26.10.2018 13:38 |

Ghanem Almasarir

Saudi-YouTube-Star lässt sich nicht einschüchtern

Der saudi-arabische Starblogger Ghanem Almasarir lässt sich in seinem Londoner Exil durch die Ermordung seines Landsmanns Khashoggi in Istanbul nicht einschüchtern. Auf seinem YouTube-Videokanal mit mehr als 200 Millionen Klicks verspottet er das Königshaus und den Kronprinzen Mohammed bin Salman.

„Wenn sie nicht bestraft werden, machen sie einfach so weiter wie bisher“, sagte er jetzt der Nachrichtenagentur AFP.

Demo vor saudischer Botschaft in London
Am Mittwoch mietete der 38-jährige Satiriker zusammen mit einem Dutzend Aktivisten einen roten Doppeldeckerbus, um vor der saudi-arabischen Botschaft in London gegen die Ermordung des Journalisten Khashoggi zu protestieren. Wenige Meter vor dem Gitter des eleganten Gebäudes sagte Almasarir: „Wenn wir jetzt reingehen, werden wir enden wie Khashoggi. Sie könnten uns töten und in Stücke schneiden.“

Am 31. August griffen zwei Männer Almasarir vor dem berühmten Harrods-Kaufhaus an, was in einem Video dokumentiert ist. Er selbst ist überzeugt, dass es sich bei den Männern um Saudi-Araber handelte, die ihn wegen seiner Kritik an Riad Angst einjagen wollten. Aber Almasarir macht weiter. Sein Programm nennt er eine „Stimme für die Saudi-Araber, die von dieser Regierung genug haben und ihr nicht vertrauen“.

Demonstration auch vor Tatort in Istanbul
Vor dem saudi-arabischen Konsulat in Istanbul fand am Donnerstag eine Demonstration aus Protest gegen Khashoggis Ermordung statt. In der srilankischen Hauptstadt Colombo beteiligten sich Mitglieder der Vereinigung der Internet-Journalisten an einer Kundgebung vor der saudi-arabischen Botschaft.

Der 60-jährige Khashoggi, der sich zuletzt in der „Washington Post“ kritisch mit der Lage in seiner Heimat auseinandersetzte, ist spurlos verschwunden, seit er am 2. Oktober das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betrat. Saudi-Arabien hatte am Samstag unter massivem internationalen Druck erklärt, der Journalist sei im Konsulat bei einem „Faustkampf“ zu Tode gekommen. Diese offizielle Version der Ereignisse wird allerdings international stark angezweifelt - zumal Riad zunächst versichert hatte, Khashoggi habe das Konsulat lebend verlassen. Zuletzt gab man zu, dass Kashoggi „mit Vorsatz“ getötet wurde.

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