Sa, 23. Februar 2019
12.02.2019 09:53

„Noch nicht zu spät“

Soros: „Europa ist am Weg in einen Albtraum“

Der ungarisch-stämmige US-Milliardär George Soros warnt in einem Kommentar für das Nachrichtenportal „MarketWatch“ davor, dass Europa auf einen Albtraum zusteuert. „Doch noch ist es nicht zu spät, um gegenzusteuern. Wichtig ist vor allem, die schlafende pro-europäische Mehrheit zu mobilisieren und die gemeinsamen Werte zu verteidigen“, so Soros.

„Die Menschen in Europa müssen aufwachen, bevor es zu spät ist“, so der US-Miliardär in dem Beitrag. Sollte das nicht passieren, würde die Europäische Union den Weg der Sowjetunion aus dem Jahr 1991 gehen.

Dass wir derzeit einen revolutionären Moment erleben, dessen Ausgang höchst unsicher ist, scheint kaum jemand wirklich zu verstehen, so Soros weiter. „Die meisten vermuten, dass die Zukunft der Gegenwart gleichen werde - aber das muss nicht zwangsläufig so sein.“

Anti-europäische Kräfte auf dem Vormarsch
Der ungarisch-stämmige US-Milliardär erklärt, dass er schon viele Perioden erlebt habe, in denen eine radikale Ungleichheit geherrscht habe. „Der nächste Wendepunkt könnte bereits durch die Wahlen des Europäischen Parlaments im Mai erfolgen, wo anti-europäische Kräfte einen Wettbewerbsvorteil haben werden“, so Soros. Denn das antiquierte System behindere vor allem jene, die die Werte, welche die EU ausmachen, wahren möchten.

Als Beispiele führt Soros Deutschland, Großbritannien und Italien an, wo die Stimmung gegen die EU kaum noch stärker sein könnte. In Deutschland ist mit der AfD eine anti-europäische Partei im Aufwind, der Standpunkt von CDU/CSU ist Soros zufolge sehr ambivalent. „Die Situation in Deutschland ist weit weg von hoffnungslos“, so der Milliardär.

In Großbritannien dreht sich ohnehin nur noch das gesamte Tagesgeschäft um den Austritt aus der Europäischen Union: „Labour und Konservative sind zwar gespalten, aber ihre Anführer Jeremy Corbyn und Theresa May, sind so entschlossen, den Brexit über die Bühne zu bringen, dass sie entschieden haben, zu kooperieren.“ Im Land selbst, wollen es alle nur noch hinter sich bringen - und das, „obwohl dieses Event das Land jahrzehntelang prägen wird“, so Soros.

Und in Italien - wo viele Flüchtlinge auf den Weg in die EU erstmals ankommen - wurde 2017 mit der strikten Forderung nach der Einhaltung des Dublin Abkommens ein schwerwiegender Fehler gemacht, so der Milliardär. Denn seither sind die EU-Gegner mehr und mehr im Aufwind. „Mit dem damaligen Kurs wurde die Wählerschaft in die Arme der Fünf-Sterne-Bewegung getrieben“, so Soros.

Albtraum des 21. Jahrhunderts verhindern
Für Soros steht demnach fest, dass etwas unternommen werden muss, bevor der Traum vom geeinten Europa der Albtraum des 21. Jahrhunderts wird. Daher müsse die pro-europäische Mehrheit mobilisiert werden und das Ausmaß der Bedrohung durch die Feinde Europas müsse erkannt werden.

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