27.04.2019 15:23 |

Millionengeschäft

China legt Ring von Lego-Fälschern das Handwerk

Wichtiger Sieg für Lego im Krieg um die Kopien der gewinnträchtigen Bausteine: In China ist jetzt ein Fälscherring ausgehoben worden, der unter den ansonsten wachsamen Augen des Staates massenweise Lego-Plagiate produziert hatte. Die Polizei habe insgesamt Fälschungen im Wert von 200 Millionen Yuan (rund 26,6 Millionen Euro) beschlagnahmt, hieß es. Der Chef des Unternehmens und mehrere Mitarbeiter wurden festgenommen. Hintergrund der öffentlichkeitswirksamen Razzia bei den Lego-Fälschern, deren Produkte auch hierzulande als Billig-Alternative zu Lego bekannt sind: den Ruf von China und seinen Produktionsstandorten in Sachen Urheberrechtsverletzungen wieder in ein besseres Licht rücken.

Das Gelände der Firma Lepin im südchinesischen Shenzhen sei bereits unter der Woche durchsucht worden, berichtete die Polizei von Shanghai am Freitag. An mehr als zehn Fließbändern seien 90 Produktserien hergestellt worden. Die Razzia wurde von der Polizei von Shanghai in Zusammenarbeit mit der Polizei von Shenzen und Shantou durchgeführt.

Unter den festgenommenen Personen ist demnach der Chef der Produktionsfirma Longjun Toy Factory aus Shantou. Das Unternehmen ist der Inhaber der Marke Lepin und diverser, auffällig Lego-ähnlichen Markennamen wie z. B. „Technician“, „Star Plan“ oder „Magic World“. Der Chef der Designfirma, die Zeichnungen und Pläne für die Formen an die Fabriken geliefert haben soll, sei ebenfalls festgenommen worden, hieß es.

„Die Lepin-Steine auf dem Markt waren denen von Lego extrem ähnlich“, hieß es vonseiten der Polizei. Demnach kopierte die Firma die Spielsteine nach Entwürfen von Lego und verkaufte sie dann in ganz China. Im Vorjahr hatte der dänische Spielzeugriese dann in China einen Prozess gegen Lepin erfolgreich für sich entscheiden können - und damit die nun bekannt gewordenen Ermittlungen gegen die Fälscher ins Rollen gebracht.

China nahm Fälscher nach Gerichtsurteil ins Visier
Konkret bekam die Lego-Gruppe Recht, dass Lepin das dreidimensionale Artwork von 18 verschiedenen Bausteine-Sets und eine Vielzahl von Minifiguren des dänischen Unternehmens kopiert hat. Lepin sollte daraufhin auf Anordnung des Gerichts die Produktion, den Verkauf und die Bewerbung dieser Produkte einstellen und Lego darüber hinaus rund 570.000 Euro Schadensersatz zahlen. Weil Lepin aber weiter fleißig Lego-Fälschungen produzierte, zog man in China nun die Reißleine und legte insgesamt dei Produktionsstätten der Fälscher still.

Bilder von der Razzia, die die Polizei in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, zeigten Produkte, die dem dänischen Original bemerkenswert glichen. Eine „Star Wars“-Fälschung wurde „Star Plan“ genannt, ein Bausatz mit Bezug zum neuen Film „Lego Movie 2“ wurde unter dem Namen „The Lepin Bricks 2“ verkauft. Auf der Website von Lepin ist nach der Razzia zu erfahren, dass ab 1. Mai keine Lepin-Produkte mehr über den Onlineshop verkauft würden.

Ausländische Firmen beschweren sich seit Langem über das nachlässige Vorgehen gegen Produktpiraterie in China. Um die Beilegung seines Handelsstreits mit den USA bemüht, hat Peking versprochen, Urheberrechte besser zu schützen. Die öffentlichkeitswirksame Razzia bei Lepin dürfte genau diesem Grund geschuldet sein …

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