Do, 17. Jänner 2019

Kein einziges Brutpaar

20.12.2018 13:04

Blauracke in Österreich vom Aussterben bedroht

Einer der farbenprächtigsten Vögel Europas, die Blauracke, ist in Österreich so gut wie ausgestorben. Gab es Mitte des 20. Jahrhunderts allein in der Steiermark noch fast 300 Brutpaare ist dieser Bestand seither kontinuierlich zurückgegangen. Heuer brütete erstmals kein Blauracken-Paar in Österreich, wie das Naturhistorische Museum (NHM) Wien und BirdLife Österreich berichten.

„Beim Aussterben zusehen“ („Witnessing extinction“) lautet der daher auch Titel einer aktuellen Studie von Forschern der beiden Einrichtungen, deren Forschungsgegenstand die Blauracke ist. Sie verwendeten dafür einerseits Proben von Nestlingen, die zwischen 2003 und 2015 in der Steiermark beringt worden waren, und andererseits Vögel, die als Belegexemplare in der Vogelsammlung des NHM Wien aufbewahrt werden.

Massive genetische Verarmung
In der Studie zeigte sich deutlich der Verlust genetischer Vielfalt in Folge des Zusammenbruchs der steirischen Population. Während die historischen Proben aus Österreich aus den Jahren 1874 bis 1931 genetisch äußerst variabel waren, sank die Diversität von Vögeln aus späteren Jahren stetig, bis sich schließlich in der Gegenwart die Racken genetisch einander extrem stark ähnelten.

Mangel an geeigneten Nistplätzen
Verantwortlich am Schicksal der Blauracke dürfte der Verlust an geeigneten Lebensräumen sein, in denen die Vögel brüten können. Das führe vermutlich dazu, dass die wenigen verbliebenen Vögel immer seltener bzw. gar nicht mehr brüten. Heuer sind nur einige nichtbrütende Altvögel aus dem afrikanischen Überwinterungsgebiet nach Österreich zurückgekehrt, so die Wissenschaftler.

Die Studie zeigte auch, dass die Blauracken-Vorkommen in Ost- und Südosteuropa genetisch den österreichischen Vögeln sehr ähnlich sind. Es würde daher nichts dagegensprechen, die steirische Population mit Vögeln aus Ost- und Südosteuropa aufzustocken und genetisch aufzufrischen. Für die Forscher ist es aber fraglich, ob das bei einer so stark isolierten Reliktpopulation, die sich auf natürlichem Wege schon seit Langem nicht mehr mit den weit entfernt vorkommenden Beständen austauschen kann, erfolgversprechend wäre.

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