Uraufführung:

Der „Mythos Voest“ unter der Lupe

Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Mensch - oder doch der Markt? Eine kritische Auseinandersetzung mit dem „Mythos Voest“ lieferten Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger mit ihrem Dokumentartheaterprojekt ab, das nun in den Kammerspielen uraufgeführt wurde. Ein wenig mehr Schmäh hätte aber nicht geschadet.

Während es beim Vorgängerstück „Swap - Wem gehört die Stadt?“ trotz des trockenen Themas einiges zu lachen gab, bleiben die Doku-Theatermacher Regine Dura (Konzept und Text) und Hans-Werner Kroesinger (Regie) mit ihrem neuesten Wurf „Mythos Voest“, der am Freitag in den Kammerspielen Uraufführung feierte, auf der ernsten Seite. Sie beleuchten den Konzern und seine Geschichte kritisch, thematisieren scheinbar längst Vergessenes wie die Absiedlung von Bewohnern für die Errichtung des Werks, die Nazi-Anfänge und Skandale früherer Jahrzehnte. Die Inszenierung ist wie das Stahl-Werk ständig in Bewegung, die Darsteller werkeln in ihren Blaumännern immerzu an irgendwelchen Kübeltürmen (Bühne, Kostüme, Video: Rob Moonen) und berichten wie nebenbei von den Höhen und Tiefen der Voest.

Gunda Schanderer, Angela Waidmann, Jenny Weichert, Sebastian Hufschmidt und Benedikt Steiner sind eher Erzähler als Schauspieler, werden zu wenig gefordert, da es kaum konkrete Charaktere gibt.

Auflockernd wirken eingestreute Lieder (Musik: Nebojša Krulanovic) und Zitate von Arbeitern, positive wie negative. Überhaupt ist es eine ausgewogene Analyse, die Dura und Kroesinger hier nicht nur zur Voest-, sondern auch zur Industriegeschichte abliefern.

Am Ende der Suche nach dem „Voest-Geist“ steht selbiger vor den verschlossenen Werksmauern - gutes Doku-Theater, das zum Nachdenken anregt, bei dem aber die Unterhaltung manchmal auf der Strecke bleibt.

Jasmin Gaderer/Kronen Zeitung

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