17.01.2019 12:48 |

Große Kräfte am Werk

Nepal droht laut Schweizer Forschern ein Megabeben

Im April 2015 hat eine Reihe heftiger Erdbeben in Nepal fast 9000 Menschenleben gefordert und zahlreiche Dörfer und Kulturdenkmäler zerstört. Doch dem asiatischen Land, in dessen Norden und Osten ein großer Teil des Himalajas liegt, könnten noch weitaus stärkere Beben - mit Magnituden von 8 oder höher - drohen, warnen nun Schweizer Forscher. Vorhersagen, wann die nächsten starken Erdstöße in Nepal drohen, können sie aber nicht.

Nepal liegt genau dort, wo zwei Kontinente kollidieren: Wo die Indische und die Eurasische Kontinentalplatten aufeinandertreffen und sich Erstere unter die Letztere schiebt, kann die Erde heftig beben - wie beim Beben von 2015. Das schließen Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich aus Simulationen mit einem neuen, von ihnen entwickelten Modell, das die Vorgänge in der Bruchzone zwischen beiden Platten abbildet.

Die Katastrophe vom April 2015 könnte demnach noch nicht das Schlimmste gewesen sein, was die Bruchzone dem Land bescheren kann. Beben mit Magnituden von 8 oder höher wären möglich, berichten die Wissenschaftler um Luca Dal Zilio und Taras Gerya im Fachblatt „Nature Communications“. Der vorderste, oberflächennahe Teil der Bruchzone, wo die Indische unter die Eurasische Platte abtaucht, sei nicht gerissen und stehe immer noch unter Spannung.

Teilrisse bauen mehr Spannung auf
Größere Beben lösen normalerweise alle Spannungen rund um das Epizentrum; dies sei jedoch bei dem Beben vor knapp vier Jahren nicht geschehen. In einem frontalen Teil der Bruchzone (Grafik unten) nahe dem Fuß des Himalaya haben die Spannungen der Studie zufolge im Gegenteil sogar zugenommen, so die Forscher.

Zwei bis drei weitere Beben wie das sogenannte Gorkha-Beben von 2015 würden den Simulationen der ETH-Forscher zufolge so viel Spannung in oberflächennahen Bereichen der Bruchzone aufbauen, dass ein Megabeben der Magnitude 8,1 oder höher möglich wäre. Erst ein solch gewaltiges Beben würde alle aufgestauten Spannungen der Bruchzone lösen.

Megabeben alle 400 bis 600 Jahre
Dank des neuen Modells fanden die Forscher heraus, dass es mindestens zwei Typen von starken Erdbeben im Himalajagebiet gibt, die in unterschiedlichen Zyklen auftreten: mittelstarke wie das Ghorka-Beben mit einer Periodizität von bis zu wenigen Hundert Jahren und deutlich seltenere Megabeben mit Abständen von 400 bis 600 Jahren. Weil sich die Zyklen jedoch teils überlagern, sei mit starken Erdbeben in unregelmäßigen Abständen zu rechnen, schrieb die ETH.

Das neue Modell der ETH-Forscher soll helfen, die Gefährdung in der Region besser einzuschätzen und Vorsorgemaßnahmen zu planen. Voraussagen, wann das nächste starke Beben droht, kann das neue Modell jedoch nicht.

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