So, 18. November 2018

Betroffener erzählt

22.08.2018 07:03

Drogen-Interview: „Es hat mit Kiffen angefangen“

Die Drogenproblematik spitzt sich zu. Der 27-jährige Klagenfurter Rudolf L. erzählt, wie sein Bruder in die Szene rutschte und wie seine Familie täglich um ihn zittern muss.

Immer wieder hört man von jungen Menschen, die durch Drogen sterben. Wie geht es Eurer Familie damit?
Es reißt einen immer, weil man sofort an seinen Bruder denkt und hofft, dass nichts passiert ist. Wir mussten ja schon mehrmals auch die Rettung rufen, wenn er zuhause am Boden lag

Wie hat alles begonnen?
Während der Lehre als Maurer. Damals hat er ja gut verdient. Dann war er oft mit Freunden unterwegs. So ist er reingerutscht. Es begann mit Alkohol und Kiffen. Dazwischen war auch schon Kokain dabei.

Wie ging es dann mit der Lehre weiter?
Er hat die Lehre fertig gemacht, dann fiel er in ein Loch, plötzlich waren Drogen an erster Stelle. Bei der Arbeit hat er sich immer wieder krank gemeldet. Irgendwann war der Job weg, obwohl der Arbeitgeber tolerant war. Mein Bruder war ja ein guter Maurer.

Wie hielt er sich danach über Wasser?
Anfang des Monats wurde gleich das AMS-Geld ausgegeben. Irgendwann hat er mir auch anvertraut, dass er Handys gefladert hat. Die Polizei ist dann dahintergekommen und er musste zwischenzeitig ins Gefängnis. Am Ende hat er sogar meine Schuhe verkauft, um Drogen besorgen zu können.

Wo hat er da gewohnt?
Nachdem er die Miete nicht mehr bezahlen konnte, wurde er delogiert. Dann schlief er zwischendurch bei mir oder im Obdachlosenheim. Eines Tages habe ich plötzlich 15 Spritzen in meiner Schublade entdeckt. Da wird dir schon anders.

Was war mit der Therapie?
Am Anfang war er richtig gut drauf. Als er dann erfahren hat, wie viel Rehageld er bekommt, das waren 1600 Euro, hat er auf einmal die Therapie abgebrochen und ist rückfällig geworden.

Kommt man bei uns leicht an Drogen?
Ja, es sind genug dunkelhäutige und weiße Verkäufer unterwegs. Man muss sich nur abends umsehen. Irgendwo steht immer wer an der Ecke. Egal, ob am Heiligengeistplatz, in St. Ruprecht oder am Bahnhof. Teilweise laufen die Deals auch im Auto. Man fährt eine Runde, damit einen niemand sieht.

Wie geht man als Familie mit all dem um?
Man kann auf seinen Bruder einreden, aber man hat nur wenig Einfluss. Das Problem ist ja auch, dass er die Drogen viel zu leicht bekommt. Er ist jetzt in einem Ersatzprogramm, aber teilweise bekommt er von mehreren Ärzten den gleichen Stoff, wenn er ihnen nur die richtige Story auftischt...

Christian Rosenzopf
Christian Rosenzopf

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