Zusammenhang entdeckt

Die auffälligsten Affen haben die kleinsten Hoden

Wissenschaft
10.04.2019 11:30

Männlichkeitsmerkmale wie Mähnen oder Wangenwülste helfen Affenmännchen, Weibchen zu beeindrucken und Konkurrenten einzuschüchtern. Allerdings haben Tiere mit auffälligem Schmuck dafür kleinere Hoden, berichtet Evolutionsbiologe Stefan Lüpold von der Universität Zürich mit Kollegen der University of Western Australia. Das Fazit der Forscher: gut bestückt oder gut geschmückt, aber beides geht nicht.

Entweder große Hoden oder besonders auffälliger Schmuck - beide Merkmale gleichzeitig auszubilden kostet Affenmännchen offenbar zu viel Energie, so die Forscher. Stark gerötete Hautstellen, Wangenwülste, Bärte oder Mähnen drücken bei den verschiedenen Affenarten Männlichkeit aus und helfen beim Werben um Weibchen. Zugleich schüchtern sie Rivalen ein. Paaren sich diese jedoch auch mit den Weibchen, sorgt die Spermienkonkurrenz für einen Selektionsdruck auf die Spermienproduktion. Es braucht also auch große Hoden.

Bei den Flachlandgorillas wurde seit 1994 ein Rückgang um 87 Prozent verzeichnet, vor allem aufgrund illegaler Jagd. (Bild: Ciminuka Kahuzi-Biega National Park DRC, Rick Murphy)
Bei den Flachlandgorillas wurde seit 1994 ein Rückgang um 87 Prozent verzeichnet, vor allem aufgrund illegaler Jagd.

Das internationale Forscherteam hat die Sexualmerkmale von mehr als 100 Affenarten und dem Menschen miteinander verglichen. Damit wollten sie der Frage nachgehen, wie die Männchen ihre limitierten Ressourcen unter den Geschlechtsmerkmalen aufteilen, um ihren Fortpflanzungserfolg zu maximieren.

Aufwendiger Körperschmuck, kleinere Hoden
Je größer die Konkurrenz unter den Männchen einer Art, desto stärker sind die Sexualmerkmale ausgeprägt, so das Fazit der Forscher, von dem sie im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“ berichten. Allerdings geht ein aufwendiger Schmuck auf Kosten der Hodengröße und Spermienproduktion, erklärte Lüpold. „Oder anders formuliert: Die auffälligsten Männchen haben die kleinsten Hoden.“

(Bild: stock.adobe.com, krone.at-Grafik)

Dieser Zusammenhang zeigte sich bei der Analyse über alle Arten hinweg, betonte Lüpold. Innerhalb einer Art sei diese Regel schwer anwendbar, da von Art zu Art teils unterschiedliche evolutionäre Mechanismen zum Tragen kämen. So bezogen die Forscher den Menschen als eine von gut 100 Primatenarten zwar in die Analyse ein, eins zu eins auf unsere Spezies anwenden lässt sich der entdeckte Zusammenhang zwischen Männlichkeitsmerkmalen und Hodengröße aber eben nicht.

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