19.02.2019 15:22 |

Protein im Zellkern

Innsbrucker Forscher entdecken „Intelligenz-Gene“

Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck haben Gene identifiziert, welche die Intelligenz regeln. Die Neurowissenschaftler entdeckten im Zellkern eine Gruppe von Proteinen, die für die kognitiven Fähigkeiten mitverantwortlich sein dürften. Eine zentrale Rolle spiele dabei ein Protein namens SATB2, das für die Auffaltung des Erbgutes verantwortlich ist.

Warum sind manche Menschen intelligenter als andere? Ein Grund dafür liegt auch in den Genen. Bisher ist allerdings nur wenig über die genetischen Grundlagen der Intelligenz bekannt gewesen. „Wir wissen, dass es nicht ein sogenanntes Intelligenzgen gibt, sondern dass viele Gene jeweils kleine Beiträge leisten“, erklärte Georg Dechant, Direktor der Gemeinsamen Einrichtung für Neurowissenschaften, an der die Grundlagenarbeit entstanden ist.

Das Protein SATB2 bindet an die Erbsubstanz DNA und bestimmt deren dreidimensionale Auffaltung im Zellkern. Menschen mit einer Mutation dieses Gens haben geistige Beeinträchtigungen sowie Lernbehinderungen. „Bisher war aber nicht bekannt, welche molekularen Mechanismen dafür verantwortlich sind“, erklärte Studienautorin Galina Apostolova.

Genomweite Assoziationsstudien
Mit modernen biochemischen Methoden konnte nun eine Gruppe von Proteinen bestimmt werden, die mit SATB2 in Nervenzellen des Großhirns zusammenarbeitet. In sogenannten genomweiten Assoziationsstudien zeigte sich dann, dass Varianten der entsprechenden Gene mit Unterschieden in menschlicher Intelligenz gekoppelt sind. Die Erkenntnisse wurden im Wissenschaftsjournal „PLOS Genetics“ veröffentlicht.

Die Forschungsarbeit trage dazu bei, die höheren Gehirnfunktionen besser zu verstehen. Die Ergebnisse würden aber auch zeigen, dass die genetischen Grundlagen der Intelligenz eines Menschen nur bedingt beeinflussbar sein werden. „Da so viele Gene involviert sind, erscheint es unmöglich, Intelligenz auf molekularer Ebene zu manipulieren“, sagt Dechant.

Die Erkenntnisse seien jedenfalls wichtig für die Entwicklung von neuen Therapien für psychiatrische oder neurologische Erkrankungen, bei denen häufig Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit beobachtet werden, so die Tiroler Wissenschaftler.

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