Mi, 19. Dezember 2018

„Unübersichtlich“

07.12.2018 16:16

Rechnungshof-Kritik am Ticketsystem der ÖBB

Harsche Kritik übt der Rechnungshof am Tarifdschnungel im ÖBB-Ticketvertriebssystem. Der Aufbau des neuen Ticketshops war mit 131 Millionen Euro mehr als doppelt so teuer wie erwartet. Doch nach wie vor seien Reiseangebote sowie die Preisgestaltung für die Fahrgäste mitunter schwer nachvollziehbar. Auch die Betrugsanfälligkeit der Ticketshop-App sei den ÖBB teuer zu stehen gekommen, wie es im am Freitag veröffentlichten Bericht heißt.

„Beim Ticketkauf werden während der Preisberechnung entscheidende, tarifrelevante Informationen nicht klar ausgewiesen“, so der Rechnungshof. Dazu ein Beispiel: Eine Fahrkarte von Horn in Niederösterreich nach Wien mit Ermäßigung kann 10,60 oder 12,80 oder 13,20 Euro kosten, der Normalpreis liegt bei 19,60 Euro. Grund dafür sind unterschiedliche Routen und geografische Verbundgrenzen. So werden bei manchen Fahrten 2,20 Euro für die Wiener Kernzone mitberechnet, damit man auch die Wiener Öffis nutzen kann.

Das von den Fahrgästen meist unbemerkte Speichern einzelner Voreinstellungen im Systemhintergrund führte - im Zusammenwirken mit dem Fehlen einer Reset-Funktion - mitunter zu unerwarteten Ergebnissen.

RH empfiehlt Vereinfachung der Tarifstrukturen
Durch die hohe Tarifkomplexität und die vielen Ermäßigungsvarianten und Zusatzfunktionen sei der Ticketshop überfrachtet. Der Rechnungshof empfiehlt dem für die ÖBB zuständigen Verkehrsministerium von Norbert Hofer (FPÖ), auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr Österreichs hinzuwirken. Das würde auch die Probleme des Ticketshops lösen.

Die ÖBB schlossen sich am Freitag dieser Empfehlung an: „Dies wäre dringend notwendig und würde auch die Transparenz für die Kunden deutlich erhöhen“, sagte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder. Wie es auch gehen kann, zeigt derzeit Luxemburg. Als erstes Land der Welt will die dortige Regierung alle Züge, Straßenbahnen und Busse kostenlos machen, unter anderem, um die staugeplagte Hauptstadt zu entlasten. Die ÖBB betonten, dass mit dem Ticketshop „die Basis für ein österreichweites, einheitliches Vertriebssystem“ geschaffen worden sei. Jene Tarifstrukturen, die im unmittelbaren Einflussbereich der ÖBB liegen, seien sukzessive vereinfacht worden.

Sicherheitslücken beim Ticketkauf
Ein großes Problem stellt für den Rechnungshof auch die Betrugsanfälligkeit des Fahrscheinkaufs dar. Der starke Anstieg bargeldloser Zahlungstransaktionen und der zunehmende Missbrauch von Kreditkartendaten habe zwischen 2012 und 2017 zu Zahlungsausfällen in der Höhe von rund 4,4 Millionen Euro geführt. Die ÖBB haben reagiert und 2016 ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. „Aktuell sind die Zahlungsausfälle von 2016 bis 2018 um 90 Prozent reduziert worden“, erklärte Rieder.

Kronen Zeitung/krone.at

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Überfall in Ottakring
Elf Jahre Haft für zwei Beteiligte an Postraub
Österreich
Deutsche Bundesliga
Dortmund-Pleite, Hinteregger nach Tor verletzt out
Fußball International
Deutsche Bundesliga
2:0 gegen Nürnberg! Gladbach nicht zu stoppen
Fußball International
Vertrag bis 2019
Ibrahimovic bleibt bei Los Angeles Galaxy
Fußball International
Der krone.at-Talk
Ist das Weihnachtsfest noch zu retten?
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.