31.05.2004 15:08 |

Pantanis Thronfolger

Damiano Cunego gewinnt den Giro

Im traurigsten Jahr des italienischen Radsports steigt Damiano Cunego wie Phönix aus der Asche. Nach den jüngsten Dopingskandalen und dem Drogentod von Marco Pantani hat Italien mit dem erst 22-jährigen Sensationssieger des Giro d'Italia sein so heiß ersehntes neues Idol.
"Hoch lebe Cunego, der Retter des Radsports",bejubelte der "Corriere della Sera" am Pfingstmontag den JungenWilden aus dem Veneto, den sein Heimatblatt "Arena" gleich zum"Pantacunego", dem neuen Pantani erklärte. Die kleine Giro-Revolutionder neuen Generation machte der 23-jährige Fabian Wegmannvom Team Gerolsteiner perfekt, der völlig überraschenddie Bergwertung gewann. Beide hatten sich auf ihren Triumph-Wegengegenseitig Schützenhilfe gewährt.
 
Pantanis Thronfolger
Der König ist tot - es lebe der König.Für die Fans am Rande des letzten Giro-Etappen war ohnehinklar: Der kletterfeste Cunego ist der würdige Thronfolgerdes legendären "Pirata". Mehr noch: Pantani selbst habe denNobody zu seinem Nachfolger auserkoren und ihm die Berge hinaufgeholfen. "Cunego - der Pirata schaut auf Dich, er schiebt Dich",stand auf großen Spruchbändern am Rande der Strecke.Sein Nachfolger genannt zu werden, ist allerdings eine etwas fragwürdigeEhre. Der lange auch von den Doping-Jägern verfolgte Pantanistarb am 14. Februar an einer Überdosis Kokain.
 
"Krönung eines Traumes"
Cunego selbst maßte sich den Vergleich mitPantani vielleicht auch deshalb nicht an. "Dies ist die Krönungeines Traums", meinte der Saeco-Fahrer, der in Mailand am Endeder Drei-Wochen-Tour seinen Kapitän und zweifachen Giro-GewinnerGilberto Simoni, der ihn kurz vor Giro-Ende als "Bastardo" beschimpfte,abgelöst hatte. Voreiligen, die ihn auch schon bei der Tourde France siegen sehen, erteilte Cunego, früher Eishockey-Spieler,eine Absage: "Ich will nicht zur Tour, mein Traum ist Athen."
 
Vom Hilfsbäcker zum Giro-Helden
Cunegos Träume wurden bisher immer wahr. Schonals kleiner Junge war er vom Radsport fasziniert. "Als Kind warich ein Kamikaze", gab Cunego zu. Eine Abfahrt endete in den Bergendes Veneto mit einem Frontal-Zusammenstoß mit einem Transporter.Aber das Leichtgewicht (59 Kilo) kam heil davon. Sein erstes Rennradfinanzierte er sich selbst, weil sein Vater von der Plackereiim Radsport gar nicht begeistert war. Aber Cunego verfolgte zielstrebigseinen Traum und jobbte dafür sogar als Hilfsbäckerin der Bäckerei seines Heimatortes. "Um vier Uhr aufstehen:das war schlimmer als eine Bergetappe", erinnerte sich Cunego.
 
Mit dem ersten Rennrad kamen 1997 die ersten Erfolgeund wenig später der erste, hoch dotierte Profi-Vertrag fürden Junioren-Weltmeister von 1999. Für drei Jahre und 300000 Euro im Jahr unterschrieb Cunego bei Saeco. Der größteitalienische Campionissimo Fausto Coppi war bei seinem erstenGiro-Sieg 1940 nur wenige Monate jünger als Cunego.
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