Mi, 21. November 2018

Barrierefreiheit adé

09.09.2018 12:09

Amtsweg wird wegen Poller zu Spießrutenlauf

Seit Mai wird der Verkehrsfluss in der Innenstadt von St. Veit an der Glan in Kärnten durch vollautomatische Poller geregelt. Während die Gemeinde mit dem System den Verkehr beruhigen möchte, stellt es für gehbehinderte Menschen wie Ewald Strutzmann eine zusätzliche Hürde im Alltag dar. Einfache Amtswege werden dann zu einem Spießrutenlauf.

„Es kann doch nicht sein, dass in Zeiten der Barrierefreiheit die Gemeinde durch diese Poller eine zusätzliche Hürde für behinderte Menschen schafft“, zeigt sich der 53-jährige Ewald Strutzmann entrüstet. Der St. Veiter hatte vor fünf Jahren einen schweren Motorradunfall. Er ist seit damals zu 80 Prozent invalid und schwer gehbehindert.

„Für Behinderte gibt es keine Ausnahme“
Am Dienstag musste er ins Rathaus, die Zufahrt wurde ihm am Unteren Hauptplatz jedoch verwehrt. „Über die Sprechanlage antwortete man mir überhaupt erst nach zehn Minuten, nachdem ich mich aufgeregt hatte. Ich musste schließlich für die Rettung Platz machen und umkehren“, so Strutzmann. „Taxis können natürlich jederzeit einfahren, aber für Behinderte gibt es keine Ausnahme.“

„Man nahm mich nicht ernst“
Seitens der Gemeinde verweist man auf die Zufahrtszeiten: „Montag bis Samstag sind die Poller von 10 bis 17 Uhr aktiviert. Dadurch können Personen, die keine Zufahrtsberechtigung haben, mit einem Kfz nicht in die Fußgängerzone einfahren.“ Taxifahrer, Grundbesitzer, Innenstadt-Unternehmer und Einsatzorganisationen seien ausgenommen. Strutzmann riet der Gemeinde, das System mit einem Eurokey zu versehen. Dieser Schlüssel ermögliche beeinträchtigten Personen europaweit bei vielen beschrankten öffentlichen Einrichtungen einen Zugang: „Man nahm mich jedoch nicht ernst.“

Alex Schwab
Alex Schwab

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