15.02.2019 15:49 |

Umbettung angeordnet

Spanien beschließt Exhumierung von Diktator Franco

Nach monatelangen Diskussionen hat Spaniens Regierung am Freitag die umstrittene Umbettung der Gebeine von Diktator Francisco Franco (1892-1975) offiziell in die Wege geleitet. Man werde der Familie nun 15 Tage Zeit geben, um zu entscheiden, wo Francos Leichnam nach der Exhumierung aus dem „Tal der Gefallenen“ beerdigt werden soll, erklärte Justizministerin Dolores Delgado.

Dies habe der Ministerrat beschlossen, hieß es nach der wöchentlichen Kabinettssitzung in Madrid. Die Familie des Diktators hatte zuletzt mitgeteilt, sie wolle einer Exhumierung nur dann zustimmen, wenn der Leichnam in ein angekauftes Familiengrab in der Almudena-Kathedrale (Bild unten) von Madrid gebracht werde. Sie hat nun 15 Tage Zeit, um bekannt zu geben, wo die sterblichen Überreste des „Generalisimo“ beerdigt werden sollen.

Delgado bekräftigte am Freitag, man werde eine Verlegung in das Gotteshaus im Zentrum der spanischen Hauptstadt nicht zulassen. Sollte die Familie Francos keine Alternative nennen, werde die Regierung über die letzte Ruhestätte des Diktators entscheiden, sagte sie. Die sozialistische Regierung unter Pedro Sanchez befürchtet, dass die Almudena-Kathedrale durch das Franco-Grab zu einem neuen Wallfahrtsort für Rechtsextreme werden könnte.

Mausoleum Pilgerstätte für Anhänger des Diktators
Der Streit um die Umbettung des Franco-Leichnams hält seit vielen Monaten an. Sanchez hatte schon kurz nach seiner Amtsübernahme im Juni 2018 angekündigt, die Gebeine Francos aus dem „Tal der Gefallenen“ an einen anderen Ort bringen zu wollen. Bis heute ist das riesige Mausoleum (Bild unten) nordwestlich von Madrid eine Pilgerstätte für Menschen, die den toten Diktator verehren.

Francos Leichnam befindet sich seit 1975 in der dortigen Basilika, über der ein 155 Meter hohes Kreuz thront. Das Monument war von 1940 bis 1959 auf Anordnung Francos von 20.000 republikanischen Zwangsarbeitern unter unmenschlichen Bedingungen in den Fels getrieben worden - viele überlebten die Strapazen nicht. Der Ort rund 60 Kilometer nordwestlich von Madrid wird jährlich von rund 400.000 Menschen besucht, unter ihnen auch viele Franco-Anhänger.

Franco löste durch einen Putsch gegen die gewählte republikanische Regierung 1936 den spanischen Bürgerkrieg aus. Nach dem Sieg der rechten Kräfte 1939 regierte er das Land bis zu seinem Tod 1975 diktatorisch.

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