Fr, 21. September 2018

200.000 $ schon weg

25.08.2018 15:23

Junges US-Paar verprasst Spenden für Obdachlosen

Es war eine wunderbar rührende Geschichte: Nachdem der Obdachlose Johnny im November seine letzten 20 Dollar ausgegeben hatte, um ihr Sprit zu kaufen, richtete eine gestrandete US-Autofahrerin ein Spendenkonto für den Veteranen ein. 400.000 Dollar (rund 344.000 Euro) wurden auf diese Art und Weise gesammelt. Hier hört das Märchen allerdings auf: Denn Johnny lebt weiterhin auf der Straße. Kate McClure und ihr Freund Mark D‘Amico sollen bereits die Hälfte des Geldes für einen BMW, Urlaube und Casinobesuche verprasst haben, während Johnny keinen Cent davon gesehen haben soll.

Nachdem McClure mit ihrem Wagen auf einem einsamen Highway in Philadelphia ohne Sprit stehen blieb, zeigte sich Johnny Bobbitt hilfsbereit - der 35-Jährige riet ihr, im Wagen sitzenzubleiben und die Türen zu verriegeln, während er von seinem letzten Geld einen Kanister Benzin kaufte und zu ihr brachte. Die junge Frau war so gerührt, dass sie Spenden auf der Plattform GoFundMe für ihren selbstlosen Retter sammelte.

Es kam schließlich die stolze Summe von 400.000 Dollar zusammen. McClure versprach, dem Obdachlosen ein Haus zu kaufen, auch sein Lieblingsauto sollte er bekommen. Der Rest sollte in zwei Fonds veranlagt werden.

Nur leere Versprechen und keine Belege
Nun ist schon die Hälfte des Geldes weg - das Paar behauptet, es habe bereits 200.000 Dollar für seine Fürsorge aufgewendet, Belege haben die beiden dafür nicht. Statt einem Haus haben sie Johnny einen Campingwagen und einen gebrauchten SUV gekauft, der auf dem Grundstück ihrer Familie abgestellt wurde. 25.000 Dollar hätten sie ihm in bar gegeben, doch dieses Geld habe er für Freunde und Drogen ausgegeben. Deshalb würden sie die restliche Summe einbehalten. Auch Ausgaben für ein Hotel, zwei Mobiltelefone, ein Fernsehgerät, einen Laptop sowie Gebühren von 30.000 Dollar für die GoFundMe-Kampagne sollen zu den Ausgaben zählen.

Teure Urlaube statt Zuhause für Johnny
Mittlerweile wurden der Campingwagen und SUV verkauft, von dem Erlös soll Johnny ebenfalls nichts gesehen haben. Derweil verbrachte das Paar kostspielige Urlaube in Las Vegas und Los Angeles - Helikopterflüge und Privatlimousine inklusive. McClure kaufte sich einen neuen BMW. Die beiden behaupten, sie hätten das alles von ihren Gehältern finanziert - D‘Amico arbeitet als Zimmermann und McClure als Rezeptionistin. In sozialen Netzen fällt diese Optik negativ auf - Screenshots von den teuren Urlauben des Paares werden dort geteilt. 

Johnny: „Ich glaube, sie sind gierig geworden“
Währenddessen wohnt Johnny nun wieder auf der Straße, ist auch wieder drogensüchtig geworden. Er fühlt sich von dem Paar verraten: „Ich denke, sie hatten anfangs gute Absichten, aber mit dieser großen Summe Geld, glaube ich, sind sie gierig geworden“, so Johnny gegenüber dem „Philadelphia Inquirer“. D‘Amico, der Johnnys Spenden verwaltet, ist sich keiner Schuld bewusst. Einem Drogensüchtigen Geld zu geben, sei wie „ihm eine geladene Waffe zu geben. Ihm das ganze Geld zu geben, das wird nicht passieren. Eher würde ich es vor seinen Augen verbrennen“, ließ er gegenüber dem lokalem Medium wissen.

GoFundMe hat nun Anwälte eingeschaltet: Sie sollen herausfinden, ob das Paar die Spenden des Obdachlosen veruntreut hat. 

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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