09.01.2010 11:22 |

Airport-Evakuierung

"Newark-Küsser" von der Polizei verhaftet

Der Verursacher der spektakulären Sicherheitspanne auf dem New Yorker Flughafen Newark vom Sonntag ist von der Polizei aufgespürt worden. Laut NBC wurde der 28 Jahre alte Haisong Jiang (mi.) am Freitagabend festgenommen, von der Polizei über Nacht befragt und am Samstagmorgen wieder auf freien Fuß gesetzt. Er wird voraussichtlich mit nur 500 Dollar Geldstrafe davonkommen, auch wenn Sicherheits-Hardliner an ihm gerne ein Exempel statuiert hätten.

Auf seine Spur hatte das am Freitag veröffentlichte Überwachungsvideo (siehe Infobox) geführt. Darauf war der ungeduldig wartende Asiate zu sehen. Die Bilder der Überwachungskamera zeigten, wie Jiang eine Unachtsamkeit eines Wachmannes nutzte, um in den gesicherten Bereich vorzudringen und seine Freundin zu küssen. 

Eine Sprecherin der Flugsicherheitsbehörde TSA betonte, es würden Lehren aus dem Vorfall gezogen, um eine Wiederholung zu vermeiden. Der betroffene Wachmann wurde nach dem Vorfall beurlaubt. Er arbeitet seit zweieinhalb Jahren für TSA und erhielt letztes Jahr eine Auszeichnung als "Model employee".

Sicherheits-Hardliner tobt über "viel zu niedrige Strafe"
Jiang, ein gebürtiger Chinese, der seit 2004 in den USA lebt und als Doktorand an der Molkularbiologie-Fakultät der Rutgers University studiert, wird für den spektakulären Vorfall voraussichtlich nur eine geringe Geldstrafe bekommen. Sicherheits-Hardliner würden an dem Wissenschaftler allerdings gerne ein Exempel statuieren.

So meinte der Senator Frank Lautenberg aus New Jersey, dass eine 500-Dollar-Geldstrafe viel zu niedrig sei. "Das war eine furchtbare Tat. Denn sie hat allen Terroristen da draußen gezeigt, dass man in den USA mit so etwas davonkommen kann." Jiang habe eine vorsätzliche Tat begangen und den "Tausenden Reisenden, die wegen ihm warten mussten, Unrecht angetan".

Nachbarn beschreiben den 28-Jährigen und seine Mitbewohner indes als ruhige, freundliche Menschen, die fleißig studierten. "Das sind sehr, sehr ruhige Leute. Gute Studenten, die niemals Partys feiern", sagte einer der Nachbarn der Zeitung "New York Times".

Terminal sechs Stunden lang gesperrt
Der Eindringling hatte am Sonntag eine mehr als sechsstündige Sperrung des Terminals C des Flughafens verursacht. Tausende Passagiere saßen fest. Sie mussten wegen des "Verdächtigen" zurück in den unkontrollierten Bereich und wurden erneut überprüft. Trotz des nur wenige Tage zurückliegenden Anschlagsversuchs von Detroit wurden bei der Evakuierung auch Paranoia-Vorwürfe laut.

Und wie sich herausstellte, war das Getöse in der Nachbetrachtung tatsächlich - wie so oft in solchen Fällen - "viel Lärm um nichts": Auf den Videoaufnahmen, die die Ermittler Tage nach dem Vorfall einer Überwachungskamera der Continental Airlines entnahmen, ist zu sehen, wie ein Mann eine Frau kurz vor der Sicherheitsüberprüfung umarmt und verabschiedet. Wenige Minuten später holt sie ihn aber ungehindert zu sich in den Abflugbereich. Der Mann hat das Flughafengelände 20 Minuten später unerkannt verlassen, wie Aufnahmen einer anderen Kamera zeigten.

Wachmann verließ seinen Posten
Die Szenen sind weniger eine Übertretung eines Flughafenbesuchers, sondern vielmehr ein Versäumnis eines Wachmannes. Zwar forderte der Wachmann den Unbekannten zunächst auf, außerhalb des Sicherheitsbereichs zu bleiben, was dieser auch tat. Als der Sicherheitsbeamte rund vier Minuten später seinen Arbeitsplatz verließ, konnte sich der "Romeo" mit seiner "Julia" am Tisch des Wachmannes treffen und schließlich ungehindert unter der Absperrung hindurch ducken, um zu der Frau zu eilen, von der ihm der Abschied offenbar besonders schwer fiel. Gemeinsam spazierten sie durch den Ausgang aus dem Abflugbereich in ebendiesen.

"Kennen Sie diesen Mann? Er ist der schurkische Romeo, der am Sonntag ihre Flugverspätung verursacht hat!", ätzte die "New York Daily News" über die von den Flugsicherheitsbehörden veröffentlichten Videoaufnahmen, die erst in den letzten Tagen aufgestöbert wurden und nicht von den Airport-eigenen Kameras stammen, die die Tat des damals noch Unbekannten nur in Echtzeit an die Sicherheitszentrale weiterleiteten und - entgegen der Vorschriften - nicht aufzeichneten.

Sicherheitsbehörde völlig blamiert
Für den Wachmann könnte es jetzt teurer werden. Der Mann ist vom Dienst beurlaubt und wird sich einer Untersuchung stellen müssen. Die größten Wunden hat allerdings die völlig blamierte Flugsicherheitsbehörde davongetragen. Neben dem Imageschaden - gerade in den Tagen, in denen Präsident Barack Obama keine Sicherheitslücken mehr dulden will - bleibt noch die Frage, wer für die millionenteuren Verspätungen verantwortlich ist...

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