19.06.2019 15:22

Weitere Nachwehen

Segensgebet für Kurz für Evangelische „skandalös“

Sebastian Kurz muss für seine Teilnahme am freikirchlichen Großevent „Awakening Europe“ (Erweckung Europas) in der Wiener Stadthalle, bei dem am Sonntag ein umstrittenes Segensgebet für den ÖVP-Chef gesprochen worden war (siehe Video), weiter Kritik einstecken. Vor allem vonseiten der evangelischen Kirche, die in einem offenen Brief Kritik am Veranstalter, aber auch an der katholischen Kirche übt. In dem Schreiben distanziert sich der Wiener Superintendent Matthias Geist entschieden davon, „christliche Haltungen mit einseitiger Positionierung im Gebet für Ex-Kanzler Sebastian Kurz, vor allem auch in Wahlkampfzeiten, zu verknüpfen“.

Das Segensgebet für Kurz halte man für „skandalös“, heißt es in dem Schreiben. Man finde es erschreckend, dass es dem Spitzenvertreter einer im Wahlkampf befindlichen Partei ermöglicht wurde, die große Bühne dieser Veranstaltung für Werbezwecke zu missbrauchen, heißt es in dem offenen Brief weiter. Ein Vorwurf, gegen den sich die Veranstalter von „Awakening Austria“ bereits am Montag gewehrt haben: „Wir hätten auch jeden anderen Bundeskanzler eingeladen, ganz egal, welcher Partei er oder sie angehört.“

Ex-Kanzler Kurz hat seine Teilnahme verteidigt. Er selbst habe „nichts Verwerfliches gesagt“, meinte der ÖVP-Chef darauf angesprochen am Montag bei einer Pressekonferenz. Vom „Segensgebet“ des Predigers Ben Fitzgerald sei er selbst überrascht gewesen: „Ich wusste davon nichts.“

Evangelischer Pfarrer: „Großes Fettnäpfchen“
„Dass auch nicht alle Anwesenden einverstanden damit waren, hat man bei dem kurzen Auftritt von Sebastian Kurz gemerkt. Einige haben die Halle verlassen. Die Angelegenheit war auf jeden Fall ein großes Fettnäpfchen, da Sebastian Kurz nicht mehr in seinem Amt als Bundeskanzler, sondern als Parteichef in Vorwahlkampfzeiten dort war“, wird der evangelische Pfarrer Thomas Doppliner aus Wien-Favoriten, der das „Awakening Austria“-Event besucht hat, von kathpress zitiert.

Unterscheidung Politik - Religion wichtig
Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker hatte sich am Montag von der Veranstaltung distanzierte. Die evangelischen Kirchen in Österreich seien nicht an dem Event beteiligt gewesen, betonte er in einer Aussendung. Es sei „selbstverständlich, dass wir für alle politischen Amtsträgerinnen und Amtsträger beten. Die Bibel beauftragt uns, sie ins Gebet zu nehmen.“ Dabei sei jedoch die Unterscheidung von Religion und Politik wichtig. „Es muss der Eindruck vermieden werden, dass dadurch einseitig Stellung genommen wird“, warnte Bünker. Religion dürfe nicht für politische Zwecke missbraucht werden.

„Thron und Altar keine gute Paarung“
Auch die Mitglieder von „Netzwerk: zeitgemäß glauben“ zeigten sich über den Auftritte von Kurz bei „Awakening Austria“ entsetzt: „Schon die österreichische Geschichte zeigt, dass die Paarung ,Thron und Altar‘ über die Menschen unseres Landes oftmals Krieg, Leid und Trauer gebracht hat“, heißt es auf der Website des Netzwerks.

Schon unmittelbar nach dem Event hatten Kurz und die Veranstalter einiges an Kritik einstecken müssen. So warnte die Direktorin der evangelischen Diakonie, Maria Katharina Moser, vor einem „Missbrauch des Gebets“ für Wahlkampfzwecke: „Die Kirchen sollten sich hüten, sich vor den parteipolitischen Karren spannen zu lassen, egal welcher Partei“, schrieb sie auf Twitter.

Und ihr Kollege von der katholischen Caritas, Michael Landau, verwies angesichts der Inszenierung auf offener Bühne schlicht auf das Gebot des Matthäus-Evangeliums, im Privaten zu beten („Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu“) - „Von Stadthalle steht da nichts.“

FPÖ-Generalsekretär: „Auftritt sehr befremdlich“
Kritik kam prompt auch vom politischen Gegner: FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker bezeichnete den Kurz-Auftritt als „sehr befremdlich“. „Wenn jemand wie (der evangelikalen Prediger Ben, Anm.) Fitzgerald nach einer Drogendealer-Karriere behauptet, Jesus getroffen zu haben, und dann 10.000 Menschen in der Wiener Stadthalle auffordert, Sebastian Kurz zu huldigen, ist das nicht nur peinlich, sondern bedenklich“, so Hafenecker, der den ÖVP-Obmann daran erinnerte, dass in Österreich die Trennung von Staat und Kirche gelebt wird.

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