So, 21. Oktober 2018

„Krone“ vor Ort

22.09.2018 06:00

Ein Tag als Polizeischüler der Sicherheitsakademie

„Wir müssen aufpassen, dass die jungen Kollegen auch noch bis drei zählen können“ - mit dieser herablassenden, um nicht zu sagen gehässigen Aussage sorgte ein hochrangiger Polizeibeamter vor Kurzem für berechtigten Ärger und Unmut unter Österreichs Polizeischülern. Grund genug, um das zu hinterfragen und einen Tag gemeinsam mit angehenden Polizisten die Schulbank zu drücken. Um sie beim Schieß- und Einsatztraining sowie in der Turnhalle zu beobachten.

„Nach einigen Jahren als Praktikant in einer Rechtsanwaltskanzlei beschloss ich, statt der eher monotonen Tätigkeit einen Beruf auszuüben, der abwechslungsreich ist und der mich fordert“, erklärt etwa Valentin B. (31), weshalb er Polizist werden möchte. Auch wenn den Wiener die „abfälligen, offenbar politisch motivierten Aussagen“ rund um das angeblich niedrige Niveau der Polizeiausbildung ärgern, demoralisiert wirkt er keinesfalls.

Ab Oktober sind auch Tätowierungen erlaubt
Einige Aufnahmehürden wie Alterslimit - unlängst bestand sogar ein 57-Jähriger den Test - oder Körpergröße sind mittlerweile weggefallen. Und ab Oktober sind sogar Tätowierungen, sofern sie rechtlich zulässig sind, erlaubt. „Doch von den wesentlichen Kompetenzen, die ein Sicherheitsbeamter erfüllen muss, wird keinen Millimeter abgewichen“, bekräftigt Sektionschef Karl Hutter, „Professionalität, Vertrauens- und Glaubwürdigkeit sowie Authentizität sind nach wie vor wesentliche Eigenschaften, die die Bürger von ihren Sicherheitsbeamten erwarten.“

Auch die Historikerin und angehende Polizistin Sophie G. (24) aus Tulln (NÖ) wirkt keinesfalls wie eine Duckmäuserin, die nicht bis drei zählen kann. „Nach meinem Studium habe ich beschlossen, Polizistin zu werden, weil mich die vielen Perspektiven in diesem Beruf, auch wenn sie mit Risiken verbunden sind, reizen.“

Karriere bei der Polizei

  • Dank einer modernen, innovativen Rekrutierungskampagne des Innenministeriums ist es - allen Unkenrufen zum Trotz - gelungen, genügend motivierte und engagierte Bewerber für den Polizeiberuf zu finden.
  • Während der kommenden Regierungsperiode werden die rund 7000 pensionsbedingten Abgänge in der Exekutive durch neue Polizisten ersetzt.
  • Bis 2019 sollen weitere 2100 Ausbildungsplanstellen und 2000 zusätzliche Planstellen geschaffen werden.
  • Ab 2019 können die bisherigen Aufnahmetests auch übers Internet gemacht werden. Schwimmtests fallen weg, ein Fahrtenschwimmerausweis ist dafür Pflicht. Auch Lauf-Checks gibt es dann nicht mehr, da die Leistungsfähigkeit anhand medizinischer Tests abgerufen werden kann.
  • Das bringt zudem auch eine finanzielle Ersparnis: Weder für den schriftlichen noch für den sportlichen Test oder das Schwimmen muss eine Halle angemietet werden.
  • Die Ausbildungsdauer zum Polizisten: 24 Monate.

„Eine Generation neuer Polizisten“
Als Chef der Polizeiausbildung beantwortet Thomas Schlesinger Fragen rund um das „Niveau“ der heutigen Polizeischüler.

„Krone“: Welche Grundausbildung bringen Österreichs künftige Polizisten mit?
Thomas Schlesinger: Derzeit sind rund zwei Drittel der Polizeischüler Maturanten. Die restlichen haben Berufserfahrung vom Tischler bis zum Techniker.

Was zeichnet heutige Schüler aus? Oder was ist etwas anders zum Schulalltag vor 30 Jahren?
Heutige Bewerber sind sehr selbstbewusst, gleichsam eine neue Generation von Polizisten. Sie sind keinesfalls Duckmäuser und stellen sich bei Themen, die sie bewegen, auf die Beine.

Wie hoch ist die Drop-out-Quote?
Bei den Aufnahmetests sehr hoch: Um 10.000 Bewerber zu finden, die die Tests positiv bestehen, müssen wir rund 60.000 Männer und Frauen prüfen. Danach liegt die Ausfallsquote nach 24 Monaten bei maximal 5 Prozent.

Apropos Frauen, wie viele Frauen wollen zur Polizei?
Derzeit liegt der Frauenanteil bei den Tests bei rund 25 Prozent.

Weshalb wurden Sie eigentlich Polizist?
Mein Onkel war Gendarm mit Leib und Seele und war mein Vorbild.

Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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