29.06.2019 16:16 |

Industrieklettern

Arbeiten, wo andere sich fürchten!

Wo Profis in Felswänden und steilen Wäldern scheitern, sind Spezialisten wie Michael Koller gefragt. Der Maltataler ist ein Industriekletterer.

Mehrere Tage lang hat der Maltataler gebohrt, gehämmert und Material in die Felswand gezerrt. Jetzt ist der Augenblick gekommen. Unter lautem Dröhnen sind die fünf Kilogramm Donarit detoniert und ein tonnenschwerer Felsblock, der drohte, auf eine Straße zu stürzten, hat sich in einer Rauchwolke aus Schutt und Gestein aufgelöst. Michi ist stolz: „Projekt erfolgreich abgeschlossen!“

„Wir arbeiten dort, wo es anderen zu gefährlich wird!“

Mehr als zehn Jahre ist der Maltataler mit abgeschlossener AHS-Lehrer-Ausbildung in der Industriekletter-Szene tätig. „Mit 16 Jahren hat mich Bergretter Gerald Unterassinger zum Klettern mitgenommen und seither fühle ich mich im absturzgefährdeten Bereich wohl.“ Es folgten Ausbildungen zum Bergretter, Schluchtenführer sowie IRATA-Kurse, der allerhöchste, international anerkannte Level im Bereich Industrieklettern. Mit zwei Partnern hat Michi kürzlich die Seilwerker GmbH gegründet. „Wir arbeiten dort, wo es anderen zu gefährlich wird.“

Denn mehr als 90 Prozent seiner Arbeitszeit verbringen Michi und seine Partner sitzend im Klettergurt - oft meterhoch über dem Erdboden. Im Herbst wurde der 30-Jährige nach dem Sturmtief „Vaia“ ins Lesachtal geholt, um einen Hang zu sichern, nachdem ein tonnenschwerer Felsen fast ein Bundesheer-Fahrzeug getroffen hatte. Für Michi gibt es nichts Schöneres als Industrieklettern: „Die Arbeit ist abwechslungsreich, aber auch fordernd, denn oft musst du in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen mit großen Auswirkungen treffen.“ Dafür muss man technisch und praktisch veranlagt sein.

„Es braucht auch eine große Portion gesunden Hausverstandes“, so der Maltataler zur „BergKrone“, aber dafür „darf ich dort arbeiten, wo andere nicht hinkommen.“ Arbeit gibt es für Industriekletterer genug: „Wir werden gerufen, wenn es Problembäume zu fällen gilt, Baumsprenungen, Felssicherungen, aber auch für Arbeiten an Hochhausfassaden, Windrädern sowie der Sanierung von alten Gemäuern, wie Burgen - und wir hängen auch die Weihnachtsbeleuchtung auf.“ Ein toller Job für Profis mit Nerven aus Stahl. 

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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