„Unübersichtlich“

Rechnungshof-Kritik am Ticketsystem der ÖBB

Österreich
07.12.2018 16:16

Harsche Kritik übt der Rechnungshof am Tarifdschnungel im ÖBB-Ticketvertriebssystem. Der Aufbau des neuen Ticketshops war mit 131 Millionen Euro mehr als doppelt so teuer wie erwartet. Doch nach wie vor seien Reiseangebote sowie die Preisgestaltung für die Fahrgäste mitunter schwer nachvollziehbar. Auch die Betrugsanfälligkeit der Ticketshop-App sei den ÖBB teuer zu stehen gekommen, wie es im am Freitag veröffentlichten Bericht heißt.

„Beim Ticketkauf werden während der Preisberechnung entscheidende, tarifrelevante Informationen nicht klar ausgewiesen“, so der Rechnungshof. Dazu ein Beispiel: Eine Fahrkarte von Horn in Niederösterreich nach Wien mit Ermäßigung kann 10,60 oder 12,80 oder 13,20 Euro kosten, der Normalpreis liegt bei 19,60 Euro. Grund dafür sind unterschiedliche Routen und geografische Verbundgrenzen. So werden bei manchen Fahrten 2,20 Euro für die Wiener Kernzone mitberechnet, damit man auch die Wiener Öffis nutzen kann.

(Bild: Peter Tomschi (Archivbild))

Das von den Fahrgästen meist unbemerkte Speichern einzelner Voreinstellungen im Systemhintergrund führte - im Zusammenwirken mit dem Fehlen einer Reset-Funktion - mitunter zu unerwarteten Ergebnissen.

RH empfiehlt Vereinfachung der Tarifstrukturen
Durch die hohe Tarifkomplexität und die vielen Ermäßigungsvarianten und Zusatzfunktionen sei der Ticketshop überfrachtet. Der Rechnungshof empfiehlt dem für die ÖBB zuständigen Verkehrsministerium von Norbert Hofer (FPÖ), auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr Österreichs hinzuwirken. Das würde auch die Probleme des Ticketshops lösen.

Der Rechnungshof empfiehlt dem für die ÖBB zuständigen Verkehrsminister Norbert Hofer, auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr Österreichs hinzuwirken. (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Der Rechnungshof empfiehlt dem für die ÖBB zuständigen Verkehrsminister Norbert Hofer, auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr Österreichs hinzuwirken.

Die ÖBB schlossen sich am Freitag dieser Empfehlung an: „Dies wäre dringend notwendig und würde auch die Transparenz für die Kunden deutlich erhöhen“, sagte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder. Wie es auch gehen kann, zeigt derzeit Luxemburg. Als erstes Land der Welt will die dortige Regierung alle Züge, Straßenbahnen und Busse kostenlos machen, unter anderem, um die staugeplagte Hauptstadt zu entlasten. Die ÖBB betonten, dass mit dem Ticketshop „die Basis für ein österreichweites, einheitliches Vertriebssystem“ geschaffen worden sei. Jene Tarifstrukturen, die im unmittelbaren Einflussbereich der ÖBB liegen, seien sukzessive vereinfacht worden.

(Bild: Martin Jöchl)

Sicherheitslücken beim Ticketkauf
Ein großes Problem stellt für den Rechnungshof auch die Betrugsanfälligkeit des Fahrscheinkaufs dar. Der starke Anstieg bargeldloser Zahlungstransaktionen und der zunehmende Missbrauch von Kreditkartendaten habe zwischen 2012 und 2017 zu Zahlungsausfällen in der Höhe von rund 4,4 Millionen Euro geführt. Die ÖBB haben reagiert und 2016 ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. „Aktuell sind die Zahlungsausfälle von 2016 bis 2018 um 90 Prozent reduziert worden“, erklärte Rieder.

Kronen Zeitung/krone.at

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