27.06.2019 12:25

Militärexperte meint:

Eskalation am Golf könnte Weltwirtschaft gefährden

Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran verschlechtern sich seit dem Vorjahr. 2018 hat US-Präsident Donald Trump einseitig das Wiener Atomabkommen aufgekündigt und dem Land wieder harte Sanktionen auferlegt. Jetzt spitzt sich die Lage zu, der Iran hat eine amerikanische Drohne abgeschossen, Trump droht dem Land mit „Auslöschung“. Über den Krisenherd im Nahen Osten spricht Moderatorin Damita Pressl im krone.tv-Studio mit Franz-Stefan Gady. Er ist Senior Fellow am East West Institute, einem New Yorker Institut für Konfliktprävention, und Experte für Außen- und Militärpolitik. Das vollständige Interview sehen Sie im Video oben.

Die Eskalationsspirale zwischen den USA und dem Iran drehe sich schon seit Monaten, sagt Gady. Das sei unter anderem der Tatsache geschuldet, dass die USA einen Regimewechsel im Iran forcieren möchten, um zu verhindern, dass dieser jemals an Atomwaffen kommt. Einige von Trumps Beratern meinen laut Gady, dies ginge am einfachsten, wenn die antiwestliche Regierung durch eine prowestliche ersetzt würde. Der Iran seinerseits trachte seit Jahrzehnten danach, seine Vormachtstellung in der Region auszubauen, und ist hier mit zwei der wichtigsten Verbündeten der USA konfrontiert, nämlich Saudi-Arabien und Israel.

Pulverfass im Nahen Osten
Wo die Drohne wirklich abgeschossen wurde - ob im iranischen Luftraum oder nicht -, sei zweitrangig, sagt Gady: „Im Moment ist die Propaganda von beiden Seiten so stark, dass das in nächster Zeit nicht feststellbar sein wird.“ Gefährlich sei die Lage in der Region aber allemal. Denn der Militärexperte erklärt: Bei einer großen Anzahl an Truppenbewegungen und hoher Truppenpräsenz auf kleinem Raum, wie das am Persischen Golf der Fall ist, kann sehr schnell eine militärische Fehlkalkulation passieren. Ein verletzter oder toter Soldat, eine abgeschossene Drohne reichten dann, um zu einer Eskalation zu führen.

Eskalation würde Weltwirtschaft gefährden
Wie ein möglicher Krieg aussehen würde? Die amerikanische Seite würde vor allem Luftschläge ausführen, analysiert Gady. Der Iran hingegen hätte zwei Optionen: Er könnte entweder über Shia-Milizen US-Truppen oder Einrichtungen wie Ölraffinerien im Irak und Syrien angreifen. Viel schlimmer wäre aber eine Blockade der Straße von Hormus. „Da müssen 30 Prozent des weltweiten Erdölverbrauchs durch“, sagt Gady. Und die iranischen Revolutionsgarden hätten die Kapazität, diese Straße zu verminen. Selbst ein paar Tage Verzögerung könnten den Ölpreis nach oben treiben, denn für eine Minenräumung würden die USA Tage oder Wochen brauchen. Dies könnte zu einem weltweiten Wirtschaftsabschwung führen, den Trump natürlich vermeiden möchte, um die Chancen auf seine Wiederwahl nicht zu minimieren.

Damita Pressl
Damita Pressl

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