassini-Teilung heißt.Inzwischen sind zudem zahlreiche schmale Lücken bekannt.
 
Drei Sonden haben den Saturn bislang besucht, "Pioneer11" sowie die beiden "Voyagers". Diese Stippvisiten in den Jahren1979 bis 1981 haben der NASA zufolge allerdings das Wissen überden vor allem aus Wasserstoff und Helium bestehenden Gasplanetenbereits stärker erweitert als Jahrhunderte der erdgebundenenErforschung.
 
Die "Voyager"-Sonden bestätigten unter anderemauch, dass die Ringe keine exklusive Zierde des Saturns sind.Auch die drei anderen Gasriesen unseres Sonnensystems, Jupiter,Uranus und Neptun, haben Ringe, wenn auch nur sehr schmale. Undes könnte noch schlimmer kommen für Saturn: EinigenBerechnungen zufolge existieren Ringsysteme wie seines möglicherweisenur einige Dutzend Millionen Jahre - dieser Schmuck wäreauf der kosmischen Zeitskala flüchtig.
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