22.02.2010 13:02 |

Umstrittene Kunst

Aufregung um Swingerclub in der Wiener Secession

Die Wiener Secession wird zur "Sexession": Der Schweizer Künstler Christoph Büchel, der bereits vor einigen Jahren in einem deutschen Museum ein Solarium, einen Billig-Supermarkt und ein Wettbüro installiert hat, bespielt das Untergeschoß des Wiener Museums nun mit einem echten Swingerclub. Tagsüber werden jene Besucher, die sich für das Beethovenfries interessieren, durch die leeren Räumlichkeiten geschickt, in der Nacht läuft im "Element6" Normalbetrieb.

Der Künstler transportiert stets reale Gesellschaftszustände und soziale Situationen in den Kunstraum und spielt damit auf die Raumvermietung von Kulturschauplätzen an. Wegen der Finanzierung der Schau wurde das Kunstprojekt auch von vielen Seiten kritisiert, so Secessions-Pressesprecherin Urte Schmitt-Ulms. Die Sprecherin kontert damit, dass sich die Secession zu zwei Dritteln selbst finanziere. Im Falle der Ausstellung von Christoph Büchel kämen die Einnahmen aus den Eintrittspreisen des "Vereins der kontaktfreudigen Nachtschwärmer", der für die Dauer der Ausstellung aus der Kaiserstraße umgezogen ist.

Beethovenfries in der Nacht nicht zugänglich
Der Nachtclub ist Dienstag und Mittwoch von 21 bis 2 Uhr früh und Donnerstag bis Samstag von 21 bis 4 Uhr früh geöffnet. Organisatorisch hat es im Vorfeld einige Arbeit gegeben: Die Konzession bringt der Club selbst mit, zum Schutz des Beethovenfrieses ist der ebenfalls als Swingerclub gestaltete Raum in der Nacht geschlossen, die im Nebenraum installierte Sauna dient lediglich der Vollständigkeit, in Betrieb geht sie allerdings aus konservatorischen Gründen nicht.

Die ausgelöste öffentliche Diskussion ist jedenfalls Teil des Konzepts: So spielt Büchel auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, so Pressesprecherin Schmitt-Ulms, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich.

FPÖ: "Missbrauch der 'Freiheit der Kunst'"
Die Kultursprecherin der FPÖ, Heidemarie Unterreiner, wittert in der Ausstellung unterdessen einen "Sittenverfall" unter dem "Missbrauch der 'Freiheit der Kunst'". Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine Ausstellung von Otto Mühl in der Secession oder Ausstellungen mit "Leichenschändungen oder Kindesmissbrauch" in der Kunsthalle, die den Trend der Negativspirale von Nihilismus und Perversion verschärfen würden.

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