21.11.2018 07:00 |

Live in der Arena

Black Stone Cherry - die Retter des Classic-Rock

Seit 17 Jahren verfolgen die US-Südstaatenrocker Black Stone Cherry die Prämisse, dass der Classic Rock amerikanischer Prägung alles andere als ausgestorben ist. Nach einem gefeierten Gig beim Nova Rock kommen sie diesen Freitag für eine Show in die Wiener Arena zurück. Sänger Chris Robertson und Gitarrist Ben Wells erklärten uns, warum der Hard Rock bald wieder an der musikalischen Spitze stehen wird.

Cream, Led Zeppelin, Muddy Waters oder The Faces - wer eine solche musikalische Früherziehung genießt und dann auch noch aus Kentucky kommt, hat seine Zukunft bereits vorgegeben. Black Stone Cherry, benannt nach einer in den USA gängigen, populären Billigzigarettenmarke, sind seit ihrer Gründung vor 17 Jahren ein wandelndes Klischee und machen auch keinen Hehl daraus, sich irgendwo zwischen Stetson, Cowboy-Boots und überbordender Männlichkeit am wohlsten zu fühlen. Schon in der High School fand das Quartett nach und nach zusammen, jammte sogar mit dem Schuldirektor und probte die meiste Zeit in einer alten, unbeheizten Scheune. Dort war schon Richard Young, der Vater von BSC-Drummer John Fred Young, in den 60er-Jahren mit seinen Kentucky Headhunters aktiv. Wie in den US-Südstaaten üblich, wurde die musikalische Fackel schnellstmöglich an den Nachkommen weitergegeben.

Standortvorteile
Mittlerweile haben sie sechs Alben am Buckel und dominieren neben dem amerikanischen vor allem den britischen Markt. So spielten Black Stone Cherry heuer am Nova Rock etwa den allerersten Festival-Slot spätmittags, während sie ein paar Tage zuvor beim renommierten Download-Festival fast schon Headlinerstatus erhielten. Für die harten Arbeiter ist das aber kein Problem. Im Gegensatz zu vielen großen Starkünstlern sehen sie es nicht als selbstverständlich an, die größten Hallen zu bespielen, sondern komponieren und touren akribisch, um stets den nächsten Karriereschritt zu schaffen. Wichtig ist dabei die Authentizität und das Gefühl der Heimat, wie Sänger Chris Robertson im Interview mit der „Krone“ betont. „Natürlich ist es schwieriger, sich aus Kentucky Gehör zu verschaffen, aber Chris Stapleton, der aktuelle wohl größte Country-Star Amerikas, stammt auch von dort. Würden wir aus einer US-Metropole kommen, hätten wir sicher Standortvorteile, aber nur hier konnten wir in Ruhe unseren Sound entwickeln. Niemand hat jemals von uns verlangt, dass wir wie das nächste heiße Ding klingen müssen.“

Noch bevor die vier Milchgesichter von Greta Van Fleet derzeit gerade den 60s-Rock reanimiert haben, lag es an Bands wie den Rival Sons oder eben auch Black Stone Cherry, den kultigen Classic Rock der alten Tage möglichst selbstbestimmt in die Moderne zu führen. Nachdem namhafte Acts wie Tom Petty, die Allman Brothers oder Lynyrd Skynyrd entweder verstarben oder aktiv an die Pension denken, sind jüngere Bands umso stärker gefordert, die Popularität dieses ursprünglichen Sounds am Leben zu erhalten. „Wenn die Möglichkeit besteht, werden wir da sein. Für uns ist es schon unglaublich, überhaupt mit solchen Bands in einem Atemzug genannt zu werden oder gar die Bühne zu teilen. Würden wir irgendwann auch nur halbwegs den Status von Aerosmith oder Lynyrd Skynyrd kriegen, wären wir die glücklichsten Typen der Welt.“

