Do, 15. November 2018

Ausverkaufte Show

19.08.2018 11:10

Justin Timberlake: Triumphzug in Wien

Das nennt man wohl Hochleistungssport: Wenn US-Superstar Justin Timberlake mit seiner Show vorbeischaut, bedeutet das zwei Stunden ununterbrochene Performance-Dauerschleife auf höchstem Niveau. Der Sänger und Tänzer gab am Samstagabend in der ausverkauften Wiener Stadthalle eine Kostprobe seines Könnens. Nicht nur begeisterte Fans müssen da neidlos anerkennen: Er hat es immer noch drauf.

Immerhin galt das ehemalige Boyband-Mitglied (nach seinem Karrierebeginn im Mickey Mouse Club als süßer Dreikäsehoch war er mit *NSYNC Dauergast in den Charts) als vielversprechender Anwärter auf den Thron von Popkönig Michael Jackson. Sympathisches Lächeln, ausgefeilte Tanzmoves und eine Stimme, die sich mühelos in lichte Höhen schraubt: All das begleitete sein stark vom R&B beeinflusstes Solodebüt „Justified“ (2002), das nicht nur zahlreiche Hits hervorbrachte, sondern Timberlake auch seine ersten beiden Grammys bescherte.

Geborener Tänzer
Flugs war damit die Transformation vom gern belächelten Synchrontänzer und -sänger im Bubenbandformat zum ernsthaften Popkünstler vollzogen - und die nächsten Jahre sollte nicht minder erfolgreich werden. Das zeigte Timberlake in Wien auch mit den früh gesetzten Highlights „LoveStoned“ und „SexyBack“, die von seiner elfköpfigen Band ziemlich druckvoll in die Halle gezimmert wurden, während er gemeinsam mit sechs Tänzern die nach wie vor obligatorischen Moves geradezu locker aus dem Ärmel schüttelte. Ein Schritt hier, ein Handheben dort - jedes Rädchen griff ineinander.

Die gut 13.000 Besucher waren da schon völlig aus dem Häuschen, immerhin wurde man Zeuge einer richtig großen Show. Dazu passte auch die sehr aufwendige Bühnenkonstruktion, die nicht nur mit einigen (wenngleich etwas traurig aussehnenden) Bäumen aufwartete, sondern vor allem einen mehrfach geschwungenen Steg mit größeren Inseln mitten durch die Menge zog. Darauf sollte Timberlake an diesem Abend immer wieder durch die Anhängerschar pflügen: sprintend, mit leichtem Schritt tanzend oder ganz einfach wie der Pop-Prediger, der er in diesem Zusammenhang ist.

Quer durch die Karriere
Die einzelnen Karrierestationen wurden im Stakkato abgegrast (gutes Stichwort: beim Titelsong des aktuellen Albums „Man Of The Woods“ wuchsen im hinteren Bereich doch tatsächlich Gräserbüschel aus dem Boden), Zeit zum Verschnaufen blieb kaum. Das eingängige „Senorita“ erklang aus tausenden Kehlen, das große „Cry Me A River“ wurde gar ein bisschen zerschossen aufgrund überbordender Gitarreneinsätze und „Summer Love“ brachte viel Liebe in die heiße Location.

Womit man beim großen Manko des Auftritts wäre, für den Timberlake und Konsorten wirklich nichts können: Denn nicht nur der Star des Abends schwitzte, was das Zeug hielt. Tropische Temperaturen in der Stadthalle machten gerade die aufwendige Lichtshow, die immer wieder über die Anwesenden hinweg strahlte, zur gar nicht einfach zu meisternden Herausforderung. Timberlake selbst wiederum war nach der ersten Viertelstunde kaum mehr ohne ein Handtuch in Händen zu sehen - er warf es in die Lüfte, hatte es lässig auf der Schulter oder wischte sich zwischendurch rasch übers Gesicht. Eben ganz Profi.

Viel zu heiß
Völlig ohne Auswirkungen blieb das aber nicht: Ein Teil der aktuellen Show ist nämlich ein waschechtes Lagerfeuer, um das sich die Musiker und ihr Chef in der zweiten Konzerthälfte versammeln, um sich gegenseitig ein paar Covernummern zu trällern. Das Feuer war zwar da, auch das dazupassende Country-Outfit mit Holzfällerhemd und zerrissener Jeans, allerdings wurden die Stücke der Beatles oder von Lauryn Hill kurzerhand gestrichen. Der Reiz dieser feurigen Atmosphäre war für die Darsteller diesmal wohl ziemlich endenwollend.

Aber egal, immerhin durfte das Publikum erfahren: „Wir lieben euch!“ Ja, Justin Timberlake hat seine Fans ins Herz geschlossen und auch seine Band, die Tennessee Kids, machte ziemlich Laune und ihre Sache mehr als gut. Dass sich ob dieser gelungenen Party, deren kurzer Hänger im Mittelteil ob der intensiven Taktung durchaus verziehen werden kann, ein Großteil der Anwesenden immer noch mit Handyfilmen zufriedengibt, anstatt das Tanzbein zu schwingen, bleibt aber ein Rätsel. Eine heiße Show lieferten Timberlake und Co in jedem Falle ab.

APA/Christoph Griessner

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