16.04.2019 08:26 |

Feuer in Notre Dame

Erinnerungen: Vor 74 Jahren brannte der Steffl

Es sind Bilder, Eindrücke und Emotionen, die sich auf schockierende Weise gleichen - auch wenn zwischen den beiden dramatischen Ereignissen 74 Jahre liegen. Nach dem verheerenden Feuer, das am Montagabend in Notre Dame gewütet und für schwere Zerstörungen in der weltbekannten Pariser Kathedrale gesorgt hatte, wird nun mit Tagesanbruch das gesamte Ausmaß der Verwüstung ersichtlich. Szenen ähnlich wie am 13. April 1945, als sich auch die Rauchschwaden um den Wiener Stephansdom lichteten.

Es war ein wahrer Feuersturm, der den Stephansdom am 12. April 1945 erfasste. Hatte er auf wundersame Weise die Jahre des Krieges noch unbeschadet überstanden, sollten es zivile Plünderer sein, die am 11. April in der direkten Umgebung des Steffls in Geschäfte einbrachen und diese im Anschluss in Brand setzten - der Anfang eines Infernos. Rasch breitete sich das Feuer durch den Wind und eine gewaltige Sogwirkung der erhitzten Luft aus, immer wieder wurden Glut und Feuerflocken über den Dom geweht. Kleinbrände am Dach des Gotteshauses konnten zunächst noch mit sogenannten Feuerpatschen gelöscht werden, doch im Laufe der Stunden geriet die Situation außer Kontrolle.

Ohne Löschwasser - die Leitungen waren im Vorfeld zerstört oder Geräte von der abziehenden SS mitgenommen worden - griff das Feuer in der Nacht um sich. Am 12. April standen der Nord- wie auch der Südturm in Brand, das Gebälk des einzigartigen Dachstuhls wurde ein Raub der Flammen.

Glocken fielen Feuersbrunst zum Opfer
Auch die tonnenschweren Glocken des Doms sollten der Brandkatastrophe zum Opfer fallen. Zunächst fiel die zweitgrößte Glocke des Steffls, die Halbpummerin mit zehn Tonnen Gewicht, in das linke Querhaus. Dort wurde das Wimpassinger Kreuz, eine monumentale toskanische Arbeit aus dem Mittelalter, vom Feuer gänzlich zerstört. 
Als die Flammen auf das Glockenhaus der Pummerin übergriffen, sollte es wenig später zum Unausweilichen kommen. Unter ohrenbetäubendem Lärm stürzte mit einem Mal die schwerste Glocke Österreichs - mit 20.000 Kilogramm Gewicht - in die Tiefe. Sie zerbarst am großen Gewölbering der Turmhalle, auf deren Gewölbe ein kleiner Teil der Trümmer liegen blieb.

Der Rest sollte in der Folge von Schutt begraben werden - dadurch wurde die Pummerin vor dem Schmelzen bewahrt, weshalb sie 1951 wenigstens zum Teil aus dem alten Material neu entstehen konnte.

Jedoch wurden die beiden Glocken des südlichen Heidenturms zerstört - die Zwölferin oder Fürstenglocke und die Viertelpummerin.

Glut brachte große Orgel zum Schmelzen
Ähnlich wie in Notre Dame sollte infolge des Brandes auch das Dach des Doms zusammensacken, die große Orgel begann unter einem Regen von Glut zu schmelzen, das herabrinnende Zinn ging in das Kirchenschiff nieder. 
Bis zum nächsten Tag wütete das Feuer weiter, ehe in den Morgenstunden die südliche der beiden Ziegelmauern einstürzte. Sie durchschlug das Gewölbe des Friedrichstores, auch das gotische Chorgestühl begann zu brennen und wurde gänzlich in Schutt und Asche gelegt - der Abschluss des entsetzlichen Infernos.

Verheerende Schäden
Der Schaden der Brandkatastrophe war verheerend, zahlreiche Schätze sind durch die Feuerbrunst unwiederbringlich verloren gegangen. Die Gefahr, dass sich ein derartiges Ereignis in dieser Form wiederholen könnte, sieht etwa Kardinal Christoph Schönborn eher nicht. Nach dem Feuer 1945, dem der hölzerne Dachstuhl zum Opfer gefallen war, wurde die Kontstruktion durch Stahl ersetzt, wie er am Montag in der „ZiB 2“ erklärte.

Welche Schäden das Großfeuer in Notre Dame angerichtet hat, wird erst nach und nach sichtbar. Langsam, vorsichtig und mit Bedacht rückten die Einsatzkräfte am Dienstag in das Gotteshaus vor - zumal noch unklar ist, ob Einsturzgefahr besteht. Erste Blicke ins Innere schockieren Menschen auf der ganzen Welt aber bereits jetzt.

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