16.03.2010 12:37 |

Marodes Netz

Kontrollamt fordert raschere Sanierung der Wasserrohre

Immer wieder kommt es in Wien zu spektakulären Wasserrohrbrüchen, die ganze Straßenzüge lahmlegen. Das Wiener Kontrollamt befürchtet nun Schlimmes: Derartige Vorfälle könnten künftig sogar noch häufiger passieren, da das Rohrnetz immer anfälliger für Korrosion wird. In einem aktuellen Prüfbericht wird die Stadt aufgefordert, doch der Erneuerung der Leitungen eine höhere Priorität einzuräumen - was diese, auch bezüglich einiger Defizite bei Hausgararen, verspricht.

Rund 19 Prozent der in Wien verlegten Rohre sind Grauguss-Rohre, die bis Mitte der 1960er Jahre verwendet wurden. Dass diese bzw. die Verbindungen zwischen ihnen problematisch sind, ist bekannt. Vor allem starke Verkehrsbelastung auf darüberliegenden Straßen macht ihnen zu schaffen. Große Wasseraustritte - wie etwa jener in der Wienzeile im Vorjahr (Bericht siehe Infobox) - sind auf Brüche dieses Materials zurückzuführen. Jüngeren Datums sind Leitungen aus sogenanntem Sphäroguss, die fast 60 Prozent des Netzes ausmachen. Sie verfügen laut Kontrollamt über bessere Zugfestigkeit und brechen nicht so leicht. Allerdings: Auch an ihnen nagt der Zahn der Zeit. "Für die nächsten Jahrzehnte ist durch vermehrtes Auftreten von Korrosionsschäden an diesen Rohren eine schnell steigende Anzahl an Rohrgebrechen nicht auszuschließen."

Maßnahmen erfolgreich, aber "nicht hinreichend"
Festgestellt wurde, dass die von der zuständigen MA 31 (Wasserwerke) in der Vergangenheit gesetzten Maßnahmen zur Erneuerung des Netzes notwendig waren. Dies zeige sich unter anderem an den bisherigen Erfolgen bei der Bekämpfung der ständigen Wasserverluste. Jedoch wird betont: "Sie waren aber mit Blick in die Zukunft nicht hinreichend, und es zeichnete sich ab, dass der Erneuerung des städtischen Wasserleitungsnetzes eine noch höhere Priorität einzuräumen sein wird und bestimmte Rohrtypen verstärkt auszutauschen sein werden." Das dürfte auch mehr kosten: "Eine Zunahme in den jährlichen Aufwendungen für die Erneuerung des Wasserleitungsnetzes der Stadt wird bei dieser Entwicklung einzukalkulieren sein", so die Prognose der Prüfer.

Maßnahmen für Erneuerung des Leitungsnetzes verstärken
In einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme der Wasserwerke wird betont, dass zudem Studien über den Zusammenhang zwischen der Verkehrsbelastung und der Belastung der Rohre forciert werden. Was auch für die Netzsanierung generell gilt: In einer Reaktion aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SP) wurde am Dienstag versprochen, dass die Wasserwerke bestrebt sind, die Maßnahmen für die Erneuerung des Leitungsnetzes zu verstärken. Allerdings, so wurde betont, sei vom Kontrollamt auch anerkannt worden, dass die festgestellte Schadensrate von elf Gebrechen pro 100 Kilometer und Jahr einen international guten Wert darstellen.

"Die Erneuerung muss wesentlich rascher erfolgen"
Die Opposition fühlt sich in ihrer Kritik bestätigt. ÖVP-Gemeinderat und Kontrollausschuss-Mitglied Günter Kenesei forderte: "Die Erneuerung muss wesentlich rascher erfolgen. Derzeit wird offensichtlich nur an jenen Stellen das Rohrnetz erneuert, wo es unbedingt - aufgrund von aktuellen Schäden - notwendig und unumgänglich ist." Die ÖVP Wien fordert die Einrichtung eines Fonds, der aus den "Überschüssen aus den Wasser- und Abwassergebühren" gespeist werden sollte und dessen Mittel für die Sanierung eingesetzt werden.

Hausgaragen ebenfalls massiv kritisiert
Nicht nur das marode Wasserleitungsnetz wurde vom Kontrollamt teils heftig kritisiert, auch Hausgaragen im Besitz der Stadt Wien bekamen ordentlich ihr Fett ab. Neben zum Teil fehlenden oder ungültigen Bescheiden und Plänen übten die Prüfer auch Kritik vor allem an baulichen und elektrotechnischen Beanstandungen im Bereich des Brandschutzes. So verfügte laut Bericht nur eine Großgarage über eine Brandmeldeanlage, wobei die Prüfer hier eine "nur marginal erhöhte Sicherheit" feststellten: Da im Alarmfall die Brandmeldung nur an den Hausbesorger weitergeleitet werde, sei bei dessen Abwesenheit der Schutzwert infrage zu stellen.

Bedenken in Sachen Brandschutz meldete das Kontrollamt auch an, da sich in einigen Garagen beziehungsweise Betriebsräumen leicht brennbare Stoffe wie Papier, Kartonagen oder Küchenmöbel sowie unzulässige brennbare Flüssigkeiten wie Putzmittel fanden. In puncto der CO-Messanlagen sowie der Lüftungsüberprüfung wird empfohlen, mit der Alarmsimulation Fachfirmen und nicht mehr die Hausbesorger zu beauftragen, da diese oft keine Kenntnisse von der Durchführung derartiger Tests haben. Bemängelt wurde auch die Situation der Sicherheitsleuchten im Fall eines Stromausfalls. Vor allem in Fluchtwegschleusen, die von Garagen in die Stiegenhäuser der Wohnanlagen führen, gab es meist keine Notbeleuchtung.

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