Fehlende Vielseitigkeit
Robertson hält wenig davon, wenn man den Rock in der Krise sieht, nur weil der Hip-Hop in den USA gerade die Vormachtstellung übernommen hat. „All die Rockfestivals - vor allem in Europa - sind immer ausverkauft oder kurz davor. Wenn ein Festival wie das Nova Rock an einem Wochenende 150.000 bis 200.000 Menschen mit Gitarrenklängen versammelt, kann das alles doch nicht so schlimm sein.“ Den Hip-Hop will Robertson aber nicht verteufeln. Ganz im Gegenteil sieht er ihn schlichtweg besser gealtert. „Die Rockbands klingen heute oft eins zu eins gleich wie früher, das ist langweilig. Beim Hip-Hop hast du politische Rapper, unpolitische Rapper, Eastcoast-Sound, Westcoast-Sound, Gesellschaftskritik oder Hedonismus - und nichts klingt gleich wie das andere. Da müssen wir Rockbands uns allgemein schon selbst an der Nase nehmen.“

All der temporären Popularität zum Trotz, sieht er den Rap nicht so langfristig erfolgreich wie den Rock. „Wie viele Menschen hören die größten Hip-Hop-Alben, die vor 30 Jahren entstanden und dann sag mir, wie viele Leute heute das Debüt von Guns N‘ Roses hören? Ein Kanye West macht großartige Musik, aber ich glaube nicht, dass er jemals die Nachhaltigkeit von AC/DC oder Aerosmith erreichen wird. Ich bin etwa großer Fan von Justin Timberlake, aber selbst bei ihm bin ich nicht sicher, ob seine Songs jemals die Wertigkeit und Dauerhaftigkeit der großen Rockbands von früher erreichen können.“

Mut zusammengenommen
Black Stone Cherry knüpften für ihr aktuelles Album „Family Tree“ selbst schon zarte Band mit einer Legende. Den Song „Dancin‘ In The Rain“ veredelt die Classic-Rock-Gitarrenikone Warren Haynes. „Wir kennen ihn schon seit 15 Jahren, liefen uns gegenseitig immer mal wieder über den Weg. Letztes Jahr haben wir uns endlich getraut, ihm diesen Song zu schicken. Er war sofort begeistert und als er mit seiner Tour in Kanada fertig war, spielte er auch schon seinen Part ein. Gitarrist Ben Wells ergänzt: “Warren ist ein ungemein generöser, angenehmer Mensch, mit dem man hervorragend arbeiten kann.“

Das Album selbst ist nicht nur des Titels wegen eine Hommage an die echte Familie, die Bandfamilie und nicht zuletzt die Fans. “Wir meinen damit alle drei Komponenten. Mehr als je zuvor war uns auf diesem Album egal, was jemand darüber denkt oder ob auch nur ein Song davon radiotauglich ist. Auf Tour haben wir die Songs auf der Rückbank unseres Busses geschrieben, daheim die Demos gesichtet und dann aufgenommen.„ Im Gegensatz zu den Frühwerken haben Black Stone Cherry heute aber auch etwas von ihrer Aggressivität und ihrem klassischen Rockgestus eingebüßt und den Grundsound etwas balladesker und bekömmlicher gestaltet. “Wir stehen für Frieden, Liebe und Positivismus. Es gibt genug Hass und negative Stimmung auf der Welt - bei uns sollen die Menschen Lachen und Tanzen können.“

Keine Berührungsängste
Am Wichtigsten ist ihnen aber ohnehin die Nähe zu ihren Fans - Starallüren sind Black Stone Cherry trotz steigenden Erfolgs völlig fremd. “Am Ende des Tages haben wir diesen Erfolg nur, weil die Leute ihr hart erspartes Geld für unsere Konzerte, Alben oder T-Shirts ausgeben. Ace Frehley hat unlängst einmal ein Interview gegeben, wo er meinte, dass er nicht genervt werden möchte und keine Zeit für ein schnelles Foto hätte. Fick doch diese Einstellung, das ist einfach falsch.“ Gitarrist Wells sieht die Bescheidenheit in der Erziehung verortet. “Wären wir arrogant, würden uns unsere Eltern auf der Stelle prügeln. Solange ich nicht gerade im Badezimmer bin oder schlafe, kannst du zu 100 Prozent sicher sein, dass ich dir ein Autogramm gebe oder ein schnelles Foto mache.“

Am Freitag, 23. November, spielen Black Stone Cherry mit Monster Truck als Support in der Wiener Arena. Karten für das Konzert gibt es noch unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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