02.05.2019 10:44 |

Unter 500.000 Anzeigen

Kriminalstatistik 2018: „Jede 2. Tat aufgeklärt“

Im Jahr 2018 sind in Österreich insgesamt 472.981 Straftaten angezeigt worden. Im Vergleich zum Jahr 2017 bedeutet das ein Minus von 7,4 Prozent bzw. 37.555 Anzeigen weniger. Damit gab es erstmals seit 20 Jahren weniger als 500.000 Anzeigen. Gestiegen ist wiederum die Aufklärungsquote auf 52,5 Prozent. „Jede zweite Straftat wurde im Vorjahr geklärt“, sagte Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) am Donnerstag.

Im Schnitt wurden 2018 jeden Tag knapp 1300 Straftaten angezeigt. Während Gewalt- und Eigentumsdelikte 2018 rückläufig waren, gab es - wie schon in den Jahren zuvor - erneut einen großen Anstieg im Bereich Cybercrime. Die Schwerpunkte der Kriminalstatistik sind seit heuer Gewalt-, Eigentums- und Internetkriminalität, wobei bei den Gewaltdelikten nunmehr zahlreiche neue Straftatbestände wie beispielsweise Raub, Erpressung, Freiheitsentziehung, Entführung oder auch gefährliche Drohung und beharrliche Verfolgung hinzugerechnet werden.

Kickl: „Sehr stolz auf Zeugnis
„Wie in einem Zeugnis sieht man, wo die Leistungen überdurchschnittlich gut sind, aber auch, wo es noch Steigerungsmöglichkeiten gibt“, sagte Innenminister Kickl. Auf das „Zeugnis, das wir 2018 haben“, sei er „sehr stolz“. Zudem sei eine Neuanpassung vorgenommen worden, um „ein möglichst exaktes Bild abzugeben“. Die neuen Schwerpunkte lägen nun auf Gewalt-, Eigentums- und Internetkriminalität.

Neue Taskforce für Frauenmorde
Speziell was die Mordrate mit weiblichen Opfern anlagt, sei die Zahl 2018 drastisch gewesen. Auch die Aufklärungsquote von gut 95 Prozent „kann da kein Trost sein“, so Kickl. Darum sei eine sogenannte Screeninggruppe für Frauenmorde ins Leben gerufen worden. Außerdem habe man nicht nur vollendete, sondern auch versuchte Morde miteinbezogen. In der Statistik seien nun auch alle Formen psychischer Gewaltausübung berücksichtigt, wie der Direktor des Bundeskriminalamtes, General Franz Lang, ergänzte.

Was man jedenfalls beobachte, sei, dass die Aufklärungsquote bei Vergewaltigungen weiterhin hoch sei. Neu sei aber, dass nun auch vermehrt Frauen mit Migrationshintergrund derartige Übergriffe zur Anzeige bringen. Lang sieht darin die Wirkung von Integrationsmaßnahmen und sogenannten Normverdeutlichungen - darunter versteht man ein breiteres Verständnis und Wissen über in unserem Land geltendes Recht - bestätigt.

„Nachschärfen bei Stichwaffen nötig
Auch das Thema „Stichwaffen“ sei weiterhin brisant. Das hohe Niveau derartiger Delikte seit dem „großen Anstieg 2013“ sei weiter vorhanden, sagte Lang: „Hier muss man noch nachschärfen!“ Wahrscheinlich seien Anpassungen im Waffenrecht, betreffend etwa das Tragen von Stichwaffen im öffentlichen Raum.

Jeden Tag rund 470 Eigentumsdelikte
69.426 Gewaltdelikte wurden im Vorjahr in Österreich verübt, was einen Rückgang von mehr als vier Prozent gegenüber den 72.577 Anzeigen im Jahr 2017 bedeutet. Aufgeklärt wurden 84,1 Prozent der Fälle. Einen Rückgang von zwölf Prozent gab es bei Eigentumskriminalität. Wurden 2017 noch mehr als 195.000 Einbrüche, Diebstähle etc. begangen, waren es im Vorjahr 171.718 Anzeigen. Somit wurden jeden Tag rund 470 Eigentumsdelikte verübt. Aufgeklärt wurde rund ein Viertel der Taten. „Diese Delikte haben einen großen Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl“, sagte Kickl.

Steigerung bei Internetkriminalität
Wie schon in den Jahren davor gab es auch 2018 eine große Steigerung bei der Internetkriminalität. Hier stieg die Zahl der Anzeigen um mehr als 2800 auf insgesamt 19.627 im Vorjahr. Die Aufklärungsquote beträgt 37,4 Prozent. Zurückgegangen ist auch die Zahl der angezeigten Suchtmitteldelikte: Insgesamt 41.044 Drogenvergehen wurden 2018 angezeigt, um 3,7 Prozent weniger als 2017. Die Aufklärungsquote bei Suchtgiftkriminalität ist mit 92,4 Prozent sehr hoch, wenn auch im Vergleich zu 2017 leicht rückläufig (minus 0,8 Prozent).

In den vergangenen Jahren gab es in Österreich immer deutlich mehr als eine halbe Million angezeigte Straftaten. Zuletzt waren es im Jahr 1999 mit 493.246 weniger als 500.000.

Kriminalität effektiv und langfristig bekämpfen
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) dient der Erfassung und Darstellung der Entwicklung des kriminellen Geschehens in Österreich. Grundlagen sind das österreichische Strafgesetzbuch (StGB) sowie die strafrechtlichen Nebengesetze. In der PKS werden alle seit 2001 angezeigten Fälle elektronisch registriert. Auf Basis dieser Zahlen werden strategische kriminalpolizeiliche Maßnahmen gesetzt. Die PKS ist eine Anzeigenstatistik - das bedeutet, dass nur die der Polizei angezeigten und an das Gericht übermittelten Straftaten erfasst werden.

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